nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
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Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

Das Leben ist ein Seilpark

Kaum hat man erleichtert aufatmend seine Füsse auf den festen Boden einer Plattform gesetzt, ein bisschen die Aussicht und das erklommene Wegstück bewundert, wird man geheissen, die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.
Wieder schwankend nach Sicherheiten und festem Untergrund suchen, was es beides, soviel ist klar, nicht gibt.
Wieder schwindelerregende Höhen.
Wieder ein Abschnitt, bei dem man als erstes denkt, man schafft es nicht.
Wieder tastend die Stelle suchen, wo man den Fuss als nächstes hinsetzen kann.
Wieder bleibt nur das Vertrauen in die eigenen Schritte und die eigene Kraft.
Wieder bleibt nur das Vertrauen, dass das Seil hält und das Wissen, dass ich meine Karabiner eingehängt habe.
Wieder bleiben nur Mut und der Schritt ins Leere.
Zum Glück weiss ich: Da kommt irgendwo eine nächste Plattform.

Alles loslassen. Das Loslassen. Das Wünschen. Das Wollen. Das Erwarten. Sogar das Hoffen.

Wünschen – erwarten – hoffen. Unterscheidet sich eins vom anderen? Ist Enttäuschung immer das Ende einer Täuschung, das Ende einer (falschen) Erwartung oder könnte man sie auch zerschlagene Hoffnung nennen?

Sicher ist, dass ich mit wünschen, erwarten und hoffen irgendwie eine innere Kraft aufwende und benütze, von der ich denke, dass sie in der Lage ist, mich der Erfüllung meines Wunsches ein bisschen näher zu bringen.

Die einen Menschen sagen mir dann, dass ich mit meinem Wünschen und Sohabenwollen meinen eigenen Willen durchsetzen möchte, mein Leben nicht wirklich der Herrschaft Gottes unterstellt habe und er also nicht an erster Stelle sitzt und nicht über mich verfügt.
Die anderen sagen mir, dass dies das Ego sei, das sterben müsste und von dem ich frei werden muss, damit ich weiterkomme.

Sie sagen beide dasselbe mit anderen Worten.
Ich kann mein Leben Jesus übergeben. Ich kann das Ego loslassen. Es ist beides dasselbe.

Es geht allein um meine innere Haltung. Die Haltung, dass ich vertrauensvoll weitergehe, nichts erzwingen oder beeinflussen will. Ich werde dennoch auf rasantem Weg das erhalten, was ich mir in meinem Tiefsten wünsche. Zu dieser Haltung gehört aber, dass ich die Erfüllung nicht mit meinem Loslassen bezwecken möchte. Ich lasse nur los. Ohne Bedingung.

Solches Loslassen, wirklich ehrliches Weitergehen, ohne zu wollen, was ich ersehne, ist ein Geschenk, Gnade.
Einerseits.
Andererseits bereite ich mit meinem Wunsch und Bestreben, auf solche Art loszulassen, den Boden dafür.
Die wohlbekannten Gleichzeitigkeiten und Paradoxa auf der geistigen Seite des Weges.

Das grosse, zusätzliche, göttliche Geschenk, das jenseits solchen Loslassens auf mich wartet, ist die Erfüllung dieser innersten Wünsche. Sie können nicht anders, als erfüllt werden, denn sie sind aus Gott. Sie erfüllen sich zu ihrer Zeit und die ist dann, wenn ich völlig frei weitergehen kann, ob sich dieser Wunsch erfüllt, oder nicht.

anders

Ganz langsam und leise verändert sich etwas in mir. Die Dankbarkeit lässt Mauern bröckeln und wischt die Spinnweben weg, putzt die Scheiben blank.

Heute ist Traurigkeit in mir. Aber das Leuchtende wird nicht geschmälert vom Grau der Bedrücktheit. Die dankbare Betrachtung des Augenblicks, hat etwas tief verändert. Ich habe unbemerkt angefangen loszulassen, ganz allgemein, nicht bestimmte Dinge, einfach, weil ich die Erfahrung mache, dass es in jedem Augenblick etwas gibt, wofür ich dankbar sein kann, etwas, das allem einen Sinn gibt.
Ich glaube, ich habe aufgehört, mich in meinem Leben und in neuen Situationen einzurichten. Auch nicht in den kleinen Dingen. Und das empfinde ich zum ersten Mal als richtig und gut. Meine Heimat ist da, wo dieses Leuchten und diese Kraft sind. Es ist das, was bleibt, auch durch Schmerzen und Traurigkeit hindurch. Und selbst das bleibt nicht, wie es ist. Es wird tiefer und anders.

vorbereitet

In den letzten Tagen, Wochen habe ich ganz langsam etwas begriffen.

Mich auf eine Situation gut vorzubereiten, muss nicht einschliessen, dass ich etwas erwarte.

Früher tat ich das. Ich war einsame Spitze darin, Dinge zu planen, Ferien zum Beispiel oder irgendwelche Anlässe. Ich war immer auf jedes Detail vorbereitet. Aber: Ich erwartete diese Details auch. Und wenn es nicht kam, wie ich mir vorgestellt hatte, war ich enttäuscht. Das bezog sich auf sämtliche Lebensbereiche.

Aber ich kann mich auch vorbereiten, so gut wie möglich, ja, sogar so umfassend, so perfekt, wie möglich, ohne zu erwarten. Im Gegensatz zu früher heisst „möglich“ manchmal „nötig“, und ich überschreite meine Grenzen darin nur noch selten.
Ich habe also alles vorbereitet, z.B. für eine Lektion, aber wenn ich dann drin bin, muss ich nicht mein Programm „abspulen“, sondern meine Vorbereitung ist wie ein Werkzeugkoffer, aus dem ich entnehme, was ich gerade im Augenblick für wichtig und nötig erachte.

Ich habe verstanden, dass ich dieses Prinzip ebenso auf sämtliche Lebensbereiche übertragen kann. Es ist gut und darf noch immer eine meiner Stärken sein, mich vorzubereiten. Ich muss damit aber keine Erwartungen verknüpfen. Wenn es anders kommt, dann nehme ich etwas anderes aus meinem Koffer oder bereite mich eben auf die neue Situation vor.