nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
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Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

Es geht nicht ohne Kompromisse

Das wird schwierig, das mit plastikfrei.
Meine Recherchen ergaben folgendes: Im kleinen Milch-Quartierladen kann ich ausser Joghurt und Sahne nichts im Glas kaufen. Die offene Milch – ich habe nicht mehr nachgefragt, ob sie noch erhältlich ist – mögen meine Kids eh nicht. Der Käse wird zwar offen verkauft, ist aber samt und sonders in Frischhaltefolie gewickelt, bzw. damit abgedeckt. Also richtig plastikfreien Käse gibt es nicht. Die kleinen Produzenten dürfen nichts mit Glas in die Grossverteiler mehr liefern, meinte der Milchmann. Irgendwann hätten wir diese Rechnung zu bezahlen.
Butter ist in Kunststofffolie gepackt, oder nicht bio, ausser dem aus der sauteuren Pro Montagna Linie.
Die Molkerei im Nachbardorf wird nächste Woche unter die Lupe genommen. Falls ich dort nicht fündig werde, gibts für mich momentan fast keine plastikfrei erhältlichen Milchprodukte.
Plastikfreies Brot hab ich noch nicht gefunden, beim Grossverteiler zumindest nicht. Bloss Brötchen im Offenverkauf darf ich in selbst mitgebrachte Beutel packen. Vermutlich gilt das für die Theke vor dem Laden auch. Nachgefragt habe ich nicht. Als nächstes nehme ich mir die Bäckerei im Quartier vor.
Apropos Nachfragen: Das muss ich beim Lieblingsgrossverteiler doch noch. Wurst und Fleisch offen zu kaufen, wäre schon mal ein Fortschritt. Erschrocken hab ich festgestellt, dass ich nicht mal weiss, wo die nächste Metzgerei wäre.

Sicher ist, ohne Kompromisse geht es nicht. Warum verkauft denn niemand die Dinge in Bio-Qualität, schadstoffarm, zusatzstoffffrei, gescheit oder gar nicht verpackt und fair gehandelt?

Der Widerstand in meiner Familie ist auch nicht ohne. Figlia meinte: „Also wenn du jetzt alles selber machst, zieh ich aus.“ Fragen kommen: „Gehst du jetzt ernsthaft mit diesen Beuteln einkaufen?“ „Warum ist das jetzt plötzlich so ein Riesenthema! War doch vorher auch nicht wichtig, oder?“ „Oh, Achtung! Plastik!“ wird gewitzelt und die Augen werden verdreht, wenn ich irgendwas zum Thema sage.

Weitermachen, und zwar still und leise, ist die Devise. So schnell gebe ich nicht auf.

Die Revolution der Stille

Peter hat in seiner Antwort zu einem vorigen Artikel mehrere interessante Fragen aufgeworfen. Ich möchte die Gedanken hier weiterspinnen und zitiere dazu Teile aus seinem Kommentar.

Mit zunehmendem Lebensalter wird es schwieriger diese Wirkung auf das Privatleben zu kompensieren. Man wird und fühlt sich aus dem eigenen ursprünglichen Lebensplan, welchem der eigenen Schöpfung entstammt, entrückt. Immer schwieriger wird es die, mit der Zeit und nach und nach auf die „Berufung“ verlegte Lebensmitte mit seinem wahren Ich in Einklang zu bringen.

Ja, das kenne ich. Das Gefühl, sich selbst, sein wahres Ich, seinen eigenen, ursprünglichen Lebensplan verloren zu haben. Ich erlebe seit einiger Zeit das Gegenteil. Ich finde mein Lebensgefühl, den tiefen Einklang mit meinem Innersten wieder, den ich in meiner Jugendzeit spürte. Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug. Die Reise ist langsam. Meistens fehlt mir der Ausblick auf die nächsten Schritte. Ich kann nur beobachten, was ist, dies formulieren, ansehen, ohne es zu werten und dann auf der Grundlage dieses Gefundenen agieren. Aus meiner Mitte heraus handeln. In diesem Prozess erlebe ich mich als geführt. Ich werde regelrecht angeleitet und geschult. So fühlt es sich zumindest an.

Ballast abzuwerfen in allen Bereichen des Lebens ist mir hilfreich, aber es ist nicht der Kern des Prozesses. Es macht die Sicht klarer, es entlastet zum Beispiel, wenn man weniger Zeit aufwenden muss, weil man weniger Dinge hat, die aufgeräumt und gepflegt sein wollen oder wenn man Dinge vereinfacht. Aber es ist eher so, dass diese Wandlung von innen heraus kommt, also die Vereinfachung eine Folge der inneren Stille ist, als umgekehrt.

So ist es auch mit dem Verrichten einfacher Arbeiten, das auf einmal erfüllend und schön ist. Das ist es, weil es in meinem Inneren still ist. Wenn es laut ist, dann sind die einfachen Arbeiten bloss Pflicht.

Auch das Üben der Achtsamkeit ist ohne innere Stille Schwerarbeit.
Die innere Stille ist es, die den kostbaren Augenblick als einen solchen erkennbar macht. Ganz automatisch und ohne Zusatzkosten.

Bis jetzt erreiche ich solche Stille nur mit Meditation. Das ist für mich die wirksamste Übung. Nicht irgendeine Meditation meine ich, sondern das einfache Sitzen und auf den Atem hören. Es ist keine gegenständliche Meditation. Ich sitze nur da und beobachte meinen Atem, indem ich die Atemzüge zähle. Mehr nicht. Manchmal überschwemmen mich Gedanken oder Gefühle. Ich schweife ab. Bin abwesend. Hänge einem Gedanken nach. Dann kehre ich, ohne dies zu werten, zum nächsten Atemzug zurück.
Jetzt, nach dreieinhalb Jahren, steuere oder beeinflusse ich dabei meinen Atem nur noch ganz selten, sondern lasse ihn einfach so, wie er ist. Während der Meditation „erlebe“ ich meistens nichts. Ich sitze und atme. Die Veränderung ist erst beim Zurückkehren in den Alltag spürbar.

Doch bleibt die Frage, ob die Entrümpelung in Kahlschlag und Vereinsamung mündet….

…Doch wie viel Zeit bleibt dann noch für private Kreativprojekte? Leidet letztlich die Kommunikation zu Mitmenschen darunter?

Die innere Stille, aus der meine Veränderung kommt, öffnet mich. Haut um Haut schäle ich weg wie bei einer Zwiebel und darunter kommt mehr und mehr das zum Vorschein, was ich wirklich bin. Das, was zuinnerst in mir ist. Mehr und mehr agiere ich von dort aus. Mehr und mehr spüre ich, was unter allem verborgen ist, in mir. Es ist Liebe. Eine Art Liebe, wie ich sie nicht aus dem Alltag kannte. Bedingungslos – nicht vom Kopf her so entschieden, sondern aus dem Herzen. Sie ist schon da. Ich muss sie nicht erfinden. Nicht vermehren. Sie ist einfach da. Das Schwierige ist, sie durch den Alltag nicht wieder zudecken zu lassen.

Der Verstand ist zwar noch in Gebrauch und wichtiger Helfer, aber er ist nicht Steuerzentrum. Das Herz steuert. Ganz anders, als der Verstand es würde. Ohne Denken. Ohne es zu formulieren. Darum ist es auch sehr schwer, dies alles in Worte zu fassen. Es gibt diese Worte nicht. Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die Sprache meines Herzens erst lernen.
Ich bin ein Mensch, der alles hin und her überlegt und ständig an irgendwas rumdenkt und -philosophiert. Das bin ich immer noch, aber viel, viel weniger. Dieser anderen Instanz in meinem Inneren gebe ich mehr und mehr Gewicht und Stimme. Dadurch verlagert sich der Ort, von wo aus ich agiere, vom Kopf zum Herzen. Der Verstand wird dabei nicht ausgeschaltet, aber an den Ort verwiesen, wo er hin gehört. Er ist nur ein kleiner Teil meines Bewusstseins.

Das Herz und diese innere Liebe führen mich in Beziehung. In Kommunikation. Sie schälen das weg, was mich daran hindert. Mir ist sehr bewusst, dass ich diesen Weg so gehen kann weil ich das Privileg habe, nicht achteinhalb Stunden in einen Arbeitsprozess eingebunden zu sein. Ich kann meine Zeit einteilen. Meistens frei.
Es gibt auch Zeiten, wo ich intensiv arbeite und einen vollen Terminkalender habe. Wenn ich eine Stellvertretung als Lehrerin wahrnehme, zum Beispiel. Wenn ich in diesen Zeiten die Meditation vernachlässige, dann spüre ich das sofort. Dann verliere ich schnell dieses Mindestmass an Zentriertheit und innerer Stille, die mich bei mir und bei dem halten, was ich eigentlich will und die meine Psyche im Gleichgewicht halten. Innere Stille macht mich effizienter weil sie das, was mir wichtig ist, herausschält. Ich habe mehr Kraft und Energie. Die Zeit, die ich für die Meditation aufwende, erhalte ich in anderer Form zurück.
Eine „um-zu-Meditation“ wäre aber wieder die falsche Richtung. So direkt ist es nicht, dass man oben in den Automaten etwas Meditation einwirft und unten dann Zeit rauskommt. Meditation bleibt absichtslos. Sie „funktioniert“ nicht. Erreichen muss ich nichts. Das wäre wieder Aktion aus der Verstandesebene. Bei der Meditation geht es aber um Sein.

Das sind alles Bilder, die mein Verstand sich von dem Geschehen macht. Worte, die er dafür findet. Mein Herz ist viel weiser und wissender. Nur ist dies Worten nicht zugänglich. Ich kann es darum auch nicht wirklich formulieren. Aber ich spüre es in meinem Handeln und Leben. Es ist eine leise Revolution. Eine Revolution der Stille.

Beten und Arbeiten

Seit meinen drei Tagen der Stille Mitte April fällt es mir schwerer, Worte zu finden für das, was ich sagen möchte. Einerseits ist da das Neue, leise und zerbrechlich, und für mich erst nach und nach sichtbar. Es ist flächendeckend in meinem Wesen, in meinem Geist. Es hat sich etwas grundlegend geändert, aber ich kann es kaum in Worte kleiden. Ich spüre die Auswirkungen in meinem Alltag und Sein. Andererseits ist eine gewisse Scheu in mir, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Etwas Kleines möchte ich heute mit euch teilen.
Zum klösterlichen Leben gehörte auch eine halbe Stunde praktischer Arbeit im Garten oder Haus. Wir durften die Aufgabe auswählen. Ich wählte „Garagenfenster putzen“. Es war ein alter, von Spinnweben verhangener, an der Garage angebauter Geräteschuppen. Schon bei der Instruktion durch die Hauswirtschaftsleiterin spürte ich, wie froh sie darum ist, dass sich endlich jemand der schmutzblinden Scheiben annimmt. Ich tat diese Arbeit gerne, mit klammen Fingern, warmem Wasser, Sprit und Küchentüchern in der Frühlingsmorgenkälte. Draussen strahlte die Sonne und sangen die Vögel und in meinem Inneren war es einfach und still. Ich arbeitete konzentriert, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Ganz isoliert konnte ich das tun, denn da war keine weitere Liste mit zu erledigenden Dingen, die hinter meiner Stirn in die richtige, weil zeitsparende Reihenfolge gebracht werden wollten. Da war kein Alltag mit seinen unzähligen Anforderungen. Das Fensterputzen war wirklich die einzige Aufgabe.
Ich erlebte diese halbe Stunde als sehr wohltuend und hätte sie am liebsten verdoppelt oder verdreifacht. Ich spürte den Rhythmus meiner Bewegungen, die Kälte der Luft und die Wärme des Wassers. Ich war ganz bei mir. Nicht zerstreut in alle Himmelsrichtungen.
Wie die Fensterscheiben klar, rein und fast unsichtbar wurden, mitten in dieser schmutzigen, staubigen Umgebung, so wurden es mein Geist, meine Seele.

Als ich wieder zu Hause war, hatte ich den Wunsch, etwas von dieser Erfahrung in meinem Alltag zu erleben. Noch ganz still innerlich, war das in den ersten Tagen nicht schwer. Ich entdeckte, dass mich das Tun mit den Händen zentrierte und beruhigte, erdete. Wenn mich früher das Üben dieser Achtsamkeit manchmal innerlich noch mehr unruhig gemacht und auch frustriert hatte, war es nun wie ein Heimkehren in die Stille.

Der Alltag kam zurück. In Wellen mit Wucht.
Ich fand heraus, dass ich der Stille am nächsten komme, wenn ich nach dem Frühstück erst meditiere und direkt danach die einfachen Hausarbeiten erledige. Nicht Planung, nicht Denk- oder Organisationsarbeit, keine Telefonate.
Ich fing an, mein 9-Quadratmeter-Gärtchen zu pflegen. Frische Luft, Sonne, Bewegung, Natur.
Wo immer es möglich war, baute ich mehr Hand-Arbeit in meinen Alltag ein. Z.B. zeitintensive Rezepte ausprobieren. To-Do-Listen wieder auf Papier führen, etc.
Ich reduzierte auf der anderen Seite, was mir nun unnötig erschien. Z.B. kündigte ich diverse Newsletter und alle Feeds, die mich nicht mehr interessierten.

Diese Veränderungen wuchsen aus meinem Inneren. Ich hatte keinen Plan und kein Vorhaben, kein Rezept oder Schema x. Der Verstand ist Helfer, nicht Hauptperson.
Es ist eine Rückkehr zum Einfachen, und sie wirkt sich in allen Lebensbereichen aus. Befreiend.

Die Decke auf dem Kopf

Mein Bedürfnis, das Leben im Allgemeinen und unser Heim im Besonderen zu vereinfachen, aufzuräumen und zu strukturieren wächst wieder mal ins Unendliche. Das typische Die-Decke-fällt-mir-auf-den-Kopf-Syndrom.

Ich kam in den Genuss der wunderbaren Freiheit des Zigeunerlebens und darob ist die Zigeunerin in mir vollends aufgewacht. Jetzt passe ich nicht mehr in die Lücke, die ich hinterliess. Das Leben ist mir zu eng, obwohl ich hier in meinem Alltag viel mehr Platz habe als in dem kleinen Zeltchen.

Ich möchte mir ein einfacheres Leben basteln. Eins, das weniger Pflege braucht und mehr Erfüllung bringt.
Als wir noch auf dem Land wohnten, hatte ich dieses Bedürfnis nicht. Ich vermute, der viele Platz, der mir zur Verfügung stand, die Aussicht auf die Berge und die grössere Nähe zur Natur schufen die nötige Weite für mein Gemüt.

Jetzt muss ich sie mir selbst schaffen. Da helfen Spaziergänge an Orte, wo ich Aussicht ins weite Land habe. Schwimmen im eiskalten, glattgebügelten Wasser im fast menschenleeren Freibad. Aufräum-, Wegschenk-, Wegwerf- und Ausmistaktionen. Lange Autofahrten mit runtergekurbelten Scheiben und lauter Musik. Ein Nachmittag ohne Plan am See…

Aber am meisten hilft mir, wenn ich mir sage: Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft nur Gerüchte, doch die Gegenwart ist ein Geschenk…

(frei nach Meister Oogway. Der enlische Satz bringt es unübertrefflich auf den Punkt)