nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
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Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

Loslassen

…ist nicht immer gleich einfach. Warum nur?
Da hab ich gerade ein Erlebnis, wie leicht und angenehm die Wanderung ohne Gepäck ist, um im nächsten Augenblick all die Steine wieder aufzuladen.

Manchmal frage ich mich, ob man inneres Erleben überhaupt mitteilen sollte, weil es ja doch grad wieder anders ist, und oft denke ich, zum Trotz. Kaum habe ich eine neue Errungenschaft freudestrahlend mitgeteilt, kommt sie mir sogleich wieder abhanden. Ganz oder zum Teil. Der Weg ist nie geradlinig, obwohl ich das so gerne hätte.

So versuche ich nun, erneut loszulassen, was ich wieder an und auf mich genommen hatte. Ich stehe eine Weile still, schichte Stein um Stein aufeinander, dekoriere mit Blumen vom Wegrand und dann trete ich einen Schritt zurück und verabschiede mich. Im Zurücksehen grüssen mich viele solcher Steinmale. Sie verlieren Kontrast, sind nur noch Silhouette, je entfernter sie sind. Sie begleiten mich weiter, wie Schutzgeister und Wegweiser, und bleiben doch, wo sie sind.

Ich drehe mich um, gehe weiter, sehe voraus, oder nicht, aber ich gehe. Weiter.

Wenn ich nur wüsste, womit und wodurch ich es anstellen kann, dass ich jene innere Melodie nicht aus den Ohren verliere, von ihrem Klang umgeben bleiben, handeln und leben kann.
Vielleicht ist das nicht erdenmöglich.

Bild: Didier Derrien / pixelio.de

Bücher

Wieder einmal bin ich an einem Buch vorbeigekommen. Es ist immer so! Ich sehe eins und weiss: Das muss ich lesen! Solche Bücher reden immer zu mir. Meistens finde ich darin Antworten auf Fragen, die mich gerade beschäftigen.4stats Webseiten Statistik + Counter
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Dass auch ein Buch in Romanform einem so viele Antworten geben kann, wusste ich nicht. Dieses kann es.
Auf jeder Seite finde ich eine Fülle von Aussagen, eingepackt in eine fesselnde Geschichte. Ich müsste das Buch ein paar Mal lesen um alles zu erfassen, was darin enthalten ist und werde es mir deshalb wohl kaufen.
Ich finde darin einen Teil meiner eigenen Geschichte. Finde mich in den Fragen und Ängsten dieser jungen Frau, die sehnsüchtig und beharrlich ihren Weg sucht, nicht zurückschreckt vor der dunklen Nacht und dabei Schritt für Schritt weiterkommt. Ich finde Bilder und Worte, die ausdrücken, was ich ahnte, aber nicht hätte formulieren können. Ich finde Unbekanntes, das mich fasziniert und mich wieder aufbrechen lässt, neugierig, ob ich Ähnliches erleben werde. Ich finde Überraschendes. Überraschend deshalb weil es beschreibt, was ich, ohne es zu hören oder zu lesen, genau so erlebt oder gemacht habe. Ich finde Weggefährten, die mir nie real begegnen werden und trotzdem so real sind, dass ich sie so nennen kann. Es ist Bestätigung, Anregung, Ermutigung – und das in vergnüglicher Romanform. Genau das Richtige. Für den Moment genau passend, wie so viele Bücher davor.

Ich staune bin dankbar für das Privileg, lesen zu können und Zugang zu Büchern zu haben. Und für das Vorrecht, im richtigen Moment auf mich zugeschnittene Führung zu erhalten. Mit solcher Präzision.

Wegzeichen

Wegzeichen

Mir ist, als würde ich oben an der Decke anstossen. Dahinter, hinter dem Sichtbaren, oder tief darin verborgen und verwoben, ist das Wesentliche. Die wirkliche Welt, von der ich so wenig weiss. Diese Wirklichkeit, zu der ich gehöre, ohne sie zu kennen. Aus der ich bin, ohne sie zu nennen.

Ich bin in einem Aquarium im Meer und stosse an die Glasscheibe. Das Meer ist zu dunkel, um mehr zu erkennen. Ich finde nicht den Ausgang. Ach, könnte ich doch wenigstens etwas sehen!
Es frustriert mich und schmerzt in einer Tiefe, die ich nicht kannte.
Und ein wenig ängstigt mich das weite, dunkle Nichts. Was erwartet mich dort?
Inzwischen werde ich nicht müde, die Tür zu finden.

Etwas taucht immer wieder aus dem stillen Dunkel, klopft leise und bestimmt an meine Scheibe und zieht mich nach draussen. Ich aber bin gefangen, kann nicht raus, nicht schwimmen, nicht fliegen, nicht tauchen. Ich schaff es nicht alleine.

Vielleicht muss ich gar nicht raus. Ich suche ganz bestimmt am falschen Ort. Es ist so schwer, ins Unbekannte vorzustossen, wenn man weiss, dass alle denkbaren und bekannten Fortbewegungsmittel nicht dorthin gelangen können. Es ist schwer, ins Undenkbare zu gehen. Wo Wörter sich auflösen, weil ihre Beschränkung einengt. Wo nichts ist, weil sich etwas Vorzustellen schon zuviel wäre.
Und es ist schwer, nicht zu sehr Kraft dafür aufzuwenden, es gleichsam geschehen zu lassen und mich dennoch nicht zurückzulehnen und nur zu warten.

Ich weiss, dass es tief unten im Meer eine wunderbare, unentdeckte Welt gibt. Dort möchte ich hin. Dort, wo niemand gewesen ist. Dort, wo das Neue beginnt.
Ich weiss, dass einige bis zur Tür vorgestossen sind. Und ich weiss, dass ich bis jetzt auch nicht annähernd bis dort hin gelangt bin.
Aber Hoffnung ist stark.

Das Meer ist in dir!

Geh in deinen eigenen Grund!
Inwendig im Innersten der Seele:
Da ist dein Leben,
und da allein lebst du.

Meister Eckehart