Gedanken

Das Denken ist nie in der Gegenwart, denn die Gegenwart kann man nicht denken.
Nur fühlen, sehen, schmecken, riechen.
Wobei schon das Sehen nur für die Vergangenheit funktioniert.

Vielleicht sind die Dinge dann Gegenwart, wenn sie bei uns angekommen sind.
Dann hätte jeder von uns von den gleichen Ereignissen andere Gegenwärtigkeiten. Andere Wahrheiten.
Dann wäre Zeit relativer, als wir sie uns denken.

Vielleicht ist darum der Atem das Gefährt in die Gegenwart.
Das einzige, was jetzt da und nah ist und ich hören, spüren und sehen kann.
Hier erzeugt und wieder vergangen.
Sekunde für Sekunde.

Der Verstand kann dieses Tor in das gegenwärtige Sein nur umkreisen.
Hineingelangen muss man anders.

Manchmal öffnet es sich.
Unvermittelt. Ungesucht.

Unbeholfen betrachte ich alles. Weiss nicht, wie ich mich bewege.
Der nächste Gedanke lässt die Blase zerplatzen und ich bin wieder da.
Manchmal dauert es ein paar Augenblicke länger.
Aber schon der Versuch, mich umzusehen in diesem neuen Land reicht.

Und ich bin wieder da.
Kann nicht einordnen, was ich gerade erlebt habe.

Nur die Sehnsucht bleibt, dort bleiben zu können.
Bis ich so weit bin, jenes Land zu betreten, wann immer ich will.

Heimkehren.

Die Revolution der Stille

Peter hat in seiner Antwort zu einem vorigen Artikel mehrere interessante Fragen aufgeworfen. Ich möchte die Gedanken hier weiterspinnen und zitiere dazu Teile aus seinem Kommentar.

Mit zunehmendem Lebensalter wird es schwieriger diese Wirkung auf das Privatleben zu kompensieren. Man wird und fühlt sich aus dem eigenen ursprünglichen Lebensplan, welchem der eigenen Schöpfung entstammt, entrückt. Immer schwieriger wird es die, mit der Zeit und nach und nach auf die „Berufung“ verlegte Lebensmitte mit seinem wahren Ich in Einklang zu bringen.

Ja, das kenne ich. Das Gefühl, sich selbst, sein wahres Ich, seinen eigenen, ursprünglichen Lebensplan verloren zu haben. Ich erlebe seit einiger Zeit das Gegenteil. Ich finde mein Lebensgefühl, den tiefen Einklang mit meinem Innersten wieder, den ich in meiner Jugendzeit spürte. Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug. Die Reise ist langsam. Meistens fehlt mir der Ausblick auf die nächsten Schritte. Ich kann nur beobachten, was ist, dies formulieren, ansehen, ohne es zu werten und dann auf der Grundlage dieses Gefundenen agieren. Aus meiner Mitte heraus handeln. In diesem Prozess erlebe ich mich als geführt. Ich werde regelrecht angeleitet und geschult. So fühlt es sich zumindest an.

Ballast abzuwerfen in allen Bereichen des Lebens ist mir hilfreich, aber es ist nicht der Kern des Prozesses. Es macht die Sicht klarer, es entlastet zum Beispiel, wenn man weniger Zeit aufwenden muss, weil man weniger Dinge hat, die aufgeräumt und gepflegt sein wollen oder wenn man Dinge vereinfacht. Aber es ist eher so, dass diese Wandlung von innen heraus kommt, also die Vereinfachung eine Folge der inneren Stille ist, als umgekehrt.

So ist es auch mit dem Verrichten einfacher Arbeiten, das auf einmal erfüllend und schön ist. Das ist es, weil es in meinem Inneren still ist. Wenn es laut ist, dann sind die einfachen Arbeiten bloss Pflicht.

Auch das Üben der Achtsamkeit ist ohne innere Stille Schwerarbeit.
Die innere Stille ist es, die den kostbaren Augenblick als einen solchen erkennbar macht. Ganz automatisch und ohne Zusatzkosten.

Bis jetzt erreiche ich solche Stille nur mit Meditation. Das ist für mich die wirksamste Übung. Nicht irgendeine Meditation meine ich, sondern das einfache Sitzen und auf den Atem hören. Es ist keine gegenständliche Meditation. Ich sitze nur da und beobachte meinen Atem, indem ich die Atemzüge zähle. Mehr nicht. Manchmal überschwemmen mich Gedanken oder Gefühle. Ich schweife ab. Bin abwesend. Hänge einem Gedanken nach. Dann kehre ich, ohne dies zu werten, zum nächsten Atemzug zurück.
Jetzt, nach dreieinhalb Jahren, steuere oder beeinflusse ich dabei meinen Atem nur noch ganz selten, sondern lasse ihn einfach so, wie er ist. Während der Meditation „erlebe“ ich meistens nichts. Ich sitze und atme. Die Veränderung ist erst beim Zurückkehren in den Alltag spürbar.

Doch bleibt die Frage, ob die Entrümpelung in Kahlschlag und Vereinsamung mündet….

…Doch wie viel Zeit bleibt dann noch für private Kreativprojekte? Leidet letztlich die Kommunikation zu Mitmenschen darunter?

Die innere Stille, aus der meine Veränderung kommt, öffnet mich. Haut um Haut schäle ich weg wie bei einer Zwiebel und darunter kommt mehr und mehr das zum Vorschein, was ich wirklich bin. Das, was zuinnerst in mir ist. Mehr und mehr agiere ich von dort aus. Mehr und mehr spüre ich, was unter allem verborgen ist, in mir. Es ist Liebe. Eine Art Liebe, wie ich sie nicht aus dem Alltag kannte. Bedingungslos – nicht vom Kopf her so entschieden, sondern aus dem Herzen. Sie ist schon da. Ich muss sie nicht erfinden. Nicht vermehren. Sie ist einfach da. Das Schwierige ist, sie durch den Alltag nicht wieder zudecken zu lassen.

Der Verstand ist zwar noch in Gebrauch und wichtiger Helfer, aber er ist nicht Steuerzentrum. Das Herz steuert. Ganz anders, als der Verstand es würde. Ohne Denken. Ohne es zu formulieren. Darum ist es auch sehr schwer, dies alles in Worte zu fassen. Es gibt diese Worte nicht. Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die Sprache meines Herzens erst lernen.
Ich bin ein Mensch, der alles hin und her überlegt und ständig an irgendwas rumdenkt und -philosophiert. Das bin ich immer noch, aber viel, viel weniger. Dieser anderen Instanz in meinem Inneren gebe ich mehr und mehr Gewicht und Stimme. Dadurch verlagert sich der Ort, von wo aus ich agiere, vom Kopf zum Herzen. Der Verstand wird dabei nicht ausgeschaltet, aber an den Ort verwiesen, wo er hin gehört. Er ist nur ein kleiner Teil meines Bewusstseins.

Das Herz und diese innere Liebe führen mich in Beziehung. In Kommunikation. Sie schälen das weg, was mich daran hindert. Mir ist sehr bewusst, dass ich diesen Weg so gehen kann weil ich das Privileg habe, nicht achteinhalb Stunden in einen Arbeitsprozess eingebunden zu sein. Ich kann meine Zeit einteilen. Meistens frei.
Es gibt auch Zeiten, wo ich intensiv arbeite und einen vollen Terminkalender habe. Wenn ich eine Stellvertretung als Lehrerin wahrnehme, zum Beispiel. Wenn ich in diesen Zeiten die Meditation vernachlässige, dann spüre ich das sofort. Dann verliere ich schnell dieses Mindestmass an Zentriertheit und innerer Stille, die mich bei mir und bei dem halten, was ich eigentlich will und die meine Psyche im Gleichgewicht halten. Innere Stille macht mich effizienter weil sie das, was mir wichtig ist, herausschält. Ich habe mehr Kraft und Energie. Die Zeit, die ich für die Meditation aufwende, erhalte ich in anderer Form zurück.
Eine „um-zu-Meditation“ wäre aber wieder die falsche Richtung. So direkt ist es nicht, dass man oben in den Automaten etwas Meditation einwirft und unten dann Zeit rauskommt. Meditation bleibt absichtslos. Sie „funktioniert“ nicht. Erreichen muss ich nichts. Das wäre wieder Aktion aus der Verstandesebene. Bei der Meditation geht es aber um Sein.

Das sind alles Bilder, die mein Verstand sich von dem Geschehen macht. Worte, die er dafür findet. Mein Herz ist viel weiser und wissender. Nur ist dies Worten nicht zugänglich. Ich kann es darum auch nicht wirklich formulieren. Aber ich spüre es in meinem Handeln und Leben. Es ist eine leise Revolution. Eine Revolution der Stille.

Unantastbar

Es gibt einen unantastbaren Ort in uns. Viele haben ihn schon versucht, zu beschreiben. Es gibt nur Wortbilder dafür, wie für das meiste, das mit unserem Inneren zusammenhängt. Diese andere Ebene kann man mit dem Verstand und den Worten nicht wirklich erreichen. Aber davon wollte ich nicht reden.

Mich beschäftigt dieser Ort seit langem. Ich habe die Sehnsucht, unabhängig von äusseren Umständen zu sein. Zuinnerst, an diesem Ort, in diesem Heiligtum, in meinem unveränderlichen und unantastbaren inneren Kern ist eine unerschöpfliche Kraftquelle. Sagt man. Ich meine, dass sie unerschöpflich sei.

Manchmal spüre ich das. Eine tiefe, innere Freude, die allem zugrunde liegt und die nicht beeinträchtigt werden kann. Aber es gibt viele Momente, wo ich das lediglich weiss, aber keinen Zugang dazu habe. Wo die Freude zugedeckt wird und nicht mehr spürbar ist.

Die Fragen stellen sich von selbst: Wie finde ich dauerhaften Zugang? Gibt es das in diesem irdischen Leben? Ist es Gnade? Kann ich etwas beitragen, mich zubereiten?
 
 
 
 
 

Weit geöffnet er-wartend lauschen. Dennoch nicht erwarten.

Suchen, aber nicht um zu finden und zu erhalten.

Manchmal kommt es mir vor, als ob der Himmel das Warten zählen, die Sehnsucht wägen, die Ausdauer belohnen würde und schenkt, wenn das Gefäss voll ist. Wenn ich den nächsten Lichtblick und Durchbruch brauche weil ich keine Sekunde länger das Dunkel aushalten könnte.

Manchmal muss es Zeit werden.

Manchmal muss man absichtslos werden in der Stille und nichts mehr erwarten.

Manchmal ist es Gnade.

Schaukelgedanken

Eine halbe Stunde lang hab ich abwechselnd zwei kleine Mädels, die bis zu den Sommerferien jeweils die halbe Woche da sind, auf der Schaukel angeschoben. Sie sangen. Ich dachte nach und war.

Die Kinder sind meine wichtigste Aufgabe. Und dadurch, dass ich nun doppelt so viele habe, kümmere ich mich plötzlich anders um meine beiden, bin präsenter, konsequenter und zielgerichteter. Das könnte ich doch auch, wenn sie allein sind. Nur: Dann bin ich unterfordert. Ich könnte die Aufgabe ausbauen. Vieles selbermachen. Nähen. Basteln. Deko. Backen. Mehr spielen mit ihnen.

Das alles ist nicht mehr mein Ding, mein Leben. Es sind nicht mehr meine Leidenschaften. Es ist nicht mehr mein Plan. Mein Familienschiff. Mein Zuhause. Mein Projekt. Ich bin anderswo angedockt, irgendwie. (Ich weiss noch nicht, wo.) Und gerade deswegen könnte ich doch einfach hier sein, mit ganzem Sein und Wesen und doch losgelöst davon.

Die Zeit, die ich hier lebe, gehört mir nicht wirklich. Ich lebe sie nicht für mich. Gerade deshalb kann ich doch einfach mit ganzer Seele hier sein, wo ich bin, ohne, dass mir etwas abgeht dabei. Vielleicht finde ich jetzt zu jener Hingabe, die ich mir immer wünschte, leben zu können. Jene Hingabe, die nicht von Applaus oder Anerkennung lebt, sondern aus sich selbst und aus Liebe. Eine Hingabe, die alles schenkt, nichts verliert, aber sich auch nicht verausgabt bis zum Umfallen.

Ja, dahin möchte ich gerne. Das habe ich jetzt begriffen. Und dieser Gedanke ist der Anfang, in dem die Vollendung schon enthalten ist. Der Weg wird zum Ankommen und nicht nur im Vorbeigehen gelebt.

Ewigkeit

Wenn du deine Gedanken zur Ruhe kommen lässt, weder über die Vergangenheit nachdenkst, noch in die Zukunft vorausblickst, findest du das Jetzt.
Das Jetzt ist jetzt. Jetzt ist immer.
Auf einmal dehnt sich dieser kurze, unfassbare Augenblick zur Ewigkeit. Du merkst: Im Jetzt gibt es die Zeit nicht. Jetzt vergeht nicht. Jetzt ist. Ewig.
Diese Ewigkeit ist das Reich Gottes.

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.
Die Bibel, Lk 17,20

Der Verstand mit all seinen Fragen, Bedenken und Analysen kann es nicht sehen, obwohl es in dir drin ist.

Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Die Bibel, Lk 18,17

Im Reich Gottes, in der Ewigkeit, in diesem grossen, unendlichen Jetzt ist der Friede, der alle Vernunft übersteigt, weil da die Vernunft, der Verstand nicht regiert. Du spürst, im Innersten, dort, wo das Reich Gottes ist, bist du ewig. Diese Tiefen sind von den äusseren Stürmen und Wellen unantastbar.

Wenn du aus diesem Bewusstsein lebst, in dieser Sekunde, ganz im Jetzt, ganz von dieser inneren Ewigkeit aus, dann handelst du wirklich. Du reagierst nicht. Du wirkst. Du hast die Blickrichtung gewechselt. Das ist Umkehr.
Kommen Gedanken, Stürme, Anforderungen und Schwierigkeiten und du verlierst diese Blickrichtung, dieses von innen her Sehen, dann gerätst du in die Reaktion, in die Verteidigung. Dein Handeln verliert seine Schöpferkraft. Es ist wie ein Haschen nach Wind. Du rennst Dingen nach, Menschen und Wünschen und versuchst die Leere zu füllen, verzettelst dich, bist in Gedanken verloren, überschwemmt von Umständen.

Es ist sehr schwer, die jahrealten Muster des Verstandes zum Schweigen zu bringen. Das spekulative Denken, das meint, kontrollieren zu können, zu lassen, wenigstens für ein paar Momente.
Je mehr du übst, desto besser geht es, desto länger kannst du von der Ewigkeit her leben, desto leichter findest du sie wieder.

Immer, wenn du sie wieder verlierst, ist das deine Chance zu üben, deine inneren Muskeln zu stärken, zu wachsen, weiterzukommen, auch wenn es sich sehr unangenehm anfühlt.

Wenn du sie verloren hast, sei gütig mit dir. Kehre zurück zum Augenblick. Beobachte dich. Beobachte den Moment. Du steckst im Schlamm fest. Ok. Es bringt nichts, darüber zu schimpfen. Und nichts, sich dagegen zu wehren. Du weisst, du willst raus. Also handle, wo du handeln kannst. Warte, wo es zu warten gilt.
Nimm nur den Augenblick. Jetzt. Moment für Moment. Kehre zur Ewigkeit zurück.

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Es ist so weit:

Ich gehöre zu der für die Jugend absolut bemitleidenswerten Spezies Senioren.

Woran ich das gemerkt habe?
Nun, ich habe es gewagt, in einem Geschäft einer attraktiven jungen Dame von früher zu erzählen: „Früher gab es mal Thermometer, die gleichzeitig Glasrührstäbe waren.“
Als sie, nicht verstehend, was ich meine, den Kopf schüttelte, beschrieb ich, versuchte ins Detail zu gehen. Aber ihr Blick sagte mir zunehmend, dass sie entweder an ihrem oder meinem Erinnerungsvermögen zweifelte.

Erst als ich die Stirn kraus zog, um nachzurechnen, vor wie vielen Jahren das gewesen sein könnte, und daraufhin die Stirn noch ein bisschen krauser zog, weil ich realisierte, dass da die junge Dame noch in die Unterstufe gegangen war, da kehrte ihr Lächeln zurück. Sie war beruhigt, nichts Wichtiges verpasst zu haben.

Ich hingegen war beunruhigt. Ist es wirklich schon so weit, dachte ich, dass mich diese jungen Leute als alt ansehen?

Ja. So weit ist es. Dabei bin ich noch nicht mal vierzig! Aber ich kann mich sehr gut erinnern, dass ich mit zwanzig Vierzigjährige als alt betrachtete.

Inzwischen weiss ich, dass ich niemals alt werde. Wenn ich es nicht verlerne zu lernen. Auch wenn mein Haar unterdessen ziemlich meliert ist.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters