Hingabe und Vertrauen

Nicht zu wünschen, nicht zu träumen, nicht zu erwarten, nach nichts zu streben, nicht zu handeln, loszulassen ist nichts Trauriges oder Lebensfremdes oder Ängstliches oder Passives oder Lethargisches oder Faules oder Träges oder Resigniertes.
Im Gegenteil.

Es ist ein tiefstes Ja zum Leben, so, wie es ist. Also so, wie wir es verstanden haben.

Es ermöglicht, zu handeln, wo handeln nötig ist und nicht zu handeln, wo es nötig ist, nicht zu handeln. In immerwährendem Atmen pendelt es und fliesst es vom einen zum anderen, wie ein Fluss sich in sein Bett ergiesst.

Es öffnet eine sprudelnde Quelle von Freude im Inneren.

Und den Blick für die Liebe, die immer da war.

 

 

Dies alles entsteht nicht durch Wollen. Nein, wollen verhindert es.
Es geschieht durch Gnade.
Ein Weg, sich ihr zu öffnen, ist Hingabe.
Und einer Vertrauen.

6 Gedanken zu “Hingabe und Vertrauen

  1. Ich kenne das von Eckhard Tolle her. Das Leben so annehmen, wie es grade im Moment ist. Das entbindet nicht von nötigen Maßnahmen, soll sogar diese befördern, weil man im Jetzt verankert ist.
    Dies alles klingt gut – aber wer von uns kann und wird das in Reinkultur leben können? Zumindest, wenn keine Katastrophen hereinbrechen, ist das annäherungsweise gut lebbar. Katastrophen annehmen können, ist eine härtere Probe.

  2. Liebe Maria,

    du zählst neben „nichts wünschen“ und „nichts erwarten“ auch „nach nichts streben, nicht handeln“ auf.
    Wie „ermöglicht“ eine solche Haltung, noch „das Nötige“ zu tun?

    Klar, wenn mich jemand körperlich angreift werde ich ganz automatisch „Kampf oder Flucht“ wählen. Aber so „automatisch“ sind die meisten Handlungen in einem Gott lob weitgehend friedlichen Umfeld ja nicht.

    Ein paar Beispiele aus meinem Leben:
    -> Nehme ich diesen Kunden an oder lieber nicht?
    -> Gönn ich mir das süße Stückchen oder lasse es mit Blick auf die „leeren Kalorien“ lieber sein?
    -> Unterschreibe ich die Protest-Petition – oder lieber nicht?

    Etc. usw. – das sind alles Entscheidungen, die auf Bewertungen basieren – die natürlich Erwartungen umfassen, denn niemand will gerne etwas tun, was als komplett Ergebnislos/wirkungslos erscheint.

    ?

    (…das „dialogischere“ Schreiben braucht leider auch ein paar Sätze länger… ;-)

    1. Erst mal noch was zum dialogischen Kommentieren: Es reicht schon, wenn du für eigene Erfahrungen hin und wieder das Wörtchen ich verwendest… dann wird es zu Deinem Beitrag am Gespräch, egal, ob du mich direkt ansprichst, oder nicht. Im Gegensatz zu weitgehend unpersönlich formulierten allgemeinen Aussagen (wie in dem Kommentar, auf den ich reagierte).

      Zu deiner herausfordernden Frage:
      Es sind die zwei Ebenen, über die ich hier https://schneiderin.wordpress.com/2011/11/08/je-alter-je-unglucklicher/ schrieb.

      Das, was in diesem Text liegt, kannst du nicht von der kognitiven Seite her erfassen. Es ist darum auch schwierig, darüber zu schreiben, denn die Worte holen das Erleben ja auf ebendiese Ebene.
      Es gibt ein Nichthandeln, das höchst aktiv ist. Aber an einer solchen Aussage stösst sich der Verstand.

      Das Handeln ist dann von einer ganz anderen Warte aus, von ganz anderer Energie und ganz anderem Antrieb und mehr ein Fliessen, ein Mitströmen, ein Alleschonda-Esgibtnichtszutun.

      Die Beispiele, die du ansprichst, löst du am besten von der kognitiven Seite her. Den Verstand brauchen wir nämlich weiterhin ;-) Er hat nicht nichts mehr zu tun, aber nur noch das, wozu er gemacht ist.

      Wenn man sein eigenes Streben und Wollen ganz zurück nimmt, dann wird Platz frei dafür, so zu handeln, wie Gott es will. Das ist jetzt in alten Bildern und etwas platt ausgedrückt. Aber das soll dich nicht davon abhalten, dem nachzuspüren.
      Wie gesagt: Es ist schwer, dafür Worte zu finden.

      „denn niemand will gerne etwas tun, was als komplett Ergebnislos/wirkungslos erscheint.“
      Nein. Der Verstand rebelliert da, denn das ist komplett verrückt. Nur ist der Verstand nicht die letzte Instanz, zu werten, ob etwas wirkungslos ist, oder nicht.

      Soweit mein kleiner Versuch von ein paar Bruchstücken einer Antwort.

  3. Du hast sehr schöne Worte dafür gefunden – und inhaltlich sind wir vermutlich ganz beieinander. :-) Trotzdem frage ich gerne mit Beispielen nach, denn wir leben ja durchaus im Alltag, wo es sehr konkret wird – und da finde ich es eher hilfreich, wenn ich versuche, die jeweilige Einsicht darauf „herunter zu brechen“.

    Natürlich ist auch mir der Verstand nicht die letzte Instanz – es muss ja immer einen Bezugsrahmen und „obersten Wert“ geben, von dem aus er seine „Problemlösungen“ angeht. Dabei macht es einen großen Unterschied, ob jemand lediglich nach Geld und Macht für die eigene Person strebt – oder ob dieses „kleine Ich“ oder „Ego“, wie es viele nennen, schon auf ein größeres Ganzes hin erweitert ist und die ehemaligen Strebungen weitgehend in den Hintergrund treten, teilweise ganz verschwinden.

    „Wenn man sein eigenes Streben und Wollen ganz zurück nimmt“ – schreibst du. An dieser Aussage lässt sich gut unser etwas anderer Ansatz erkennen:

    Im Begriff „eigenes“ stellt sich ja die Frage nach dem „wer bin ich?“ Solange man sich als von allen und allem abgetrenntes (Mangel-)Wesen erlebt auf der Suche bzw. Jagd nach Sicherheit und Anerkennung, klingt die Empfehlung richtig.
    Ist man aber nur wirklich glücklich, wenn eine Handlung allen gut tut: dem Körper, der Seele, den Mitmenschen, der Umwelt… – dann ist dieses größere Ganze der Identifikationspunkt und die Empfehlung wäre falsch.

    Ich schreibe an der Stelle „man“ statt „ich“, weil ich nicht den Eindruck aufkommen lassen will, als wäre ich selber durchweg und immer schon so heil/heilig/geläutert! :-)

    1. Dann sind wir noch näher zusammen :-)
      Mit eigenes Streben und Wollen meine ich das des abgetrennten Wesens.
      Wenn man vom Ganzen und Verbundenen her denkt und handelt, hat man dies gewissermassen schon losgelassen.

      Das sind nie absolute Zustände. Sonst wären wir reif für den Himmel. Oderso.

      Danke für den Dialog. Schön so! :-) Weich und anders. Eine Bereicherung.

  4. Hallo,

    man (oder Frau) sollte wissen, dass „wollen“ ein Urinstinkt ist.
    Diesem kann sich !!!niemand!!! entziehen.

    Das ignorieren bedeutet unter Umständen einen Verlust.

    Peter

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