Nichts ist nicht nichts

Bei vollem Bewusstsein ins Strudeln geraten.
In den Strudel geraten. Keine Chance, Halt zu finden. Es strudelt. Es kreist. Das Leben dreht sich an mir vorbei.
Andocken? Wie mache ich das? Keine Besser-leben-Blogs und -accounts helfen, egal, welcher Sorte. Leben muss ich selber. Aber wie geht das, wenn man in der Grauzone angelangt ist? Nicht richtig gut, nicht schlecht genug, dass es reichen würde, einen aufzurütteln.
Der Glaube trägt gerade in schlechten Zeiten, sagen sie.
Es gibt zwei verschiedene Arten von schlechten Zeiten. Die mit den schwierigen Umständen, wo dir nichts übrigbleibt, als aufzustehen, alle Freunde zusammenzuhalten und weiter zu gehen.
Und die anderen. In denen nichts hilft, was du bisher gelernt hast. In denen du das Gefühl hast, bei allem bei Null anfangen zu müssen. Das Gefühl, dass nichts einen Sinn ergibt, auch das nicht, was so logisch und richtig schien, als es dir gut ging.
Glaube trägt? Das klingt wie ein Witz. Trägt er auch, wenn keine Freunde da sind weil du keinem richtig sagen könntest, was los ist und warum du Hilfe brauchst und nicht weiter kommst?
Wie trägt er dann?
Es kann nicht immer gut gehen.
Ja, das weiss ich auch. Aber diese Grauzone hält jetzt schon zu lange an.
Jetzt musst du kämpfen.
???
Wenn schlechte Gedanken und Gefühle kommen, ignorieren. Sogar entschieden weg schicken. So handeln, so tun, als ob du weisst, was du willst, wohin du willst und wie du dahin kommst. Du bist gut. Du bist richtig. Du kannst das.
Ich vergesse es.
Unterwegs im Leben vergesse ich das. Ich vergesse, genug zu trinken, mich zu bewegen, Musik zu machen, vergesse, zu kämpfen, ein Licht anzuzünden, mich zu besinnen, was ich will. Es wird Abend, Tag für Tag, und ich habe es wieder vergessen. Habe gemacht, was vor meinen Händen lag, getan, was zu tun war. Erledigt, was anstand. Ich komme im Dunkeln nach Hause und vergesse, dass ich mich bewegen wollte, etwas Gescheites, mir gut tuendes essen, jemandem zum Geburtstag gratulieren. Solche Sachen eben.
Es ist nur der Winter. Du musst dafür sorgen, dass du etwas raus kommst. Stress abbauen.
Nur der Winter? Und ich habe keinen Stress.
Wo soll ich hin im Dunkeln? Der Strasse entlang spazieren?
Jetzt ist es Tag, Morgen, und die Sonne scheint. Mach etwas! Pack dein Leben an!

Ich glaube, ich lösche das wieder. Hier im Netz will man nur Lösungen. Glatte, heile Welt. Keine Prozesse. Nichts Ungelöstes. Keine unbeantworteten Fragen. Kein offenes Ende. Und wenn sowas kommt, muss man kommentieren, abstempeln, es besser wissen.
Ich mache das auch so. Denkend meistens, nicht schreibend, aber das ist dasselbe.
Als es mir gut ging, so Vollgas mit Fahrtwind im Gesicht, da sah ich keine Fehler an mir. Ich mache alles richtig, die anderen sind falsch, war meine Haltung. Was ich auf den verschiedenen Kanälen las, bestärkte mich darin, nur das Gute an mir zu sehen. Mich schön zu finden. Mich gut zu finden. Selbstliebe und so. Ich zuerst. Denn wenn es mir nicht gut geht, geht es niemandem um mich gut. Klingt alles logisch, solange es einem gut geht.
Aber was jetzt? Jetzt sehe ich Fehler, erschrecke manchmal, schäme mich, verurteile oft trotzdem, obwohl ich es besser weiss, mache andere Fehler, obwohl ich es besser wüsste. Es ist das realistischere Bild, ein ganzes, ernüchterndes Bild.
Ist das besser, als nur das Gute zu sehen?
Kann man dieses Selbstliebe-Ding auch machen, ohne dass es auf Kosten anderer geht?
Wer kann in diesem Dschungel wirklich wegweisend sein?
Bete. Bitte darum, die Liebe kennenlernen zu dürfen. Bitte darum, dass Jesus in dein Leben kommt. Bitte darum, dass er es dir erklärt, so, dass du verstehst.
Habe ich alles schon gemacht. Ist nix passiert.
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Ok. Dann warte ich mal.

Nein. Klinke dich aus dem Lesen aus. Lies nichts. Keine Blogs und Instagrams, hör keine Besser-Leben-Selbstoptimierungs-Podcasts und lies keine Bücher.
Kein Input. Nur still sein.
Deine eigene Stimme wieder hören lernen.
Herausfinden, was DU zu sagen hast, wer DU bist, ohne all das andere.
Da sein.

Sein.