Wärmstens empfohlen

Das wollt ich euch schon lange mal sagen. Wenn ihr hier mal nichts Neues zu lesen findet, weil ich gerade schwer mit dem richtigen Leben beschäftigt bin, dann guckt doch nach nebenan. Rechts unter dem Titel „aus dem Netz gefischt“ findet ihr laufend neue Beiträge, die ich beim Durchstöbern meiner Feeds entdeckt habe und euch zum Lesen empfehlen möchte. Es sind Beiträge, die mich auf irgendeine Weise berührt haben. Oft sind es deshalb Ergänzungen zu dem, was ich selbst schreibe.

Also viel Vergnügen beim Fremdlesen ;-).

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Der dritte Teil

Ich funktioniere vor mich hin und schaue mir dabei zu. Ich betrachte den Wald und seine Farben und das Sonnenlicht, den weichen, trockenen Teppich aus braunen Blättern. Ich höre sie rascheln und bin verwundert, dass ich dieses Geräusch verursache. Ich fühle mich dazwischen, zwischen mir und mir, meinem Körper und meiner Seele. Ich bin beides nicht. Das ist ein seltsames Gefühl. Ich bin nirgends zugehörig. Das Denken verursacht Tränen und Schmerz, was ich beides nicht möchte. Es hilft nicht, zu denken. Es schiebt etwas zwischen mich und mein Inneres. Ich schreibe diese Worte fast ferngesteuert. Morgen werde ich sie als fremd empfinden und mich fragen, wer sie geschrieben hat. Dieses andere dauernd zu spüren, ist mir nicht möglich. Es entgleitet mir. Ich spüre es nur indirekt, indem ich wahrnehme, dass ich nicht Seele und nicht Körper bin. Das dritte Teil bleibt verborgen. Es würde mich ganz machen. Ich möchte dieses Ganze sein. Für die Dauer dieses Erdenlebens. Daher bin ich auf der Suche nach diesem dritten Teil.

Liebes Tagebuch

Angeregt von Thinkabouts Gedanken übers Tagebuchschreiben möchte ich hier selbst ein bisschen weiter als hier oder hier erzählen wie ich es damit halte.

Ich schreibe Tagebuch. Seit meiner Kindheit. Und ich habe, bis auf die allerersten, alle behalten.
Heute schreibe ich es elektronisch und sichere es in verschlüsselter Datei.

Es ist der ehrlichste Ort, der offenste. So unverstellt schreib ich nirgends. Obwohl, die Unterschiede sind gering, liegen in Details, nicht im Stil. Mein Tagebuch liest sich wie meine Blogartikel oder Briefe. Aus Freude am Schreiben feile ich sogar an den Texten, bis ich genau das eingefangen habe, was ich wollte.

Man könnte sagen, dann ist es aber schon literarisch und nicht mehr schlichtes Tagebuch. Und einwenden, dass das nicht mehr die Wirklichkeit ist, sondern dieselbige, aufgebauscht zu einer Geschichte. Die dann durchaus in einen Roman oder sonstwie zwischen Buchdeckel passen könnte.

Für mich sind Texte, egal ob geschliffen oder nicht, immer bereits Übersetzungen von Gedanken, von Geist. Selbst gesprochenes Wort ist Übersetzung, wenn auch näher am Gedanken.
Es gibt für mich zunehmend oft Dinge, die ich nicht fassen kann. Denen ich kein Wortkleid geben kann. Sätze, die so flüchtig sind, dass sie im selben Augenblick durchsichtig vor meinen Augen werden und sich nicht schreibend festhalten lassen. Dinge oder Sachverhalte oder anderes, die ich zwar ahne, die sich mir aber weder in griffigen Vergleichen und Bildern noch in verständlichen Sätzen zeigen. Dinge, die ich manchmal im Tagebuch über lange Zeit umkreise, immer wieder von einer anderen Seite beleuchte, bis ich sie einigermassen ausmachen konnte.
Die Texte, die dabei entstehen, sind der Versuch, mir selbst etwas zu erklären. Der Versuch, etwas zu verstehen, zu be-greifen, wenn auch nur mit Worten. Sie sind Versuch und Suche. Forschungsarbeiten. Und bleiben immer unvollständig und bruchstückhaft weil immer wieder neue Aspekte hinzu kommen können. Oft werde ich so an Orte gelockt und gelotst, wo ich nie gedacht hätte, hinzukommen.

Ich könnte dies alles auch nachdenkend tun. Aber dann wäre es nicht auf dieselbe Art gründlich. Schriftlich gelingt mir das Sortieren der Gedanken besser. Und wenn ich nachlese, was ich am Tag zuvor schrieb, kann ich den Gedanken weiterführen, kreise nicht, sondern gehe ein Stück vorwärts.

Meine Texte sind also vorallem Reflexionen. Seltener notiere ich das Tagesgeschehen.
Manchmal findet so ein Text, redigiert natürlich, Eingang ins Blog, das auch Tagebuch ist, auf andere Art.
Auf dieser Suche nach Worten, oft hier, um das passendere zu finden, schlage ich solche auch im Herkunftswörterbuch nach oder lese die Definitionen in einem Lexikon.
Manchmal wähle ich in meinem Tagebuch bewusst eine andere Perspektive, erzähle aus der Beobachterrolle. Oder ich schreibe eher lyrisch, dann wieder stichwortartig, oder als Brief (den ich nicht absende).

Ich muss schreiben. Ich kann nicht anders. Vorallem dann, wenn mich etwas stark beschäftigt. Es ist, bis auf wenige Ausnahmen, eine wundervolle Art, mit dem Leben klarzukommen, ruhig zu werden, alles zu sortieren und darüber nachzudenken.
Oft geht es mir so, als würde ich einer Freundin berichten. Dann komme ich erzählend auf neue Ideen, auf Lösungen, genau, wie bei einem richtigen Gespräch.

Seit einem Schreibexperiment, den Morgenseiten, wo man ungefiltert schreibt, was man denkt, also drei A4-Seiten oder zwanzig Minuten lang jeden Gedanken notiert, benutze ich manchmal das Schreiben, um meine Gedanken zu verlangsamen. Es geht durchaus elektronisch, das heisst, nicht von Hand geschrieben, vorausgesetzt, man sieht nicht auf den Bildschirm und beherrscht das Zehnfingersystem.
Wenn mich das Gedankenkarussell gefangen hält, benütze ich diese Übung, um wirklich ruhig zu werden, so ruhig, dass ich anschliessend meditieren kann.

Liebes Tagebuch

Wenn ich schreibe, dann kommen zuweilen Dinge aus mir hoch, von denen ich nicht so richtig wusste, dass sie da sind. Sie sind trotzdem Teil von mir, auch wenn sie mir im ersten Augenblick fremd erscheinen.
Sie machen fassbar, greifbar, was in mir abläuft. Ich sehe schwarz auf weiss, zwar nicht auf Papier, aber auf dem Bildschirm, was mich beschäftigt.
Manchmal bin ich sehr erstaunt. Manchmal berühren mich meine Texte selbst. Vor allem jene, die ich einfach aufschreibe, ohne bewusst zu formulieren. Ohne mit einem Thema länger schwanger zu gehen um dann eines Moments die fertigen Gedanken zu gebären.
Ich bin mein erster Leser, wie Thinkabout hier so treffend formuliert.

Und so kann ich es nicht lassen, ständig mein Tagebuch geöffnet zu haben und immer mal wieder etwas hineinzuschreiben. Ich reflektiere mein Leben und verarbeite es.
Mal lass ich alles einfach stehen, wie es ist, mal formuliere und feile ich mit grossem Vergnügen an einem Text bis er sitzt, bis er genau das ausdrückt, was ich damit sagen will.

Das Tagebuch war mir schon so oft ein wichtiges Instrument, wenn es galt, herauszufinden, was eigentlich in mir passiert. Wenn ich den grossen Bogen sehen wollte, den roten Faden. Es ist ein Zeitzeugnis der Gedanken und Gefühle, nicht so sehr der Ereignisse. Ich lese immer wieder darin, lerne aus dem Erkannten und gehe weiter, werde mir bewusster, wo ich dran bin, wo ich feilen möchte.

Und manchmal, so wie jetzt, plane ich nichts und es entsteht in kurzer Zeit ein Text, den ich so gut wie nicht nachbearbeitet, in mein Blog stelle.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Vom Einfluss des Web 2.0

In mein Tagebuch (ich meine nicht dieses hier, sondern mein ganz privates) hält ein Stil Einzug, von dem ich nicht so genau weiss, ob ich ihn gut finden soll oder nicht. Die Sätze werden stichwortartig. Emoticons garnieren die Satzenden. Da gibt es sogar die langen, im Inflektiv gehaltenen Verbenschlangenwörter zwischen zwei Sternchen. Fehlen nur noch die Hashtags.

Mmmm. Nicht gut das. Nicht wahnsinnig literarisch. Aber muss ein Tagebuch das sein? Meines schon, dachte ich mal. Jetzt schreib ich einfach, wie es mir einfällt.

In Autorenkreisen wird einem geraten, man solle schreiben wie man spricht, das wirke am Natürlichsten. Nein. Nicht wirklich. Mein Schweizerdeutsch möchte ich niemandem zumuten, nicht als Buchstaben zum Lesen jedenfalls. Also: Schreiben wie ich spreche, geht definitiv nicht.

Was bleibt? Schreiben, wie es aus den Fingern fliesst. Wie es aus den Gedanken tröpfelt. Und im Tagebuch, das ja keiner liest, ausser mir, spielt es nun wirklich keine Rolle, wenn ich den ganzen Webmüll mit reinnehme. Es ist ein Zeitdokument und das unterwerf ich keiner Zensur.4stats Webseiten Statistik + Counter
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Magenbrot, Zuckerwatte, Beamtendeutsch

Nach strengen Arbeitswochen und der Schulferienzeit, in der Pläne meist unmöglich und freie Zeit rar ist, bin ich in müden Momenten froh, dass die Schule bald wieder beginnt.

Heute waren wir bei Regen und 4°C auf dem Riesenrad. Jedesmal, wenn wir ganz oben waren, Aussicht (für mich) und Nervenkitzel (für die Kids) am grössten waren, haben die Kids sich freudig schaudernd gefragt, ob es wohl das letzte Mal sei oder ob wir noch eine Runde fahren dürfen.
Geniesse es, sagte ich mir, als ob es das letzte Mal wäre. Und mir ging durch den Kopf, dass man das mit jedem guten Moment machen müsste.

Später haben wir magenbrotkauend mit klebrigen, klammen Zuckerwattefingern das Geld gezählt, um zu sehen, ob es noch für die Schneebahn reicht. Meine Kids haben bisher Bahnen nicht sehr geliebt, aber das hat sich geändert, seit ich ihnen verraten habe, was in der Kindheit meine Lieblingsbahn war.

Mit roten Wangen und kaltgefrornen Händen kamen wir nach Hause.
Jetzt haben sie auf dem Küchentisch mit der alten Schreibmaschine, einer Wellenschere (für Briefmarken) und vielen Ideen ein Büro eingerichtet und wollen einen Kiosk eröffnen.
Ich bin die Stadtverwaltung, schreibe parallel zu diesem Post Beamtenbriefe in wunderbarstem Amtsdeutsch, das sie, wie es sich gehört, nicht ganz verstehen, erteile die Erlaubnis, am Kiosk Gummischlangen zu verkaufen, da sie nicht zu den lebenden Tieren gehören (letztere wären verboten) und amüsiere mich über ihre lustigen Antwortbriefe.

Meditation und intensives Philosophieren über Gott und die Welt sind weit weg. Aber ich wollte ja das Tun in den Vordergrund stellen.