Neuland

Durch meine Pinsammlung blätternd, auf der Suche nach Inspiration, denke ich an frühere Zeiten zurück, an das Gefühl beim kreativen Werkeln, die Sehnsucht, die unbestimmte, die mich auf die Suche schickte. An die Spannung und wache Neugier, die mich trieben. Früher war alles besser, denke ich, und ich möchte zu diesem kreativen Fliessen zurück, zum Erschaffen und Schöpfen und zur Suche.

Im Zurückblicken scheint das Vergangene altvertraut, bekannt. Ich möchte zurückgehen weil ich weiss, worin ich lebte, möchte das Schöne wiederholen und noch einmal auskosten. Aber das Leben ist jetzt. Und es ist unbekannt. All das, was gerade passiert, weiss ich noch nicht. Ich gehe in neues Land. Fortwährend. Und Neues verunsichert.
Darum blickt die Seele zurück und meint, früher sei es besser gewesen.

Sie täuscht sich. Damals blickte ich genauso zurück auf vergangene Tage und Werke und dachte, es sei besser gewesen.

Im Augenblick des Lebens weiss man nicht, wohin der Weg führt.
Das Leben wird rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt, wie Kierkegaard sagt.
Vielleicht gäbe es ohne immerwährendes Neuland keine Suche und keine Spannung, keine Neugier, kein Erschaffen und Schöpfen. Und keine Notwendigkeit, weiter zu gehen.

nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
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Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

Alles loslassen. Das Loslassen. Das Wünschen. Das Wollen. Das Erwarten. Sogar das Hoffen.

Wünschen – erwarten – hoffen. Unterscheidet sich eins vom anderen? Ist Enttäuschung immer das Ende einer Täuschung, das Ende einer (falschen) Erwartung oder könnte man sie auch zerschlagene Hoffnung nennen?

Sicher ist, dass ich mit wünschen, erwarten und hoffen irgendwie eine innere Kraft aufwende und benütze, von der ich denke, dass sie in der Lage ist, mich der Erfüllung meines Wunsches ein bisschen näher zu bringen.

Die einen Menschen sagen mir dann, dass ich mit meinem Wünschen und Sohabenwollen meinen eigenen Willen durchsetzen möchte, mein Leben nicht wirklich der Herrschaft Gottes unterstellt habe und er also nicht an erster Stelle sitzt und nicht über mich verfügt.
Die anderen sagen mir, dass dies das Ego sei, das sterben müsste und von dem ich frei werden muss, damit ich weiterkomme.

Sie sagen beide dasselbe mit anderen Worten.
Ich kann mein Leben Jesus übergeben. Ich kann das Ego loslassen. Es ist beides dasselbe.

Es geht allein um meine innere Haltung. Die Haltung, dass ich vertrauensvoll weitergehe, nichts erzwingen oder beeinflussen will. Ich werde dennoch auf rasantem Weg das erhalten, was ich mir in meinem Tiefsten wünsche. Zu dieser Haltung gehört aber, dass ich die Erfüllung nicht mit meinem Loslassen bezwecken möchte. Ich lasse nur los. Ohne Bedingung.

Solches Loslassen, wirklich ehrliches Weitergehen, ohne zu wollen, was ich ersehne, ist ein Geschenk, Gnade.
Einerseits.
Andererseits bereite ich mit meinem Wunsch und Bestreben, auf solche Art loszulassen, den Boden dafür.
Die wohlbekannten Gleichzeitigkeiten und Paradoxa auf der geistigen Seite des Weges.

Das grosse, zusätzliche, göttliche Geschenk, das jenseits solchen Loslassens auf mich wartet, ist die Erfüllung dieser innersten Wünsche. Sie können nicht anders, als erfüllt werden, denn sie sind aus Gott. Sie erfüllen sich zu ihrer Zeit und die ist dann, wenn ich völlig frei weitergehen kann, ob sich dieser Wunsch erfüllt, oder nicht.

Neues, altes Vokabular

Immer mehr spüre ich, dass die alten Bilder und Worte über den Glauben wie ein Gefäss sind, in dem das, was ich sagen möchte, enthalten ist. Dass diese Vorstellungen am besten jene Haltung in meinem Herzen bewirken, welche wichtig und nötig ist, zu entwickeln.
Es geht immer um die Haltung, die man innerlich hat, nie um das Was, aber immer um das Wie.

Wenn ich also in Bezug auf Erwartungen darauf vertraue, dass Gott die Fäden in der Hand und den Adlerblick hat,
dass er mir nur auflädt, was ich zu tragen vermag,
dass er mich aber herausfordern möchte, weil er mich fördern will,
wenn ich daran glaube, dass er mich mit allem, was ich brauche, versorgt,
dann kann ich gegenüber dem, was mir begegnet, jene demütige, freudige, innerlich bejahende Haltung entwickeln, die mich die Dinge anpacken lässt. Dann kann ich allem in jener Haltung begegnen, wie man einer Überraschung entgegen geht. Dann muss ich nicht werten, was mir begegnet, ich muss es nicht schubladisieren, weil alles aus einer Hand kommt, weil alles durch eine Hand gegangen ist.
Das Leben ist massgeschneiderter Individualunterricht. Es sind exklusive Einzellektionen mit d e m Coach.

Ich wünsche dir und mir, dass wir das mehr und mehr so betrachten können.

Dasselbe

Nichts zu erwarten, ist schwer. Bis jetzt habe ich voraussichtlichen Enttäuschungen aufgrund positiver Erwartungen mit entsprechend negativen Erwartungen vorgebeugt. Aber das ist dasselbe.

Es geht darum, gar nichts zu erwarten. Also in eine Art bejahende Aufmerksamkeit zu kommen, mit so viel Kraft von innen, dass Wertung nicht mehr nötig ist. Aber diese Worte verstehe ich selbst noch nicht ganz.

vorbereitet

In den letzten Tagen, Wochen habe ich ganz langsam etwas begriffen.

Mich auf eine Situation gut vorzubereiten, muss nicht einschliessen, dass ich etwas erwarte.

Früher tat ich das. Ich war einsame Spitze darin, Dinge zu planen, Ferien zum Beispiel oder irgendwelche Anlässe. Ich war immer auf jedes Detail vorbereitet. Aber: Ich erwartete diese Details auch. Und wenn es nicht kam, wie ich mir vorgestellt hatte, war ich enttäuscht. Das bezog sich auf sämtliche Lebensbereiche.

Aber ich kann mich auch vorbereiten, so gut wie möglich, ja, sogar so umfassend, so perfekt, wie möglich, ohne zu erwarten. Im Gegensatz zu früher heisst „möglich“ manchmal „nötig“, und ich überschreite meine Grenzen darin nur noch selten.
Ich habe also alles vorbereitet, z.B. für eine Lektion, aber wenn ich dann drin bin, muss ich nicht mein Programm „abspulen“, sondern meine Vorbereitung ist wie ein Werkzeugkoffer, aus dem ich entnehme, was ich gerade im Augenblick für wichtig und nötig erachte.

Ich habe verstanden, dass ich dieses Prinzip ebenso auf sämtliche Lebensbereiche übertragen kann. Es ist gut und darf noch immer eine meiner Stärken sein, mich vorzubereiten. Ich muss damit aber keine Erwartungen verknüpfen. Wenn es anders kommt, dann nehme ich etwas anderes aus meinem Koffer oder bereite mich eben auf die neue Situation vor.