Der zweite Saft-Tag

Heute Morgen befolgte ich brav die vielen guten Tipps für Menschen mit niedrigem Blutdruck. Und siehe da: Es funktioniert! Ich fühle mich ein bisschen wackelig noch, wie nach einer Krankheit, aber immerhin muss ich mich nicht in eine waagrechte Position begeben, um nicht umzukippen.
Und noch was: Gemüsesaft ist nicht mein Ding. Rein geschmacklich. Aber da ich nun welchen im Küchenschrank stehen habe, wird er einfach getrunken, basta.

Der Hammer

Diese Fastenkur ist der Hammer! Sie hat mich total umgehauen. Entsprechend flach lag ich heute.
Am Vormittag war alles noch ganz normal. Ich putzte das Bad, saugte und wischte die Böden und kaufte ein und fühlte mich gut. (Schliesslich steht ja überall, man könne seiner gewohnten Arbeit nachgehen). Um halb elf kam das erste unangenehme Hungergefühl. Das liess sich mit einem Glas zu Trinken schnell beseitigen. Was aber immer schlimmer wurde, waren die Kopfschmerzen. Das Timing war perfekt. Als ich nämlich in der Küche stehen und kochen sollte, wurde mir schlecht. Mein Kreislauf machte nicht mehr mit. Figlia musste fertigkochen. Sohnemann deckte den Tisch. Ich lag auf dem Sofa. Aufstehen ging nicht wirklich. Das Zimmer schwankte, mir wurde schlecht.
Nachmittags konnte ich eine gute Stunde schlafen. So lange ich noch im Bett lag, dachte ich, es hätte mir gut getan. Das Aufstehen und wieder auf die Couch rüber schleichen brachte es ans Licht. Nichts war besser.

Mein Verstand fing an nachzudenken. Eine Kopfschmerztablette kann ich nicht nehmen – auf den leeren Magen. Kaffee auch nicht, aus demselben Grund. Das gibt Sodbrennen. Also? Das Fasten abbrechen und erst einen Koffeinentzug machen? Ich probierte es mit Apfelmus. Aber nach drei Teelöffeln wurde mir schon wieder schlecht, so dass ich damit wieder aufhörte. Irgendwann kam ich auf die Idee, mein neues Fastenbuch zu konsultieren, nicht nur die Broschüre, die dem Saftpaket beilag.
Ach so! Alles klar. Mein Blutdruck ist zu tief. Deshalb also meine Schwierigkeiten. Was hilft? Leichte Bewegung, kaltes Wasser ins Gesicht, frische Luft, Wechselbäder… Alles, was den Kreislauf anregt, eben. Und – ich darf leichten Schwarztee trinken. Zwei Tassen pro Tag. Was sonst ja verpönt ist. Wunderbar! Probieren wir das!

Während ich diese Tipps in kurzen Happen las, zwischendurch wegen der inzwischen rasenden Kopfschmerzen die Augen schloss und gegen die Übelkeit kämpfte, kam mir noch eine Idee. Da hatte ich doch mal gehört, dass die Hälfte der gefässerweiternden Wirkung des Kaffees in seiner Wärme liegt. Dass man also ebenso gut heisses Wasser trinken könne. Ok. Probieren wir! Kann ja nichts schief gehen.
Die Kopfschmerzen verschwanden tatsächlich innert kurzer Zeit fast vollständig. Tee hätte ich nämlich nicht runter gekriegt. Ich kann die meisten Kräutertees nicht leiden. Dann schon eher Gewürztees oder Grüntee.

Abends um halb acht war ich wieder einigermassen fit, nachdem mein Liebster das ganze Mittagsgeschirr abgewaschen, mit den Kindern zu Abend gegessen und danach die Küche ein zweites Mal aufgeräumt hatte.

Das Fazit: Haushaltarbeiten sind für den ersten Tag nicht geeignet. Jedenfalls nicht in gewohnter Menge und Tempo.
Und: Aus der grossen Menge der Fasten-Literatur hab ich das richtige Buch ausgesucht.

Es geht also weiter. Und ich bin gespannt, wie – und wie lange.

Saftwoche

Ich habe mir eine Biotta-Wellnesswoche gekauft. Letzten Samstag hab ich die schwere Kartonschachtel, gefüllt mit Säften, Leinsamen und Kräutertee durch die halbe Altstadt geschleppt.
Heute ist der erste Tag ohne festes Essen. Ich bin gespannt, was das mit mir macht und was ich daraus in den Alltag mitnehme.
Ich bin mir noch nicht im Klaren, was ich mit meinem Kaffeekonsum mache. Ich weiss, man sollte ganz verzichten während dem Fasten. Körperlich geht’s ja um ein Entgiften. Es wäre paradox, gleichzeitig Koffein zu sich zu nehmen. Und gegen die Entzugskopfschmerzen ein Aspirin zu nehmen, das wäre noch paradoxer. Dann doch lieber Kaffee!
Auf der anderen Seite geht es mir nicht in erster Linie um die physische Wirkung. Eher um die geistliche oder um die psychische. Es ist ein Experiment. Was macht es mit mir? Wie fühle ich mich dabei? Was passiert geistlich? Passiert überhaupt etwas? Kann ich so diszipliniert sein, das durchzuziehen? Dass davon auch mein Essverhalten, das Gewicht und das körperliche Wohlbefinden beeinflusst werden, sind angenehme Nebenwirkungen.
Vielleicht werde ich den Kaffee schrittweise abbauen. Nicht, wie es klassischerweise üblich vor der Fastenwoche geschieht, sondern halt in der Fastenwoche. Vielleicht trink ich aber auch keinen und halte die Kopfschmerzen aus. Ich weiss es noch nicht.
Mein Ehrgeiz tendiert allerdings zu totalem Verzicht.