nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
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Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

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Aufgeben

Seit Silvester wieder diese Kopfschmerzen. Schon wenn sie beginnen weiss ich, es ist so weit. Nichts hilft. Trotzdem probiere ich alles.
Sie kommen von einem verspannten Nacken, ziehen sich links über den Hinterkopfknochen bis in die Stirn, bis zur Nasenwurzel, manchmal bis in die oberen Wangenknochen. Die Schmerzen kommen wehenartig, aber nicht in einer grossen Bewegung. Leichte Übelkeit und manchmal ein pelziges Gefühl im Mund begleiten sie.
Es ist also so weit. Ich versuche, ja dazu zu sagen weil ich weiss, dass dies alles erträglicher macht. Ich schlucke Schmerzmittel, obwohl ich weiss, dass sie nicht helfen. Ich google. Aha. Bewegung. So klar hab ich das noch nie gelesen. Ich finde Übungen, ansprechend präsentiert als Filmchen. Ich mache mit und siehe da, der Schmerz ist weg.
Schon zwei Minuten später ist er wieder da. Ich finde mehr Übungen, mache mit. Sie tun gut, aber der Schmerz kommt schneller, als die Übung dauert, wieder zurück. Nicht sehr effizient.
Ok, das hätte ich als vorbeugende Massnahme machen sollen. Täglich bewegen. Mhh. Mit welchem Zeitfenster? In meiner Agenda? Na ja, statt in Blogs zu surfen, z.B. Mhh. Wäre auch für den Rücken besser. Ich meine, nicht zu sitzen, sondern stattdessen wenigstens ein bisschen rumzuspazieren. Sich nicht zu bewegen, ist Gift für einen Rücken wie meinen. Da hab ich wieder mal die Quittung. Ausserdem habe ich einen Tag lang angespannt in der Küche gearbeitet, ohne mich zu konzentrieren, keine unnötigen Muskeln anzuspannen, ohne auf eine gute Haltung zu achten. Und prompt..
Die Schmerzen zermürben. Ich bete. Es hilft nicht. Ich versuche, den Schmerz als Lehrmeister zu betrachten. Er bringt mir ja eine gute Körperhaltung bei. Ich lege Wärmekissen auf. Ich probiere, mich zu entspannen. Ich überlege, ob ich nochmal mit Schmerzmittel… nein.
Nach zwei Tagen gebe ich auf. Ich kann nicht mehr, rufe ich innerlich. Es muss einfach nur noch aufhören. Es ist genug.
Ich möchte mich hinlegen und warten, bis es vorüber ist. Aber da wird alles nur noch schlimmer. So lenke ich mich ab. Vergesse sogar meinen Hilfeschrei.
Und da geschieht es. Wieder einmal.
In dem Moment, wo ich um nichts mehr bitte, nur noch zugebe, dass ich nicht weiter weiss und nicht mehr kann, da passiert das Wunder. Die innere Wende.
Die Kopfschmerzen sind weg. Da ist nur noch der verspannte Nacken, der weh tut. Peanuts…

Es macht mich nachdenklich. Schon so oft habe ich das beobachtet. In dem Moment, wo ich nicht mehr Gott schildere, was er mir geben möge, wo ich nur noch sage, was ist, oder eben was nicht ist, da habe ich offenbar die richtige Haltung, dass es geschehen kann. Und oft in dem Augenblick, wo ich wirklich und echt weitergehen kann. Wo ich das, was ich bei Gott abgeladen habe, nicht mehr aufhebe beim Weitergehen. Wo ich nicht mehr ringe oder mit dem Gegner mitgehe, und mich konzentriere, sondern meinen Griff löse und bin.
Kein Aufgeben. Eine Aufgabe. Hingabe.

Gnade und Geschenk, denn machen kann ich es nicht. Nur empfangen.

Amazing Grace

Es wurde in den letzten Monaten immer stiller hier. Das liegt einerseits an meiner neuen Arbeitsstelle, die mit einem halben Pensum auf meiner Zeitrechnung doch ziemlich zu Buche schlägt, aber es liegt auch daran, dass mir zunehmend die Worte fehlen. Es ist, als ob ich eine neue Sprache finden müsste, für das, was mich beschäftigt und was ich erlebe. Doch so einfach ist das nicht. Mir scheint, der innere Zensor ist, warum auch immer, strenger als früher. Manchmal versuche ich, etwas mit Worten einzufangen, aber wenn ich meine, es erwischen zu können, wird es vor meinen Augen durchsichtig und ich steh mit leeren Händen da. Es gelingt mir nicht, das, was hinter den Worten ist, wiederzugeben.

Und in dieser Haltung gehe ich momentan durchs Leben: mit offenen, leeren Händen. Staunend, was passiert. Staunend, was  mir geschenkt ist. Wie viel ist es! Wie leicht ist es auf einmal, nichts zu erwarten und nichts zu steuern. Ich weiss gar nicht, wie das gekommen ist. Ich weiss gar nicht, was genau sich geändert hat, aber es scheint alles anders zu sein. Ich bin angekommen und doch weniger sesshaft und eingebürgert, als je.

Manchmal frage ich mich staunend, ob das wirklich alles für mich ist. Manchmal frage ich, ob diese Leichtigkeit, diese andere Farbe und das andere Licht bleiben, wenn die Umstände wieder anders kommen. Und das werden sie bestimmt! Das Leben ist so.

Bis dahin setze ich mich morgens ins Auto, dankbar, dass es fährt und gross genug für alle Alltagsanforderungen ist. Ich gehe mit dem Hund spazieren und freue mich, dass dieser langgehegte Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich mache meine Arbeit im Bewusstsein, den schönsten Beruf der Welt zu haben. Ich sehe meinen Teens beim Essen zu und denke, was für ein Glückspilz ich doch bin,  zwei so tolle Menschen begleiten zu dürfen.

Es gibt die anderen Momente auch. Traurigkeit. Sorgen. Angst. Krankheit. Unruhe mit einem leeren Gefühl. Fragen. Nichtverstehen. Aber das hat nicht so viel Gewicht. Es kann mir nicht so viel anhaben. Es ist nicht wichtig. Und wenn ich dann hier etwas davon teilen möchte, dann klingen meine Worte so überheblich. Es klingt so simpel wie das, was mich früher immer so aufgeregt hat. Und dann lasse ich es einfach sein. Ich kann ja doch nicht richtig sagen, dass ich selber mich gross und klein zugleich fühle und ergriffen vor diesen Gaben und meinem ganzen Leben stehe, wissend, dass jedes Quäntchen davon Gnade ist. Wohltuende, unbegreifliche, erstaunliche Gnade.

Hingabe und Vertrauen

Nicht zu wünschen, nicht zu träumen, nicht zu erwarten, nach nichts zu streben, nicht zu handeln, loszulassen ist nichts Trauriges oder Lebensfremdes oder Ängstliches oder Passives oder Lethargisches oder Faules oder Träges oder Resigniertes.
Im Gegenteil.

Es ist ein tiefstes Ja zum Leben, so, wie es ist. Also so, wie wir es verstanden haben.

Es ermöglicht, zu handeln, wo handeln nötig ist und nicht zu handeln, wo es nötig ist, nicht zu handeln. In immerwährendem Atmen pendelt es und fliesst es vom einen zum anderen, wie ein Fluss sich in sein Bett ergiesst.

Es öffnet eine sprudelnde Quelle von Freude im Inneren.

Und den Blick für die Liebe, die immer da war.

 

 

Dies alles entsteht nicht durch Wollen. Nein, wollen verhindert es.
Es geschieht durch Gnade.
Ein Weg, sich ihr zu öffnen, ist Hingabe.
Und einer Vertrauen.

Was du bist

Hier begegnete mir eine weiter(führend)e Antwort, die mich sehr nachdenklich machte.

…Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend,
hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?
Aber wer bist du denn, dass du es nicht sein darfst?

…Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du dich begrenzt,
damit Andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen.

Sei

„Sei. Nicht sei dies oder das. Sei einfach“, sagte mir neulich jemand. Der Satz hakte sich fest. Wie geht das, nicht dies oder das zu sein, fragte ich mich. Man ist doch immer irgendwas, versucht, einem Bild von sich nachzukommen. Hat nicht jeder ein Bild von dem, was er sein möchte?

Heute kam eine Antwort. Sie erzählt davon,

…Geduld zu haben. Hineinzuwachsen statt zu forcieren. Uns von der Gnade beschenken zu lassen, statt herstellen zu wollen.

Danke, Giannina!