Liebes Tagebuch

Wenn ich schreibe, dann kommen zuweilen Dinge aus mir hoch, von denen ich nicht so richtig wusste, dass sie da sind. Sie sind trotzdem Teil von mir, auch wenn sie mir im ersten Augenblick fremd erscheinen.
Sie machen fassbar, greifbar, was in mir abläuft. Ich sehe schwarz auf weiss, zwar nicht auf Papier, aber auf dem Bildschirm, was mich beschäftigt.
Manchmal bin ich sehr erstaunt. Manchmal berühren mich meine Texte selbst. Vor allem jene, die ich einfach aufschreibe, ohne bewusst zu formulieren. Ohne mit einem Thema länger schwanger zu gehen um dann eines Moments die fertigen Gedanken zu gebären.
Ich bin mein erster Leser, wie Thinkabout hier so treffend formuliert.

Und so kann ich es nicht lassen, ständig mein Tagebuch geöffnet zu haben und immer mal wieder etwas hineinzuschreiben. Ich reflektiere mein Leben und verarbeite es.
Mal lass ich alles einfach stehen, wie es ist, mal formuliere und feile ich mit grossem Vergnügen an einem Text bis er sitzt, bis er genau das ausdrückt, was ich damit sagen will.

Das Tagebuch war mir schon so oft ein wichtiges Instrument, wenn es galt, herauszufinden, was eigentlich in mir passiert. Wenn ich den grossen Bogen sehen wollte, den roten Faden. Es ist ein Zeitzeugnis der Gedanken und Gefühle, nicht so sehr der Ereignisse. Ich lese immer wieder darin, lerne aus dem Erkannten und gehe weiter, werde mir bewusster, wo ich dran bin, wo ich feilen möchte.

Und manchmal, so wie jetzt, plane ich nichts und es entsteht in kurzer Zeit ein Text, den ich so gut wie nicht nachbearbeitet, in mein Blog stelle.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Literarischer Erfolg

Gut schreiben können viele. Um zu verkaufen, muss man anders schreiben. Wie denn? Anders eben.
Entweder so abgehoben und verworren, dass es keiner wirklich versteht und jeder Normalbürger schon bei Seite zehn den Faden verliert, oder so einfach und banal, aber gekonnt in Abfolge und Spannungsbogen, dass es eben doch nicht jeder auf diese Art hinkriegen würde.
Eine andere Möglichkeit wäre noch, dass man eine Story findet, die noch nie in dieser Kombination dagewesen. Das ist schwer. Da muss man ein bisschen belesen sein oder sonstwie ein Gespür für sowas haben.
Was natürlich immer zieht, immer, und sich auch immer verkaufen lässt, ist das Plaudern über Intimitäten. Drogen, Sex, Liebesgeschichten mit allem Drum und Dran. Möglichst detailiert und wahrheitsgetreu. Krasse, wahre Geschichten eben, die sich auf Schauplätzen in der realen Welt abspielen.
Ach, ja, vielleicht noch mit einer Prise Esoterik gewürzt. 4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Sendeschluss

Blogs lesen ist ein bisschen wie das Schauen einer TV-Serie. Man liest. Man lebt mit. Man gewöhnt sich aneinander. Eines Tages fehlt einem etwas, wenn man nicht liest. Also liest man wieder.

Vielleicht fängt man an zu kommentieren. Das ist dann fast wie ein Gespräch mit einem Star, nur ein wenig realer, weil erreichbar.

Und dann wird plötzlich das Blog stillgelegt. Stillschweigend oder gross angekündigt. Jetzt kommen all die Kommentare: Ich mache mir Sorgen um Sie…melde Dich bitte…was ist los?…ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen, aber wann schreiben Sie wieder?…Schade. War schön mit Dir. Ich werde Dich vermissen…

Wer oder was wird da betrauert? Der Leser oder der Autor? Wer nimmt sich Zeit für ein paar Worte darüber, was der Autor einem war? Worte, die ohne Floskeln und Schnörkel von seinem Herz erzählen.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Nur Worte

Illusion, diese Gedanken, Worte, die kommen, sich von selbst formulieren, die ich nie so sagen könnte, suchte ich danach? Bin ich das? Wer bringt zu Wort und wer fasst das alles zu Gedanken?
Wenn ich Tage später lese, klingt oft fremd, was ich selbst geschrieben habe. Weshalb? Bin ich es nicht, die schreibt? Welches Ich schreibt?

Es sind Worte, leere Hüllen. Doch transportieren sie etwas Unsichtbares: Geist, der hinter all dem ist, der all das erschafft. Gott ist es, der redet in mir. Mein Urgrund. Mein ewiges Sein.
Auch das wieder Worte, die versuchen zu fassen, die versuchen, greifbar zu machen, was nicht greifbar, nicht fassbar ist.
Unfassbar und unbegreiflich, aber nicht unberührbar ist dieses Grosse, Allumfassende, Ewige. Nah ist es, näher als alles, näher, als Worte beschreiben könnten, und doch für diese drei Dimensionen nicht greifbar.
Es ist nur in Bilder und Worte übertragbar. Und jedes Wort ist nicht dieses Eine. Es kann nur Übersetzung sein. Nur immer Bild, nur immer Form, nur immer Denkgebäude, Weltanschauung. Nie aber das Ewige selbst.

Und so werd ich darüber still in mir weil es unaussprechlich ist.

Der Feentraum

„Schliess die Augen!“ forderte sie mich auf. „Wir machen jetzt zusammen eine Reise. Ich nehm dich bei der Hand. Magst du mitkommen?“
„Ja, gut. Einverstanden.“
„Also, stell dir vor, dass wir jetzt über eine grosse Wiese spazieren.“
„Funktioniert es auch, wenn ich das nicht sehe?“ unterbrach ich ihren Enthusiasmus.
„Klar. Du kannst dir auch die Stimmung oder das Gefühl dazu vorstellen. Bilder braucht es nicht. Die kommen irgendwann von alleine.“
Ich war skeptisch, aber meine Neugier war stärker.

„Wir gehen jetzt über die Blumenwiese zu einem wunderschönen Wald. Du hörst die Vögel singen. Es ist warm. Die Sonne scheint. Der Wald riecht erfrischend und würzig. Wir gehen einen schmalen, moosbewachsenen Weg entlang.
Und jetzt kommen wir auf eine Waldlichtung. Schmetterlinge tanzen, ein Sonnenstrahl zaubert märchenhaftes Licht.
Hier, auf dieser Lichtung bist du ausserhalb von Zeit und Raum, ausserhalb deines Karmas – du würdest vielleicht Schuld oder Sünde dazu sagen, ausserhalb von Ursache und Wirkung.“

„Das ist doch gar nicht möglich!“ zweifelte ich, „Einen solchen Raum gibt es nicht.“
„Es geht nicht darum, ob es ihn gibt oder nicht. Stell es dir einfach nur vor“, beschwichtigte sie mich.
„Und wo…“
„Schschsch! Geh dorthin. Es gibt diesen Raum! Geh dorthin.“

Ihre Stimme war leise und beruhigte mich.
Ich versuchte es also. Ein Raum, ausserhalb von allem? Ein Stück Himmel! Ein Stück Ewigkeit. Mir war plötzlich leicht und warm und die Luft schien mehr Sauerstoff zu enthalten.

„Hier, an diesem Ort sind alle Fragen leicht. Hier findest du die Antwort auf alles. Nimm deine schwierigste Frage“, forderte sie mich auf.
Das war nicht schwer.
„Die Antwort, die du darauf findest, wird niemandem schaden. Niemand wird dir Vorwürfe machen oder Anerkennung dafür geben. Hier ist neutraler Raum, frei und unberührt von allem. Egal, wie du dich entscheidest, es wird richtig sein.“

Meine Frage fühlte sich auf einmal nicht mehr wie eine Frage an. Sie hatte sich unmerklich in eine Antwort, in eine Aussage verwandelt und schwebte wie eine Feder vor meinen Augen, tanzte in der Sonne. Ich brauchte sie nur einzufangen, in der hohlen Hand festzuhalten, leicht, ohne sie zu zerdrücken.
Ich war nie zuvor in meinem Leben so glücklich wie in diesem Augenblick.

„Jetzt geh“, sagte sie sanft, „Geh und bewahre die Antwort. Sie kommt aus der Tiefe deines Herzens, aus der Ewigkeit und sie zeigt dir den Weg.“

Ich erwachte aus meinem Traum. Vor dem Fenster waren noch immer der graue Himmel mit dem unbestimmten Licht, die Kälte und das Eis. Es hatte sich nichts geändert und der Platz, an dem ich gewesen war, schien nie existiert zu haben.
Nur in meinem Herzen war ein kleines Licht, das meinen nächsten Schritt erhellte.4stats Webseiten Statistik + Counter
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Lebensgeschichte

Ich erzähle dir mein Leben und mein Herz und es gleicht einem Roman, der nie mehr aufhört, immer weiter geht, in Wellen, auf und ab.
Wie ein grosses Ein- und Ausatmen erzählen sich die Tage wie von selbst, finden Gedanken Ausdruck in Worten und Sätzen, finden Farben und Bilder ihren Weg ins Greifbare.
Ich webe die Fäden zusammen und es entsteht ein bunter Teppich, der sein Muster ständig verwandelt und doch immer seine eigene Melodie behält. Er ist ein Einzelstück und dennoch Teil des Ganzen.
Mit deinen eigenen Farben webst du mit. Wir wirken mit Bäumen, Sonnenstrahlen, Vogelgezwitscher, dem Duft der Blumen, der Weite des Sees, mit dem Regenbogen und den fernen Bergen, mit dem Meer und mit dem Wüstensand.4stats Webseiten Statistik + Counter
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Vom Einfluss des Web 2.0

In mein Tagebuch (ich meine nicht dieses hier, sondern mein ganz privates) hält ein Stil Einzug, von dem ich nicht so genau weiss, ob ich ihn gut finden soll oder nicht. Die Sätze werden stichwortartig. Emoticons garnieren die Satzenden. Da gibt es sogar die langen, im Inflektiv gehaltenen Verbenschlangenwörter zwischen zwei Sternchen. Fehlen nur noch die Hashtags.

Mmmm. Nicht gut das. Nicht wahnsinnig literarisch. Aber muss ein Tagebuch das sein? Meines schon, dachte ich mal. Jetzt schreib ich einfach, wie es mir einfällt.

In Autorenkreisen wird einem geraten, man solle schreiben wie man spricht, das wirke am Natürlichsten. Nein. Nicht wirklich. Mein Schweizerdeutsch möchte ich niemandem zumuten, nicht als Buchstaben zum Lesen jedenfalls. Also: Schreiben wie ich spreche, geht definitiv nicht.

Was bleibt? Schreiben, wie es aus den Fingern fliesst. Wie es aus den Gedanken tröpfelt. Und im Tagebuch, das ja keiner liest, ausser mir, spielt es nun wirklich keine Rolle, wenn ich den ganzen Webmüll mit reinnehme. Es ist ein Zeitdokument und das unterwerf ich keiner Zensur.4stats Webseiten Statistik + Counter
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