Vertrauen

16. Juni, 2009 by schneiderin

Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich in meiner Jugendzeit eine unverbesserliche Optimistin war. Mit fröhlicher Neugierde und Offenheit habe ich vorwärts geblickt. Ich freute mich auf das eigenständige Erwachsensein. Darauf, endlich mein eigenes Leben gestalten zu können.
Ein guter Freund sagte damals zu mir, man werde doch sowieso nur immer enttäuscht, erwarte man Gutes. Es sei nun mal nicht alles gut und wenn es sich als schlecht erweisen würde, sei man bloss enttäuscht. Es wäre also weitaus besser, Pessimist zu sein. Denn dann könnte man vom Guten überrascht werden.
Die These klang schlüssig, passte mir aber nicht. Irgendwie spürte ich, dass es anders ist. Ich spürte, dass man nicht Gutes erleben kann wenn man Schlechtes erwartet. Meistens jedenfalls.

Dann kam das Leben.
Mein Optimismus tat sich mit dem Leistungsdenken zusammen und verwandelte sich in Perfektionismus. Ich hatte hohe Erwartungen an alles und jeden. So landete ich schliesslich bei der Enttäuschung. Die Behauptung meines Freundes schien sich zu bestätigen. Damit war ich nicht zufrieden. Ich wollte kein Pessimist werden.
Den Perfektionismus bin ich inzwischen losgeworden. Die Erwartungen sind noch da.

Ich wünschte und wünsche mir manchmal noch immer jene unbekümmerte Art zurück, mit der ich früher auf Dinge zugegangen war. Jene jugendliche Biegsamkeit, die sich fröhlich in Unerwartetes schickt, das Beste daraus macht und in allem etwas Gutes findet. Ein Stück Idealismus, der grosszügig über Unvollkommenheiten hinwegsieht, das grosse Ziel nicht aus den Augen verliert und immer wieder aufsteht, wenn er hingefallen ist.
Wie kommt jenes warme Leuchten ins Herz und in die Augen zurück? Wie macht man das ein paar Jahre später, vom richtigen Leben ernüchtert und enttäuscht, aber auch reifer, mit realistischerer Sicht?

Ich muss meine Erwartungen loslassen. Aber das ist nicht einfach. Hoffnung davor zu bewahren, eine Erwartung zu werden auch nicht. Einverstanden zu werden mit dem, was ist und mit dem, was mir widerfährt, auch nicht. Die Erwartungen sind einfach da. Ich habe keine Möglichkeit, mich dagegen zu wehren. Eher scheint mir, sie vermehren sich, wenn ich dagegen kämpfe, sie zu sehr beachte.

Wie kann ich also meinen Optimismus wiederfinden? Jetzt, Jahre später kann er nicht mehr blind sein. Er muss einen anderen Namen erhalten: Vertrauen.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich manches aus einem ganz anderen Blickwinkel. Nicht immer war das, worüber ich enttäuscht war, schlechter als das, was ich erwartet hatte. Und wenn ich dies irgendwo nicht sehe, bestätigt das nicht automatisch das Gegenteil. Viele Dinge, die schwierig und schwer waren, haben sich im Nachhinein als Segen erwiesen. Ich weiss, das klingt abgedroschen, aber es ist so. Ich wäre nicht die, die ich jetzt bin, hätte ich nicht all die Lektionen erhalten.
An meinem eigenen Weg kann ich sehen, dass aus vermeintlich Schlechtem etwas Gutes wird. Ich kann also annehmen, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Ich bin nicht fähig, im Jetzt alles richtig zu beurteilen. Das zeigt meine Geschichte. Ich kann also nicht auf mein Urteil vertrauen, dass etwas schlecht sei für mich und besser, was ich erwartet hatte.
Mit Vertrauen kann ich hoffen, dass nach einer Niederlage etwas Besseres auf mich wartet. Mit Vertrauen kann ich zuversichtlich auf die Tage vor mir sehen und wissen: Am Ende wird alles gut. Da ist Gott, der den Adlerblick über mein Leben hat. Er weiss, was richtig ist. Und er führt mich.

Ich muss also nicht so sehr versuchen, nicht zu erwarten. Dagegen kann ich nichts tun. Die Erwartungen sind da. Ich werde mich stattdessen darauf konzentrieren, zu vertrauen. Dann wird es leichter, einverstanden zu sein mit dem, was ist, weil ich weiss: Alles hat einen Sinn. Dann wird es leichter, Hoffnungen zu hegen, ohne dass sie zu Erwartungen werden. Dann entsteht Raum für Träume und Wünsche, aus denen leichter Ziele werden können.

Vertrauen ist ein anderes Wort für Glauben. Es gehört zu den Dingen, die ewig und unvergänglich sind.

Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe.
Die Bibel, 1. Kor 13,13

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Der erste Schritt zum Glück

6. Juni, 2009 by schneiderin

Gerade die Finanzkrise hat einen grossen Wert:
Sie erinnert uns daran, dass materialistische Befriedigung eine Illusion ist.
Wir kaufen uns Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, was wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.
Wer aus diesem Spiel aussteigt, hat den ersten Schritt zum Glück getan.

Eckart von Hirschhausen

Ab jetzt drei Monate lang

18. Mai, 2009 by schneiderin

… Sommer!

Die Saison haben wir mit einem Ausflug an den See eingeläutet. Wind, Sonne, Wärme, aber noch nicht unbarmherzige Hitze, eiskaltes Wasser, in das ich leider nicht reinkomme weil mir die Knochen wehtun wie anderen Leuten die Zähne, wenn sie sie in ein Eis stecken.
Die Vorbereitungen für diese Spontanaktion waren schnell getroffen. Brötchen schmieren wir schon lange keine mehr. Die wertvolle Zeit möchten wir lieber draussen an der Sonne sein. Also Kühlschrank auf, alles raus, was sich irgendwie eignet zum kalt essen und mitnehmen, schnell die Badesachen packen, und los geht’s!
Die Anschaffung vom letzten Jahr macht sich bezahlt, beschwört Campingstimmung herauf. Meine Isomatte, die auch als Sitzunterlage oder Schwimmhilfe dient, muss auf alle Fälle mit.
Das Leben unter freiem Himmel finde ich herrlich: Ich falte den Sarong als Tischdecke, richte unsere Kühlschrankausbeute darauf an, versammle alle hungrigen Mäuler darum herum und dann wird schnabuliert. Jeder nimmt, wozu er Lust hat.
Auch wenn logistische Probleme auftauchen, z. B. ein vergessenes Messer, trübt das meine Freude nicht, im Gegenteil: Mit einem Kunststoffbecher kann man den Camembert zerteilen und die Paprika lässt sich auch von Hand in Stücke brechen.

Das ist doch genau das Schöne daran: Zu spüren, dass man nicht auf allen Luxus angewiesen ist und dass man das einfache Leben sogar geniessen könnte, sich zumindest ziemlich elegant darin zurechtfinden würde.
Herrliche Mahlzeiten! Herrliches Leben! Ich mag solches Improvisieren, mich auf das Nötigste beschränken. Ich mag das mobile Leben. So flexibel wie möglich muss es sein. Unkompliziert. So, dass jemand kommen und sagen könnte: “In einer Stunde reisen wir ab.” und ich ohne mich beeilen zu müssen in dieser Zeit reisefertig wäre.
So frei möchte ich sein. So frei, dass ich im Augenblick, in dem sie auf mich zu kommen, meine Lebensumstände annehmen kann, wie sie sind und zufrieden sein kann damit. Auf dieselbe Art, wie man beim Campieren nicht darauf besteht, dass Tafelsilber und Sonntagsgeschirr mitkommen müssen, damit Erholung möglich ist.

Das ist das Ziel. Es zu erreichen, dahin ist ein weiter Weg. Wie oft habe ich Angst, Ansprüche loszulassen, Vorstellungen und Wünsche weil ich meine, zu kurz zu kommen. Wie oft ist das so falsch gedacht. Wie schnell ist die Freude verdorben, wenn man auf seinen Vorstellungen besteht. Wie gross die Enttäuschung.

Ich wünsche mir, im “richtigen Leben” genauso schnell kreative Alternativen zu finden, wie beim Ausflug an den See für ein fehlendes Messer.

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Wissen und Weisheit

9. Mai, 2009 by schneiderin

Wenn einen das Wissen der Jugend zu überflügeln beginnt, könnte manch einer fürchten, jetzt seine Position, seinen Einfluss zu verlieren, und auf ganz praktischer Ebene, die Arbeit.
Aber das Wissen der Jugend ist technisch, ist materiell, wenn man so will.
In der Jugend wissen wir Fakten, wir lernen auswendig, wir häufen Wissen an, aber das ist nur ein Berg Wissen, der sich bereits in den Zwanzigern beginnt abzubauen.
Was wir wirklich brauchen, ist das Wissen des älteren Menschen, das zunehmend ein vernetztes Wissen wird. Nicht so sehr eins der vielen Fakten, als eins der Erfahrung. Ein Wissen um die Lücken, ein Wissen darum, wo nachzuschauen ist, wenn man Fakten nicht weiss, ein Training seiner Fertigkeiten und Instinkte, eine Weitsicht, mehr Überblick, eine grössere Gelassenheit und Sicherheit. Ein Wissen, das nicht mehr rein materiell ist, sondern mehr und mehr geistlich wird, wenn man es genau betrachtet.
Im besten Fall kann man technisches Wissen auf einem gewissen Niveau halten, indem man dranbleibt und sich ein Leben lang weiterbildet.
Das Bessere aber wäre es, sich intuitiv, kreativ, spirituell weiterzubilden. Dieses andere Wissen zu vermehren, das eigentlich Weisheit heisst.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Was mich glücklich macht

20. April, 2009 by schneiderin

Mehr, dass ich Licht verbreite, als Spuren zu hinterlassen.
Mehr das Lächeln in den Augen eines Menschen, das mir sagt, meine Zuwendung hat sein Selbstvertrauen gestärkt, als, dass er nach meinen Grundsätzen handelt.
Mehr die Begeisterung, die ich entfache, als dass jemand lernt, erstklassige Leistung zu bringen.
Mehr, dass Menschen sich wohl und angenommen fühlen in meiner Nähe, als zu erreichen, dass sie meine Wege gehen.
Mehr, dass Menschen beweglich zu denken anfangen, ihre Sicht weiten, als dass sie meinen Standpunkt zu dem Ihrigen machen.
Mehr, dass ich jemandem helfen konnte, zu wachsen, seine Bestimmung mehr zu entdecken, als dass ich meine eigenen Träume für ihn verwirklicht sehe.

So ist das Wesentliche einer Kerze nicht das Wachs, das seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht.
Antoine de Saint-Exupéry

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Gottes Segen

31. März, 2009 by schneiderin

“Ich wünsche Dir Gottes Segen!” sagte ich zum Abschied.
“Das brauchst du nicht”, meinte sie und schüttelte lächelnd den Kopf. “Der Segen Gottes ist jedem Wesen allezeit sicher. Gott kann nicht anders, als uns segnen. Daraus beziehen wir unsere Existenz. Wenn Gott dich nicht segnen würde, lebtest du nicht.”
“Dann ist es also vollkommen unnötig, wenn ich dir das wünsche?”
“Sage stattdessen: Ich segne dich. So kannst du sehr wohl dem Segen Gottes noch etwas hinzufügen”, gab sie zur Antwort.
“Was wäre mein Segen schon wert?”
“Du bist ein Kind Gottes. Wie könnte dein Segen wertlos sein!”
Und so sagte ich ihr also zum Abschied: “Ich segne dich!” Sie sah mich strahlend an und ihr Lächeln segnete mich auch. Ich verstand auf einmal, warum Menschen zu Gott beten: Lass Dein Angesicht leuchten über uns.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Vom Sinn des Lebens

22. März, 2009 by schneiderin

„Weisst du, ich habe jetzt den Sinn des Lebens gefunden“, sagte sie leichthin, als würde sie über das schöne Wetter sprechen.
“Du hast was?”, fragte ich und tat, als hätte ich sie nicht richtig verstanden. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand eine Antwort auf diese so bedeutende Frage gefunden hatte.
Sie wiederholte ihre Aussage nicht.

Später, als wir beim Kaffee sassen, führte sie das Thema weiter.
„Der Sinn des Lebens ist es, Gott zum Ausdruck zu bringen. Jeder auf die Art, die er am besten kann. Du bist ein Ausdruck Gottes, sein Lächeln, sozusagen.“
Sie lächelte mich an und dieses Lächeln ging tief in mein Innerstes und öffnete eine Tür, löste einen Knoten. Ich wusste auf einmal, dass sie Recht hatte, aber wie sollte ich ein Lächeln Gottes werden?
„Du bist schon eins“, sagte sie, als hätte sie meine Gedanken gelesen.
„Und wenn du tust, was dich im Innersten glücklich macht, was dir das Gefühl gibt, genau am richtigen Platz zu sein, dann bringst du dieses Lächeln zum Strahlen.“4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

wieder mal

20. März, 2009 by schneiderin

… im Gras liegen, Gänseblümchen per Makro porträtieren, Löwenzahn und Sonnenlicht durch Blätter einfangen, mir selbst Ausdruck verleihen damit, meinem Inneren, denn, was ich entdecke, in Details, ist Abbild desselben.
Und dann erfrischt vom Grün der Wiesen, dem Blau des Himmels, dem Gelb der Blumen aufatmen und weitergehen können.
Es muss endlich Frühling werden!4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Es gibt überflüssige Wörter…

17. März, 2009 by schneiderin

… die nerven! Zum Beispiel dass mehr und mehr das Wort “gefühlte” in immer dem selben Zusammenhang auftritt: gefühlte 500 Jahre stand ich im Stau…
Komplett überflüssig! Wenn man so etwas schreibt, ist doch jedem klar, dass es nicht wirklich 500 Jahre waren, oder?4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Bücher

15. März, 2009 by schneiderin

Manchmal entdecke ich in Büchern Bilder und Geschichten, die so sehr meine eigenen sind, dass ich mich frage, ob der Autor die Worte in meinem Herzen gesehen hat, bevor ich sie denken oder schreiben konnte.
Und dann finde ich die Idee, dass das individuelle Bewusstsein eine Illusion sei, eine plausible Erklärung dafür.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters