vernetzt-verbunden

Mir ist bewusst geworden, dass jeder Mensch alles, was ihm begegnet in sein eigenes Lebensnetz webt. Dass man Querverbindungen knüpft, und Erkenntnisse und Aha-Momente daraus erwachsen, wenn man einen Schritt zurück das Bild betrachtet, das man webt.
Mein Blog ist im Grunde ein sichtbar gemachter Teil meines Bildes.Wenn wir teilen, was wir weben, dann können andere daraus wieder ihr Bild weben, in neuen Farben.

In diesem Sinne möchte ich euch diesen Klick und daraus folgend sechs weitere Klicks sehr warm empfehlen.
Wenn ihr könnt, nehmt euch die Zeit, hört hin. Mit ganzem Herzen.

Eines Tages werden wir sehen, dass wir alle am selben Bild weben. Das wir das Bild sind.

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Verschenkt

Immer wieder renne ich hinaus auf die offene, ungeschützte Fläche. Um mich und in mir leuchten Freude und Liebe, hell und warm. Ein paar Schritte neben mir beginnt undurchdringlicher, schwarzer, weiter Raum. Das Licht lockt mich und ich rufe mein Herz in die Weite hinaus. Dort hin, wo die frischen Schneespuren sich im Dunkel verlieren.

Mein Lied verklingt. Alles bleibt still.

Erst warte ich atemlos, damit ich das Flüstern hören könnte, dann lausche ich lange in das Schweigen.
 
 
 
 
 
 
Leise geh ich wieder in die schmerzende, ungefüllte Leere.

Immer wieder renne ich dort hinaus. Singe Wärme in die Kälte. Rufe das Licht in die schwarze Weite. Und lasse ein Stück meines Herzens da. Unermüdlich.
Ich kann nicht anders. Ich verstehe es nicht.

Vielleicht, dass ich eines Tages mein Herz verschenken kann, ohne auf das Flüstern zu warten und ohne verstehen zu wollen. Vielleicht ist es das, was mich der Himmel lehren will.

Bild von Jérôme Bon

Über die Worte

Worte, was sind sie? Was können sie?
Schon oft und seit sehr langem mache ich mir darüber Gedanken. Schon ein paar Mal habe ich es auch hier thematisiert.
Mir ist bewusst, dass dies ein etwas mühsam zu lesender Artikel geworden ist. Sieh es einfach als Sammlung von Aspekten und Gedanken, die zusammen einen Teil des Bildes ergeben.
Wenn du Zeit und Lust zum Lesen und Vertiefen hast, klick auf die Links.

In erster Linie sind Worte für mich eine Übersetzung.
Worte sind nicht die Sprache unseres Herzens und nicht die unseres Geistes.
Wir ahnen und spüren Dinge, die wir nie in Worte kleiden könnten. Dann nehmen wir Bilder, die das einfangen, was wir sagen wollen, aber es bleibt Übertragung.

Worte sind wie eine Hülle.
Sie transportieren Inhalt. Einen Inhalt, den sie nicht anfassbar und vorallem nicht erfahrbar machen können. Und doch transportieren sie diesen Inhalt. Ist am anderen Ende ein offenes Herz, ein offenes Ohr, dann kommt das, was wir transportieren wollen, an, und im Inneren dieses Menschen resoniert etwas, fängt etwas an zu schwingen. Die Worte sind das Gefäss, aber nicht der Inhalt.

Worte können zerstören. Vertrauen zerstören. Jemanden verletzen. Jemanden treffen.
Worte können aufbauen. Jemandem Mut machen. Jemandem gut tun. Liebe vermitteln.
Ist es das Wort selbst, das zerstört oder aufbaut? Wirkt in gleicher Weise das Unausgesprochene?
Ich meine, Worte sind Materie gewordener Geist. Sie sind mehr als Gedanken oder Wünsche. Sie haben Kraft. Positiv wie negativ.
Es ist nicht egal, ob etwas ausgesprochen oder geschrieben wird, oder nicht. Wenn wir etwas in Worte kleiden, dann festigen wir, verstärken wir. Wir machen etwas deutlich. Wir teilen mit. Dies alles bewirkt, dass der Gegenstand des Gesagten in den Gedanken anderer Menschen präsent wird. Sie denken darüber nach, spinnen den Faden weiter und verstärken, vermehren damit weiter. Sie geben vielleicht das Ihre dazu und teilen wiederum mit.

Worte halten etwas fest.
Wir formulieren das ja auch so. Erst gerade habe ich herausgefunden, dass es weitere, feinere Ebenen gibt. Ich kann dadurch etwas festhalten im Sinne von nicht wieder hergeben wollen. Und dann verliere ich es. Nicht unwiderbringlich, aber es ist, als ob ich erobertes Land wieder abgebe.

Ich habe letzthin das Bild vom Küken im Ei gehört. Vieles braucht diese Zeit in der geschützten Verborgenheit der Schale, wird diese zu früh aufgebrochen, so stirbt, was werden wollte.

Es gibt die richtige Zeit, etwas zu sagen.
Worte können etwas zerstören, wenn wir sie zu früh sagen. Vielleicht nicht unwiderbringlich zerstören, aber kaputt machen für den Moment. Das Zarte, das gerade deutlich werden wollte, sich scheu zeigte, wird wieder vertrieben und dann kann es lange dauern, bis wieder die Zeit kommt dafür. So ähnlich, wie wenn wir jemandem ins Wort fallen, bevor er richtig sagen konnte, was er sagen wollte. Das Zarte zieht sich zurück und schweigt bis wir wieder leise, demütig und ehrfürchtig genug sind, es zu hören.

In eine ähnliche Richtung geht das Zerreden von etwas. Mit einem Zuviel zerstören wir auf die selbe Art wie mit einem Zufrüh.

Das bedeutet nun nicht, dass wir Angst haben sollten, etwas zu sagen, und damit etwas falsch zu machen. Schuld ist keine Kategorie, in der Leben gedeiht und Kostbares weitergegeben wird.

Worte gehen wenig tief, wenn ich das Eigentliche betrachte, das ich ausdrücken möchte. Ja. Sie sind ja sozusagen nur die Spitze des Eisberges.
Auch ich finde oft die Worte nicht für das, was ich sagen will. Je länger, je weniger, sogar. Aber es ist nicht nötig, die ganze Tiefe mit Worten auszuloten. Ich kann nur einen Bruchteil ausdrücken. Alles andere kann ich nicht in Worte kleiden, auch nicht für mich selbst, in der Stille und in Gedanken.
Dennoch transportieren diese wenigen, dürftigen Bilder alles, um zu verstehen. Nicht mit dem Verstand, aber mit dem Herzen. Die Hülle, das Wort, ist das Gefäss für die ganze Tiefe und transportiert diese auch.
Und deshalb hat es Sinn, dennoch zu erzählen und zu teilen, auch wenn unsere Worte unbeholfen und unzulänglich sind. Man sagt ja auch: „Ich liebe dich.“ und legt sein ganzes Herz und Wesen in diese drei Worte, die niemals ausdrücken könnten, was man meint. Sie drücken es dennoch aus.
Die Erfahrung, die kann man dem anderen nicht vermitteln, das ist klar. Ich kann nicht sagen: So und so ist innere Stille. Und der andere, der es nie erfahren hat, weiss, wovon ich rede. Trotzdem kann er eine Ahnung davon bekommen und es kann Sehnsucht geweckt werden, diese Erfahrung ebenfalls zu machen. Seinen Weg, seine eigene Stille zu finden, dazu muss er sich selbst aufmachen.

Mit der Zeit werden die Worte weniger und ihr Inhalt gehaltvoller. Das wäre dann die höchste Kunst: mit wenigen Worten alles zu sagen.

So weit meine lose Sammlung von Blickwinkeln für den Moment. Auch wenn sich einzelne Aspekte zu widersprechen scheinen, so tun sie es nicht. Das Wort ist ein Geheimnis, das man nicht fassen kann.

Vom Teilen des Innersten

Ich beobachte seit längerem ein Phänomen, das das Erzählen von inneren Dingen begleitet. Wenn ich etwas Neues entdeckt oder erlebt habe, möchte ich es weitergeben und teilen. Meist beginnt es damit, dass ich ein inneres Ziehen spüre, in Worte zu fassen, was passiert. Oft ist dieses Schreiben ein Teil meiner Verarbeitung, ein Teil meines Sortierens, Teil meiner Wegfindung. Aber ich möchte auch erzählen, wie diese unsichtbare Welt sich anfühlt und wie ich sie erlebe. Weil ich hoffe, dass jemand sich in den Worten findet, den Faden weiterspinnt, etwas Eigenes daraus macht. Ich fliesse über vor Dankbarkeit und Ehrfurcht, deshalb teile ich.
Manchmal zu schnell und zu viel.
Und dann spüre ich etwas. Meine Gefühle, die so viel mehr als Gefühle waren, verblassen, gehen vorüber, postwendend. Ich verliere etwas. Terrain, das ich eben eroberte. Was ich eben noch „wusste“, kommt mir abhanden, als ob ich es weitergegeben hätte um es festzuhalten. Worte, die man weitergibt, haben stärker die Wirkung, etwas festzuhalten. Es gibt sogar die Formulierung: „Ich halte fest, dass….“

Ich darf mich nicht so blosslegen, ahne ich. Jedenfalls nicht so rasch und unmittelbar. Nicht, weil ich etwas zu verbergen hätte oder weil es missbraucht würde – das ist mir zum Glück bisher nicht passiert – aber weil dieses innere Erleben zart und zerbrechlich ist und Scheu das Erzählen begleiten soll, um es zu schützen. Weil ich es erst eine Weile bei mir behalten muss um es nicht festhalten zu müssen. Um es wirklich weitergeben zu können. Aus der Hand geben zu können.

Ich weiss nicht so genau, wie ich damit weiter umgehen soll. Das wird sich mir erschliessen.
Ich möchte lernen, ganz genau zu beobachten. Hinzuhören. In mich. Und mich führen zu lassen. Ich bin allein mir und Gott verantwortlich. Aber das bin ich.

Indem ich dies schreibe und mit diesem Entschluss wächst es wieder. Ich gewinne mein inneres Land zurück. Und dies darf ich schreiben. Das spüre ich.

Grenzen der Selbstliebe

Sich selbst zu lieben heisst, gut für sich zu sorgen. Ich nehme meine Bedürfnisse wahr und ernst und äussere sie, ohne mich an deren Erfüllung zu haften innerlich und ohne andere zu überfahren.

Es gibt aber etwas, das ich brauche und mir nicht selbst geben kann: den Austausch  zwischen zwei Seelen. Ich kann eine Zeitlang ganz gut ohne, genüge mir selbst. Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem das nicht reicht. Ich brauche Austausch mit anderen Menschen und zwar nicht über das Wetter oder das neuste Weltgeschehen, sondern ich brauche eine tiefe Begegnung. Ich brauche es, gesehen und verstanden zu werden in meinem ganzen Wesen. Ich brauche umfassende Resonanz, nicht primär als Bestätigung, sondern als Bereicherung und Erweiterung.
Bis zu einem gewissen Grad kann das auch anderer „Input“, anderweitige Anregung übernehmen: Bücher, Filme, Vorträge, das Internet, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Ich habe, seit ich mich als wachsend und unterwegs begreife, immer den Austausch mit und die Anregung von anderen Menschen gesucht.

Vielleicht gibt es noch mehr solche Dinge. Das hier habe ich eben auf meiner Reise zu mir selbst entdeckt. Angeregt durch das Nachdenken über die Kommentare hier.