Vielleicht

…vielleicht einfach nur schreiben… nichts produzieren wollen… nur schreibend nachdenken, wie ich es früher tat.
Warum mache ich das nicht mehr? Der fehlenden Zeit wegen? Ich kenne welche, die weniger Zeit haben, und dennoch schreiben.

Nein, ich schreibe nicht mehr, weil ich aufgehört habe, Tagebuch zu schreiben. Mich extra hierhin zu setzen und etwas für den Blog in die Tasten zu tippen, finde ich zu aufgesetzt. Wann immer mir trotzdem Sätze zufallen, die ich hierher stellen könnte, kommt die innere Zensur. Zu uninteressant. Zu banal. Zu wenig recherchiert. Wenn ich an einzelne Leser denke, die vermutlich, so genau weiss ich es nicht, hier noch lesen, dann möchte ich dies und das andere nicht erzählen weil es nicht anonym ist, also weil sie wissen, wer hier schreibt. Und überhaupt hat sich in den zwölf Jahren Blogschreiben in dieser anonymen Öffentlichkeit einiges geändert. Ausserdem bin ich etwas aus der Übung gekommen.

Es wären viele Gründe, nicht zu schreiben. Heute tue ich es.
Heute möchte ich erzählen, dass ich unversehens, unvorbereitet, völlig überraschend in der Menopause gelandet bin, während wir eigentlich noch versuchen, unseren Kinderwunsch wahr werden zu lassen. Es wäre per definitionem eine frühe Menopause, wenn es denn eine ist. Warum gerade bei mir? Bisher war mein Zyklus regelmässig und nicht eindeutig anders. Ich weiss nicht, was ich darüber denken soll. Kann man von einem Tag auf den anderen, ohne Schwankungen, ohne die typischen Anzeichen unfruchtbar sein?

In den ersten Tagen nach dem Ausbleiben der Blutung machte sich unaufhaltbar eine leise Freude in mir breit. Es hat doch noch geklappt! Unregelmässig kam und ging die altvertraute, latente Übelkeit. Ich besorgte mir einen Test. Er war negativ.

Viele Vielleichts drehten in Kopf und Herz. Vielleicht sind es doch die Wechseljahre. Latente Übelkeit gibts auch da, las ich. Vielleicht habe ich den Test zu früh gemacht. Vielleicht ist es besser so. In dem Alter ist Kinderkriegen eher eine völlig bekloppte, unverantwortliche Idee, als ein gesellschaftskonformes Vorhaben. Die ganze Welt würde schreien, wie man so etwas einem Kind nur antun könne. Vielleicht ist dieser Wunsch absurd und wir sollten ihn endlich begraben. Vielleicht sind wir doch zu alt. Vielleicht…
Die Unsicherheit machte mich fertig. Ich holte einen zweiten Test. Er war negativ.

Seither befinde ich mich im Niemandsland. Ich funktioniere. Ich arbeite wie verrückt. Man kann sich ja nun auf anderes konzentrieren. Ich schmiede Pläne, jetzt, wo meine beiden Grossen langsam flügge werden, neue Freiheit in greifbarer Nähe ist. Aber mein Herz ist nicht dabei. Da bleibt tief im Inneren eine Frage, auf die ich keine Antwort weiss: „Was jetzt?“
Und ich kann diesmal nicht schreibend zum Kern vordringen, ihn umkreisen, bis ich es verstanden habe, so wie früher. Schon wieder nicht.
Vielleicht habe ich es nur verlernt.

Das viele ungeschriebene Gedachte lasse ich fliegen und drücke nicht ganz ohne Bedenken auf den Knopf, der diese Buchstaben in die grosse, weite Welt schickt.
Mit einem Frühlingsgruss an euch,

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2 Gedanken zu “Vielleicht

  1. Liebe Maria,
    nur noch selten schaue ich in die Leseliste von meinem früheren Blog. Heute tat ich es und finde deine Worte. Gut, dass du schreibst, denke ich. Es gibt diese Momente, in denen einfach soviel unsagbares sich anstaut und tief innen Unruhe verursacht, dass wir uns sehnen nach Klarheit und Ruhe. Wir können fliehen, erstarren oder uns stellen, und ich glaube, Schreiben hat viel mit diesem sich stellen zu tun, hinschauen, Form geben, loslassen hinaus in die Spiegelwelt.
    Ich wünsche dir viel Mut hinzuschauen, hineinzuspüren in diesen Wunsch, der vielleicht noch nach Erfüllung auf einer anderen Ebene ruft.
    Die medizinischen Fragen würde ich mir unbedingt von einer Fachperson beatworten lassen, nicht von Mister G….., sondern von einem echten Gegenüber.
    Ich hoffe, es hat sich nach dem Drücken des Kmopfes gut angefühlt für dich.

    Liebe Grüsse von der Peripherie der drei scheenschte Däg.

    Gabriela

    1. Liebe Gabriela
      danke für deine Gedanken und die Überraschung, dass du antwortest :-)
      Das mit der Erfüllung auf anderer Ebene versuche ich seit Jahren zu ergründen. Die Geschichte wäre lang…
      Mein Liebster verlebt grad die drei scheenschte Däg mittendrin.
      Liebe Grüsse vom Bodensee!
      Maria

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