nicht fliehen

Jesus lebt in Fülle, in Stille, in Gebet, in Hingabe, in absoluter Bedingungslosigkeit und in absolutem Dasein, er weicht nicht zurück.

Pyar Troll-Rauch

Wenn es mir gelingt, in dieser Stille und Bedingungslosigkeit zu sein, dann kann ich in allem eine wunderbare Ordnung und Schönheit ahnen.
Dann verliert die Schwere ihr Bedrückendes, und die Ausgelassenheit hebt nicht vom Boden ab.
IMG_2141

Mit meinem Nicht-einverstanden-Sein mit dem, was ist, meinen Bedingungen, wie es sein müsste, bevor ich gehe und handle und lebe, verliere ich Stille und Bedingungslosigkeit.
Verliere ich den Weg im dichten Nebel.
Verliere ich Frieden.
Klarheit des Handelns.
Sehe ich das Licht, das mich führt, nicht mehr.

Werbeanzeigen

online

Dieses Medium, das wir sozial nennen, ist alles andere.
Wir schliessen die Türen während wir unseren Laptop öffnen. Jeder sitzt für sich allein in einem Raum. Wir sind mit vierhundertdrölfzig Leuten befreundet und doch allein. Wir gewöhnen uns daran, dass uns niemand in die Augen sieht, wenn wir unterwegs sind. Jeder guckt auf ein kleines viereckiges Kästchen, tippt und wischt mit den Fingern darauf herum und entlockt ihm Informationen. Tamagotchis, die wir am Leben erhalten müssen. Den Weg in einem fremden Ort finden wir nicht über einen netten Kontakt und ein Lächeln, mit einer Karte aus Papier in der Hand oder einem Zettel, auf den eine Adresse gekritzelt ist. Wir gewöhnen uns daran, dass wir unsere Freunde vorallem am Bildschirm sehen, dass die Worte, die wir wechseln, stumm auf dem Screen stehen und wir nicht immer so genau wissen, welchen Tonfall wir uns dazu denken müssen. Wir hören den Trost in der Stimme nicht, nehmen Umarmungen ohne Wärme aus eckigen Klammern und Küsschen ohne Geschmack aus Sternchen entgegen und gucken kleine Bildchen an, die uns sagen sollen, dass da jemand mit uns lacht oder weint. Wenn wir uns mal richtig treffen, sitzen wir einen Grossteil der Zeit nebeneinander und gucken in unsere Kästchen.
Unsere Eltern hatten Recht, wenn sie dachten, dass Game Boy und Konsorten kein wirkliches Spiel, sondern bloss Ablenkung, bloss Zerstreuung sind und uns davon abhalten, Freunde zu finden, alleine schon, wenn wir die verlorene Zeit betrachten, in der wir hätten Freundschaften pflegen können. Und jetzt, da wir erwachsen sind, selber Kinder haben, die selber schon fast wieder erwachsen sind, besteht jede freie Minute aus Zerstreuung. Fast jede. Und wir werden tatsächlich zerstreut. Wer ist noch ganz bei sich, ganz da? Wir würden die Leere spüren, die alle diese Dinge hinterlassen. Wer kann Stille aushalten? Sogar geniessen? Eine Stunde davon täglich, ja, vielleicht nur eine halbe oder eine Viertelstunde wären mehr Erholung und Regeneration als die gesamte sogenannte Freizeit zusammengenommen. Wir haben Spass statt Vergnügen, und diese Worte sagen eigentlich schon alles. Spass kommt von zerstreuen und Vergnügen ist eine Ableitung von genug und bedeutete ursprünglich zufrieden stellen.
Was willst du? Zu-Frieden-heit oder Zerstreuung?

 

 

 

 

 

 

 

 

Stimmt, das ist nur eine Seite, nur ein Aspekt. Aber ein gewichtiger, finde ich. Und was mich am meisten stört, ist, dass ich in diesem Wir mit eingeschlossen bin.

Leben und Tod

Das hat mich so berührt, dass ich es nicht nur in der Seitenleiste empfehlen möchte. Ein Auszug:

Sicherheit gibt es nicht – nicht im Leben und nicht im Tod. Die Angst vor dem Tod und die Angst zu leben – wirklich und voll zu leben – sind Geschwister. Denn du kannst nur dann voll leben, wenn du in jedem Moment stirbst, wenn du in jedem Moment die Vergangenheit loslässt, genau wie die Zukunft. Dann erkennst du die Ewigkeit des Jetzt.
Pyar Rauch

 

dennoch

Schmerz ist da. Nicht zu leugnen. Er gehört zu einem Erdenleben dazu.
Er kann sehr bestimmend sein. Wie Wasser in alle Ritzen meines Daseins fliessen.
Oder leise wie ein Herbstnebel einen Schleier über alles legen.

Dennoch ist mitten in dieser wunden Seele ein Raum, der unantastbar und heil ist.
Ein Raum, in dem Ruhe, Licht und Einverständnis sind.
Ein Raum, der von keiner einzigen äusseren Welle angerührt oder in Frage gestellt werden kann.
Dort bin ich das, was ich bin. Dort bin ich richtig so wie ich bin.

Gnade öffnet mir die Türe dort hin und lässt mich einen kleinen Blick und einen Duft erhaschen.
Damit ich es wieder weiss und weitergehen kann.
Sicher, dass mir diesen Raum niemand wegnehmen kann.
Sicher, dass ich mit jedem Tag besser und leichter dort hin finden werde.
Sicher, dass dort das Leben ist.

Ich gehe nicht weltfern weiter und auch nicht gefühlskalt, aber mit dem grossen Vertrauen, allezeit beschützt und aufgehoben zu sein.

 

 

Hier inspiriert und weitergedacht

Die Revolution der Stille

Peter hat in seiner Antwort zu einem vorigen Artikel mehrere interessante Fragen aufgeworfen. Ich möchte die Gedanken hier weiterspinnen und zitiere dazu Teile aus seinem Kommentar.

Mit zunehmendem Lebensalter wird es schwieriger diese Wirkung auf das Privatleben zu kompensieren. Man wird und fühlt sich aus dem eigenen ursprünglichen Lebensplan, welchem der eigenen Schöpfung entstammt, entrückt. Immer schwieriger wird es die, mit der Zeit und nach und nach auf die „Berufung“ verlegte Lebensmitte mit seinem wahren Ich in Einklang zu bringen.

Ja, das kenne ich. Das Gefühl, sich selbst, sein wahres Ich, seinen eigenen, ursprünglichen Lebensplan verloren zu haben. Ich erlebe seit einiger Zeit das Gegenteil. Ich finde mein Lebensgefühl, den tiefen Einklang mit meinem Innersten wieder, den ich in meiner Jugendzeit spürte. Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug. Die Reise ist langsam. Meistens fehlt mir der Ausblick auf die nächsten Schritte. Ich kann nur beobachten, was ist, dies formulieren, ansehen, ohne es zu werten und dann auf der Grundlage dieses Gefundenen agieren. Aus meiner Mitte heraus handeln. In diesem Prozess erlebe ich mich als geführt. Ich werde regelrecht angeleitet und geschult. So fühlt es sich zumindest an.

Ballast abzuwerfen in allen Bereichen des Lebens ist mir hilfreich, aber es ist nicht der Kern des Prozesses. Es macht die Sicht klarer, es entlastet zum Beispiel, wenn man weniger Zeit aufwenden muss, weil man weniger Dinge hat, die aufgeräumt und gepflegt sein wollen oder wenn man Dinge vereinfacht. Aber es ist eher so, dass diese Wandlung von innen heraus kommt, also die Vereinfachung eine Folge der inneren Stille ist, als umgekehrt.

So ist es auch mit dem Verrichten einfacher Arbeiten, das auf einmal erfüllend und schön ist. Das ist es, weil es in meinem Inneren still ist. Wenn es laut ist, dann sind die einfachen Arbeiten bloss Pflicht.

Auch das Üben der Achtsamkeit ist ohne innere Stille Schwerarbeit.
Die innere Stille ist es, die den kostbaren Augenblick als einen solchen erkennbar macht. Ganz automatisch und ohne Zusatzkosten.

Bis jetzt erreiche ich solche Stille nur mit Meditation. Das ist für mich die wirksamste Übung. Nicht irgendeine Meditation meine ich, sondern das einfache Sitzen und auf den Atem hören. Es ist keine gegenständliche Meditation. Ich sitze nur da und beobachte meinen Atem, indem ich die Atemzüge zähle. Mehr nicht. Manchmal überschwemmen mich Gedanken oder Gefühle. Ich schweife ab. Bin abwesend. Hänge einem Gedanken nach. Dann kehre ich, ohne dies zu werten, zum nächsten Atemzug zurück.
Jetzt, nach dreieinhalb Jahren, steuere oder beeinflusse ich dabei meinen Atem nur noch ganz selten, sondern lasse ihn einfach so, wie er ist. Während der Meditation „erlebe“ ich meistens nichts. Ich sitze und atme. Die Veränderung ist erst beim Zurückkehren in den Alltag spürbar.

Doch bleibt die Frage, ob die Entrümpelung in Kahlschlag und Vereinsamung mündet….

…Doch wie viel Zeit bleibt dann noch für private Kreativprojekte? Leidet letztlich die Kommunikation zu Mitmenschen darunter?

Die innere Stille, aus der meine Veränderung kommt, öffnet mich. Haut um Haut schäle ich weg wie bei einer Zwiebel und darunter kommt mehr und mehr das zum Vorschein, was ich wirklich bin. Das, was zuinnerst in mir ist. Mehr und mehr agiere ich von dort aus. Mehr und mehr spüre ich, was unter allem verborgen ist, in mir. Es ist Liebe. Eine Art Liebe, wie ich sie nicht aus dem Alltag kannte. Bedingungslos – nicht vom Kopf her so entschieden, sondern aus dem Herzen. Sie ist schon da. Ich muss sie nicht erfinden. Nicht vermehren. Sie ist einfach da. Das Schwierige ist, sie durch den Alltag nicht wieder zudecken zu lassen.

Der Verstand ist zwar noch in Gebrauch und wichtiger Helfer, aber er ist nicht Steuerzentrum. Das Herz steuert. Ganz anders, als der Verstand es würde. Ohne Denken. Ohne es zu formulieren. Darum ist es auch sehr schwer, dies alles in Worte zu fassen. Es gibt diese Worte nicht. Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die Sprache meines Herzens erst lernen.
Ich bin ein Mensch, der alles hin und her überlegt und ständig an irgendwas rumdenkt und -philosophiert. Das bin ich immer noch, aber viel, viel weniger. Dieser anderen Instanz in meinem Inneren gebe ich mehr und mehr Gewicht und Stimme. Dadurch verlagert sich der Ort, von wo aus ich agiere, vom Kopf zum Herzen. Der Verstand wird dabei nicht ausgeschaltet, aber an den Ort verwiesen, wo er hin gehört. Er ist nur ein kleiner Teil meines Bewusstseins.

Das Herz und diese innere Liebe führen mich in Beziehung. In Kommunikation. Sie schälen das weg, was mich daran hindert. Mir ist sehr bewusst, dass ich diesen Weg so gehen kann weil ich das Privileg habe, nicht achteinhalb Stunden in einen Arbeitsprozess eingebunden zu sein. Ich kann meine Zeit einteilen. Meistens frei.
Es gibt auch Zeiten, wo ich intensiv arbeite und einen vollen Terminkalender habe. Wenn ich eine Stellvertretung als Lehrerin wahrnehme, zum Beispiel. Wenn ich in diesen Zeiten die Meditation vernachlässige, dann spüre ich das sofort. Dann verliere ich schnell dieses Mindestmass an Zentriertheit und innerer Stille, die mich bei mir und bei dem halten, was ich eigentlich will und die meine Psyche im Gleichgewicht halten. Innere Stille macht mich effizienter weil sie das, was mir wichtig ist, herausschält. Ich habe mehr Kraft und Energie. Die Zeit, die ich für die Meditation aufwende, erhalte ich in anderer Form zurück.
Eine „um-zu-Meditation“ wäre aber wieder die falsche Richtung. So direkt ist es nicht, dass man oben in den Automaten etwas Meditation einwirft und unten dann Zeit rauskommt. Meditation bleibt absichtslos. Sie „funktioniert“ nicht. Erreichen muss ich nichts. Das wäre wieder Aktion aus der Verstandesebene. Bei der Meditation geht es aber um Sein.

Das sind alles Bilder, die mein Verstand sich von dem Geschehen macht. Worte, die er dafür findet. Mein Herz ist viel weiser und wissender. Nur ist dies Worten nicht zugänglich. Ich kann es darum auch nicht wirklich formulieren. Aber ich spüre es in meinem Handeln und Leben. Es ist eine leise Revolution. Eine Revolution der Stille.

Bilder

Manchmal finde ich Worte für das Klare und Leise in mir. Für das Leuchtende, das unter allem liegt. Für jenen Klang, der Heimat ist, den ich wiederfinde, wiederentdecke in verschiedensten, auch gegensätzlichen Dingen, Situationen, Augenblicken.
Ich sehe auf meine Wegstationen zurück und sehe diesen roten Faden, eine Melodie, die unverkennbar war, in jedem dieser Augenblicke, eine Melodie, die die Welt und mein Inneres weit und warm machte, die mich staunen liess, demütig und gross zugleich machte, die aus meinem Innersten leuchtete und mich meine eigene Weite ahnen liess.
Ahnung ist dies alles. Worten und einem Verstand, der fassen, beschreiben und irgendwo einordnen möchte, entzieht sich dieses Erleben. Duft, Klang, Farbe – alles nur Bilder.
Nicht mit tausend Bildern könnte ich fertig erzählen, was ich meine.

Vielleicht gibt es Menschen, die es Liebe nennen, dieses Etwas. Oder Menschen, die es Gott nennen. Ich kann es nicht nennen, es gibt keine Worte. Ich weiss nur, dass es heraus möchte, aus meinem Inneren. Es möchte geben und sich schenken, andere anstecken, umfliessen. Es möchte sein.
Ja. Liebe ist vielleicht das schwierigste, aber das treffendste Wort. Liebe in ihrer reinsten Form.

Manchmal sind es Worte, die fliessen.
Manchmal kann ich nur meine Kamera in die Hand nehmen und Bilder kommen zu mir.
Manchmal kann ich es in ein hörbares Lied legen und kann damit mehr aussagen, als ich selbst zu verstehen vermag.

Manchmal, wenn es am unaussprechlichsten ist, kann ich nur schweigen. Nicht kalt und starr schweigen, sondern in tiefster Stille und Weite und Wärme alles umfangen und alles sein.

Unantastbar

Es gibt einen unantastbaren Ort in uns. Viele haben ihn schon versucht, zu beschreiben. Es gibt nur Wortbilder dafür, wie für das meiste, das mit unserem Inneren zusammenhängt. Diese andere Ebene kann man mit dem Verstand und den Worten nicht wirklich erreichen. Aber davon wollte ich nicht reden.

Mich beschäftigt dieser Ort seit langem. Ich habe die Sehnsucht, unabhängig von äusseren Umständen zu sein. Zuinnerst, an diesem Ort, in diesem Heiligtum, in meinem unveränderlichen und unantastbaren inneren Kern ist eine unerschöpfliche Kraftquelle. Sagt man. Ich meine, dass sie unerschöpflich sei.

Manchmal spüre ich das. Eine tiefe, innere Freude, die allem zugrunde liegt und die nicht beeinträchtigt werden kann. Aber es gibt viele Momente, wo ich das lediglich weiss, aber keinen Zugang dazu habe. Wo die Freude zugedeckt wird und nicht mehr spürbar ist.

Die Fragen stellen sich von selbst: Wie finde ich dauerhaften Zugang? Gibt es das in diesem irdischen Leben? Ist es Gnade? Kann ich etwas beitragen, mich zubereiten?
 
 
 
 
 

Weit geöffnet er-wartend lauschen. Dennoch nicht erwarten.

Suchen, aber nicht um zu finden und zu erhalten.

Manchmal kommt es mir vor, als ob der Himmel das Warten zählen, die Sehnsucht wägen, die Ausdauer belohnen würde und schenkt, wenn das Gefäss voll ist. Wenn ich den nächsten Lichtblick und Durchbruch brauche weil ich keine Sekunde länger das Dunkel aushalten könnte.

Manchmal muss es Zeit werden.

Manchmal muss man absichtslos werden in der Stille und nichts mehr erwarten.

Manchmal ist es Gnade.