Sag Ja!

Ja zu allem, was dir begegnet und ja zu allem, was ist und zu dem, wie es ist.

„Ja, aber…“

„Nur Ja. Ohne Aber.“

„Das heisst doch, dass ich damit einverstanden bin und das bin ich nicht! Nicht mit allem.“

Ihr „Ja“ bedeutet, dass Sie die Tatsachen so akzeptieren, wie sie sind, dass Sie sich emotional nicht widersetzen, auch wenn Sie mit aller Kraft versuchen, sie zu ändern. Dies bringt gewöhnlich Frieden mit sich und wird Ihren Handlungen zu mehr Effektivität verhelfen.

Das ist ein Zitat aus einem sehr lesenswerten Artikel, auf den ich kürzlich gestossen bin. Er beinhaltet neben einer ausführlicheren Erklärung auch eine Anleitung, es ganz praktisch selber auszuprobieren. Mehr verrate ich nicht, denn der Artikel spricht für sich.

Bitte hier weiterlesen.

gegen Unzulänglichkeiten

Du genügst, so, wie du bist. Ja, du!
Allein, dass du da bist, reicht.
Wenn du etwas nicht kannst, dann kannst du es lernen.
Oder nicht.
Aber das ändert an deinem Wert nichts.
Wenn du etwas kannst, dann schenke es weiter.
So gut du kannst.
Aber das ändert an deinem Wert nichts.

Allein dass du da bist, macht dich so unendlich kostbar, als wärest du das einzige Wesen auf der ganzen Welt.

Das genügt.

Und das gilt für jeden Menschen.
Es gilt für dich.

Wenn du dies bejahst, mit heiliger Freude, dann hat das nichts mit Überheblichkeit oder (falschem) Stolz zu tun, sondern mit Liebe. Und Hingabe. Und eben: mit Freude.
Du wirst leuchten, wie du es dir wünschst.
Du wirst andere wärmen. Sie erfrischen. Beflügeln. Fördern.
Du wirst dir damit deine innersten Wünsche erfüllen und in deinem Element sein.

Manchmal wirst du in deinen Augen versagen. Selbstzweifel werden dich wieder versuchen zu quälen. Selbstmitleid wird anklopfen.

Öffne die Türe nicht. Was ändert es, wenn du es als Versagen betrachtest? Weisst du denn, ob nicht das, was du als Versagen ansiehst, dem anderen zum Guten dienen könnte?
In der Schuld-Kategorie zu denken, nimmt dir das Leuchten. Es ändert nichts. Es löst keine Probleme. Es dient niemandem. Es ist unnötig.

Amazing Grace

Es wurde in den letzten Monaten immer stiller hier. Das liegt einerseits an meiner neuen Arbeitsstelle, die mit einem halben Pensum auf meiner Zeitrechnung doch ziemlich zu Buche schlägt, aber es liegt auch daran, dass mir zunehmend die Worte fehlen. Es ist, als ob ich eine neue Sprache finden müsste, für das, was mich beschäftigt und was ich erlebe. Doch so einfach ist das nicht. Mir scheint, der innere Zensor ist, warum auch immer, strenger als früher. Manchmal versuche ich, etwas mit Worten einzufangen, aber wenn ich meine, es erwischen zu können, wird es vor meinen Augen durchsichtig und ich steh mit leeren Händen da. Es gelingt mir nicht, das, was hinter den Worten ist, wiederzugeben.

Und in dieser Haltung gehe ich momentan durchs Leben: mit offenen, leeren Händen. Staunend, was passiert. Staunend, was  mir geschenkt ist. Wie viel ist es! Wie leicht ist es auf einmal, nichts zu erwarten und nichts zu steuern. Ich weiss gar nicht, wie das gekommen ist. Ich weiss gar nicht, was genau sich geändert hat, aber es scheint alles anders zu sein. Ich bin angekommen und doch weniger sesshaft und eingebürgert, als je.

Manchmal frage ich mich staunend, ob das wirklich alles für mich ist. Manchmal frage ich, ob diese Leichtigkeit, diese andere Farbe und das andere Licht bleiben, wenn die Umstände wieder anders kommen. Und das werden sie bestimmt! Das Leben ist so.

Bis dahin setze ich mich morgens ins Auto, dankbar, dass es fährt und gross genug für alle Alltagsanforderungen ist. Ich gehe mit dem Hund spazieren und freue mich, dass dieser langgehegte Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich mache meine Arbeit im Bewusstsein, den schönsten Beruf der Welt zu haben. Ich sehe meinen Teens beim Essen zu und denke, was für ein Glückspilz ich doch bin,  zwei so tolle Menschen begleiten zu dürfen.

Es gibt die anderen Momente auch. Traurigkeit. Sorgen. Angst. Krankheit. Unruhe mit einem leeren Gefühl. Fragen. Nichtverstehen. Aber das hat nicht so viel Gewicht. Es kann mir nicht so viel anhaben. Es ist nicht wichtig. Und wenn ich dann hier etwas davon teilen möchte, dann klingen meine Worte so überheblich. Es klingt so simpel wie das, was mich früher immer so aufgeregt hat. Und dann lasse ich es einfach sein. Ich kann ja doch nicht richtig sagen, dass ich selber mich gross und klein zugleich fühle und ergriffen vor diesen Gaben und meinem ganzen Leben stehe, wissend, dass jedes Quäntchen davon Gnade ist. Wohltuende, unbegreifliche, erstaunliche Gnade.

Fortsetzung

Um euch einen roten Faden zu liefern und auf eine indirekte Frage aus einer E-Mail einzugehen, erzähle ich euch die Geschichte weiter.

Mehr und mehr finde ich mich in meinem neuen Leben zurecht und dabei mich selber. Mehr und mehr habe ich wieder das Gefühl, bei mir zu sein, statt demjenigen, mich zu verlieren.

Der Einstieg in meine neue Arbeitsstelle ist geglückt. Reich beschenkt bin ich. Zum ersten Mal in fünfzehn Jahren Lehrtätigkeit freue ich mich ohne Vorbehalte auf die meisten Lektionen. Zum ersten Mal fühle ich mich integriert in einem Team. Zum ersten Mal erlebe ich es, dass es mir nach dem Unterricht besser geht als vorher. Fast schon therapeutisch ist das. Ich bin zutiefst dankbar für meine einfach zu führenden, begeisterungsfähigen Schüler, für die Arbeit mit ihnen, für das, was sie mir gibt, für das, was die Kinder mir geben. Ich weiss, dass nichts davon selbstverständlich ist, auch nicht, wenn ich den gleichen Beruf an einem anderen Ort ausführe.
Die Arbeit ist mir momentan Halt und sicherer Ruhepol und ich habe das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Sie fordert auf der anderen Seite viel. Zeit. Ideen. Gedanken. Körperliche und geistige Kraft.
Das stört mich aber nicht, auch wenn ich an meine Grenzen komme. Es tut gut nach den letzten paar Jahren, in denen ich unterfordert war.

Der Hund erweist sich als wahrer Segen. Ich hätte nicht gedacht, dass er so viel Freude und Zusammenhalt in unsere kleine Familie bringen würde. Er sieht von Tag zu Tag schöner, glücklicher und fiter aus und wird immer mehr ein lustiger Gefährte, mit dem man spielen und sich bewegen kann. Es ist schön zu spüren, wie er immer mehr vertraut und daher gehorcht, und schön, zu spüren, wie die Bindung immer tiefer wird. Die morgendlichen Spaziergänge im Wald würde ich schon jetzt sehr vermissen. Sie tun mir gut.
Auch die Jungmannschaft beteiligt sich noch immer, manchmal zwar widerstrebend, an dieser schönen Pflicht. Darüber hinaus übernehmen sie Aufsicht und Versorgung, wann immer ich nicht kann. Letzthin fuhr Figlia extra mit ihm im Bus an den See weil er doch so gerne schwimmt. Vorallem aber spielen sie mit Siro, haben Freude an ihm und sind einander dadurch näher gekommen. Es ist schön zu sehen, wie sie Verantwortung übernehmen und mitdenken.

 

neu

Neue Aufgaben liegen vor mir und neben mir. Also, ich bin schon mittendrin.

Vor drei Wochen haben wir einen zehnjährigen, süssen, lieben, ziemlich trägen Familienhund übernommen. Zuerst war ich etwas skeptisch. Familienhund, ja unbedingt! Aber den? Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber meine Kids wollten ihn sofort behalten. Ich fand, wir könnten es ja mal mit ihm probieren.
Inzwischen hat er mein Herz auch erobert. Er hat mindestens drei Kilo abgenommen und wird von Tag zu Tag lebendiger und mehr ein Mitglied der Familie. Er tut uns allen gut. Ich mag es, am Morgen! eine Runde mit ihm spazieren zu gehen. Er ist glücklich über den Auslauf, die Wiesen und alles, was ihm unterwegs so begegnet und ich geniesse seine Freude, die frische Luft, den Wald und das Draussensein am jungen Tag.
Am liebsten geht er schwimmen. Da würde er Stöckchen apportieren bis er einen Herzinfarkt bekommt. Schön ist es, beim Nachhausekommen von ihm freudig begrüsst zu werden und diese Begrüssung fällt von Mal zu Mal freudiger aus. Insgesamt also ein Volltreffer.

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Die übrige Zeit meiner Sommerferien verbringe ich mit den Vorbereitungen für meine neue Arbeitsstelle. Eine sehr schöne und ebenso herausfordernde Aufgabe. Gestaltungsunterricht an der Primarschule. Das sind die ersten sechs Schuljahre und die Fächer textiles und nichttextiles Werken und Kunst.
Das Schulzimmer ist noch ziemlich leer und ich bemerke erst jetzt, dass ich trotz meiner Stellvertretungen in den letzten Jahren rein materialmässig ziemlichen Abstand habe. Da trifft man ja immer komplett eingerichtete und ausgestattete Räume und funktionierende Infrastrukturen. Jetzt muss ich das alles selber machen. Also Plakate für Nähmaschineneinstellungen gestalten und solche Dinge. Mein Anschauungsmaterial ist das meiste zu alt um es noch zu verwenden. Ich habe also ziemlich zu tun. Die Fachbibliothek ist mickrig. Das heisst für mich, dass ich mir ein paar Dinge halt selber anschaffen werde und zwar aus der eigenen Tasche damit ich mein bewährtes Material bei einem allfälligen Stellenwechsel mitnehmen kann.

Das Leben ist gerade wunderbar. Und anstrengend. Aber das ist vielleicht ein Teil des Wunderbaren.