Wenn ich nur noch ein Jahr leben könnte…

19. Juli, 2008 by schneiderin

…würde ich:

  • Gesangsstunden nehmen
  • Soviel Musik machen wie möglich
  • Liebe weitergeben, so viel ich kann
  • Jeden Augenblick geniessen
  • Aufräumen
  • Malen

Das fällt mir spontan zu diesem Stöckchen auf zentaos Blog ein.

Die Antworten gehen wohl bei den meisten Menschen in die selbe Richtung: tun, was man schon lange mal tun wollte und mehr Zeit mit den Liebsten verbringen.
Und jeder weiss, es würde sich lohnen, jetzt schon auf diese Art zu leben.

Aber wer bedenkt, dass es auch eine gänzlich andere Situation wäre? Wahrscheinlich wüssten einige, dass ich nur noch ein Jahr zu leben hätte und wir würden deshalb wohl anders miteinander umgehen. Nachsichtiger, barmherziger. Wir müssten uns danach ja nicht mehr ertragen…
Wir würden offener über den Tod reden, das Drumherum regeln, bevor es so weit ist. Ich wollte das.

Je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich. Ich weiss nicht wirklich, wie ich darauf reagieren würde.
Ich denke, da würde auch viel Trauerarbeit dabei sein. Vorallem anfangs. Viele Abschiede, nicht nur von Menschen, auch von Orten, Düften, Stimmungen, Abschied vom Leben. Ich hänge daran, merke ich. Und ich möchte noch lange nicht gehen, sondern noch viel lernen, so viel ich kann.

Das aber tue ich schon jetzt.

Die Decke auf dem Kopf

18. Juli, 2008 by schneiderin

Mein Bedürfnis, das Leben im Allgemeinen und unser Heim im Besonderen zu vereinfachen, aufzuräumen und zu strukturieren wächst wieder mal ins Unendliche. Das typische Die-Decke-fällt-mir-auf-den-Kopf-Syndrom.

Ich kam in den Genuss der wunderbaren Freiheit des Zigeunerlebens und darob ist die Zigeunerin in mir vollends aufgewacht. Jetzt passe ich nicht mehr in die Lücke, die ich hinterliess. Das Leben ist mir zu eng, obwohl ich hier in meinem Alltag viel mehr Platz habe als in dem kleinen Zeltchen.

Ich möchte mir ein einfacheres Leben basteln. Eins, das weniger Pflege braucht und mehr Erfüllung bringt.
Als wir noch auf dem Land wohnten, hatte ich dieses Bedürfnis nicht. Ich vermute, der viele Platz, der mir zur Verfügung stand, die Aussicht auf die Berge und die grössere Nähe zur Natur schufen die nötige Weite für mein Gemüt.

Jetzt muss ich sie mir selbst schaffen. Da helfen Spaziergänge an Orte, wo ich Aussicht ins weite Land habe. Schwimmen im eiskalten, glattgebügelten Wasser im fast menschenleeren Freibad. Aufräum-, Wegschenk-, Wegwerf- und Ausmistaktionen. Lange Autofahrten mit runtergekurbelten Scheiben und lauter Musik. Ein Nachmittag ohne Plan am See…

Aber am meisten hilft mir, wenn ich mir sage: Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft nur Gerüchte, doch die Gegenwart ist ein Geschenk…

(frei nach Meister Oogway. Der enlische Satz bringt es unübertrefflich auf den Punkt)

Lustig ist das Zigeunerleben

13. Juli, 2008 by schneiderin

Campieren ist… ach, es gibt keine Worte. Das muss man erlebt haben, um zu verstehen.

Stell Dir vor, Du krabbelst aus Deinem Bett und landest direkt im Freien. Die Sonne blinzelt, der Regen flüstert oder rauscht, die Vögel singen. Du schlenderst durch die kühle Morgenluft zu den Waschräumen um mit kaltem Wasser das Gesicht zu erfrischen, wach zu werden und den Tag zu begrüssen. Auf dem Weg begegnen Dir nur wenige Menschen. Aus allen Augen guckt der Schlaf aber auch ein zufriedenes Leuchten. Es ist still und friedlich. Viele schlafen noch. Wer wach ist, mag noch nicht reden. Wir nicken einander einen guten Morgen zu.

Später breitest Du vor dem Zelt eine Decke aus, holst als Sitzunterlage die Isomatte und frühstückst: frisches, knuspriges Brot aus dem kleinen Laden nebenan, Kaffee, Konfitüre und Honig aus der nachfüllbaren Tube.

Wenn das Wetter es erlaubt, verbringst Du den Tag am See mit schwimmen, paddeln im Gummiboot, Sandburgen bauen, lesen und Eis essen, einer Schifffahrt in die nächste Stadt, einem Marktbummel und was Dir sonst noch einfällt.

Abends kochst und isst Du im Freien. Wenn es Nacht wird, kannst Du mit dem Schlafsack auf der Matte liegen und die Sterne bewundern, Sternschnuppen zählen und Dir was wünschen. Oder Du spazierst an den See, siehst zu, wie der Mond sich im leise plätschernden Wasser spiegelt, malst Dir aus, wer wohl hinter den farbigen Lichtern wohnt, die am Seeufer entlang glitzern, hörst dem Wind zu, der ausgelassen mit den Blättern der grossen Eichen spielt.


Und bei all dem atmest Du tief ein, saugst die ganze Welt in Dich auf, alle frische Luft, die es gibt und hältst Dein Gesicht ins Licht um es ganz tief im Herzen aufzunehmen und festzuhalten. Etwas tief in Dir erinnert sich an Urzeiten, wo die Menschen noch in Höhlen wohnten und mit der Natur lebten, mit Feuer, Erde, Luft und Wasser.
Du hast plötzlich die grösste Mühe, Dir das zivilisierte Leben und Dein Zuhause in Erinnerung zu rufen. Der Alltag ist weit weit weg.

Und? Kannst Du es Dir vorstellen? Hörst Du den Wind und die Vögel, das Rauschen des Regens? Riechst du das Gras?

Reisevorbereitungen

3. Juli, 2008 by schneiderin

In den letzten Tagen lief meine Welt rund - und sie tut es noch weiter.

Nach ersten Recherchen um ins Schwärmen zu geraten, einem ausführlichen Besuch im Outdoorladen um die Vorfreude weiter zu steigern, vielen Träumen, Telefonaten und anderen Gesprächen, haben wir es geschafft, uns das meiste auszuleihen und ein paar wenige Dinge zu kaufen und sind jetzt nach bestem Wissen und Gewissen auf eine Woche Camping ohne Auto vorbereitet.

Das heisst: noch nicht ganz. Die letzten Abklärungen betreffen die Gepäckstückplanung. Morgen nämlich könnten wir noch Gepäckstücke per Eisenbahn aufgeben, die dann am Anreisetag am entsprechenden Bahnhof abholbereit stehen sollten. Die Frage ist nur, ob wir das brauchen oder ob alles in die vorhandenen (und auch von uns transportierbaren) Teile passt.

Wir werden also am Sonntagmittag eine vierstündige Bahnfahrt unternehmen, dabei die halbe Schweiz aus dem Fenster bestaunen, spielen, Musik hören, lesen und was man sonst noch auf solchen Fahrten macht, werden gegen Abend dann im wunderschönen Tessin ankommen, auf dem Campingplatz einchecken, unser Zelt neben dem von Sorella aufbauen und los kann es gehen.

Ich freue mich und bin sehr gespannt.
Vielleicht kann ich es nicht lassen und werde Euch schon während der Woche per Internetcafé Bericht erstatten.

Auf jeden Fall wünsche ich Euch allen weiterhin einen wunderschönen Sommer. Geniesst es. Das Leben ist schön!

Bildquelle: pixelio.de/©bretagne_32

Shoppingfrust

24. Juni, 2008 by schneiderin

Klar, wir wissen es alle: Sport ist gut für die Linie und gut fürs Gemüt. Und für sonst noch ein paar Dinge, zum Beispiel die bessere Durchblutung oder um Krankheiten vorzubeugen usw.

Also, raff dich auf! Bewegen willst du dich ja schon lange. Du weisst selbst, dass du dich dann besser fühlst, vitaler und schöner, du weisst doch: gesunder Körper, gesunder Geist…

Ok. Habs begriffen, ich geh ja schon!

Wohin?

Na, erst mal muss ich mir doch sportlichere Klamotten besorgen. Meine letzten Aktivitäten in dieser Richtung liegen Jahre zurück. Sozusagen als Motivationsschub könnte ich zum Beispiel einen gut sitzenden Bikini vertragen.

Ok. Geht klar. Also los!

(nach der Shoppingtour)

Und? Fündig geworden?

*kopfschüttel* Leider nicht. Die wollen einen veräppeln. Wenn du in diese Miniteilchen passen willst, musst du erst ein halbes Jahr Sport treiben und etwa zehn Kilo abnehmen.

Aber das wolltes du doch!

Ja. Aber danach!!!
Worin trainier ich denn jetzt? Ich passe definitiv nicht in diese Sportlerwelt. Diejenigen Teile, die ich anziehen kann, sehen aus, als kämen sie aus dem letzten Jahrhundert (und kommen nicht aus der Sportabteilung. Das würde der Sache keinen Abbruch tun, sähen sie wenigstens aus, als kämen sie von dort).
Ausserdem taugen sie nicht für Menschen, die Bewegungsfreiheit lieben.

Wie meinst du das?

Ich möchte nicht jedesmal, wenn ich mit meinen Kids rumtobe, nachher erst kontrollieren, ob noch alles an seinem Platz ist und niemand etwas Unerlaubtes sehen kann. Auch nicht nach einem Kopfsprung ins kühle Nass.

Dann kauf dir einen Schwimmer.

Hab ich auch gedacht. Die sind aber nur für ganz flache Zeitgenossinnen geschnitten, nicht für mich.

Na ja. Soviel Oberweite hast du nun auch wieder nicht.

Nein. Aber gerade genug, dass es zu viel ist.
Tja. Nichts zu machen! Da bleibt nur eine Möglichkeit: Ich versuche mit diesem BH-Schnittmuster für mein aktuelles Tankini irgendein schnell trocknendes Innenleben zu zaubern, damit ich wenigstens für die Woche Camping am Lago Maggiore gerüstet bin.

Nur einen Sonnenhut hab ich gefunden.