Überdosis

Wir werden beweihnachtet. Kaum sind wir aus den Herbst-Meerferien zurück, wird im Supermarkt schon die Weihnachtsausstellung eröffnet.
Ich könnte jetzt einen langen Beitrag über Kommerz und Weihnachten schreiben. Ihr kennt das alles: Sonderangebote, blinkende, glitzernde Deko schon im Sommer, Beschallung aus Lautsprechern in den Läden, Werbung, die zum Einkaufsfest ruft. Es gibt hunderte von Artikeln, die das viel treffender als ich es könnte, beschreiben.

Aber ich möchte Dir ein paar Fragen stellen: Was hat Weihnachten mit Dir zu tun? Was feierst Du? Und warum tust Du das, was Du tust: 15 Sorten Guezli backen, Geschenke für die ganze Verwandtschaft, luxuriöses Essen, Dekoration oder gar nichts oder anderes?

Mag sein, dass Du nach der Beantwortung dieser Fragen Weihnachten noch immer genau gleich feierst.
Es kommt mehr auf das Warum, als auf das Wie an.4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

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Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Der schönste Weihnachtsbaum

Eine meiner schönsten Weihnachtserinnerungen ist die an den schönsten Weihnachtsbaum, den ich je gesehen habe.
Wir wohnten damals sehr abgelegen in einem alten Bauernhaus mitten auf einer Wiese, an drei Seiten von Wald umgeben. Im Winter gab es immer viel Schnee und durch den schmalen Feldweg kam kein Schneepflug zu uns. Wir liefen in den Traktorspuren zur Schule.
Am Weihnachtstag mussten wir nachmittags ins Bett damit wir abends länger aufbleiben konnten. Das war immer sehr langweilig. Ich mochte es nicht. Aber ich wusste, das Christkind würde nur kommen, wenn niemand da war, denn es war sehr scheu und es musste ganz still sein im Haus, damit es zum Fenster reinkommen konnte.
An einem jener Weihnachtstage war ich tatsächlich am heiterhellen Nachmittag eingeschlafen. Als ich erwachte, schliefen meine Geschwister noch. Ich schlich über die knarrenden Dielen zum Fenster. Es schneite in grossen Flocken. Der Winter war diesmal früh gekommen. Alles war schon dick weiss eingepackt.
Plötzlich sah ich am Waldrand einen Weihnachtsbaum. Eine Tanne mit lauter brennenden Christbaumkerzen darauf. Spuren führten durch den Schnee zu unserem Haus.
War es das Christkind gewesen? Aber das fliegt doch! Und warum hatte es dann zwei Bäume für uns geschmückt, einen draussen und einen drinnen? Die Fragen waren mehr ein Gefühl, denn Worte. Mich erfasste ein ehrfürchtiges Staunen und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Tränen in den Augen vor Freude und weil ich zutiefst bewegt war. Ich wusste: Dies war Weihnachten. Das richtige Weihnachten. Mehr als der Baum drinnen, mehr als die Geschenke, mehr als die wochenlange Vorfreude, die mein Vater meisterhaft zu zelebrieren verstand, mehr als Plätzchen und Lieder und Musik, mehr als das Fest, das mich heute Abend erwartete.

Ich weiss nicht genau, was damals in mir passiert ist und an jene Weihnachtsfeier kann ich mich nicht mehr erinnern. Als ich nachher erfuhr, dass mein Vater durch den Schnee gestapft war, das Tännchen selbst mit Kerzen bestückt und Brot und Möhren hingelegt hatte damit die Tiere im Wald auch Weihnachten hätten, schmälerte das mein Erlebnis nicht. Dies war das richtige Weihnachten gewesen. Das Himmlische.
Über die Jahre hab ich es zuweilen vergessen, aber bis heute kann ich das von keinem anderen Weihnachtsfest sagen.

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