Witz des Tages

(Ich lebe noch. Wenn auch mit weniger schreibbaren Worten als auch schon. Aber mit so viel Glück im Inneren wie seit langem nicht.)

 

Auf der Rückseite meines heutigen Kassenbons lese ich:

Unsere Kassenbons enthalten keine schädlichen Bisphenole.

Haha, so ein Witz, denke ich, aber gleichzeitig packt ihr einen Grossteil der Lebensmittel in Folie mit ebengenanntem Stoff ein.
Fehlt nur noch, dass drauf steht, das Papierchen sei vegan.

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Neuland

Durch meine Pinsammlung blätternd, auf der Suche nach Inspiration, denke ich an frühere Zeiten zurück, an das Gefühl beim kreativen Werkeln, die Sehnsucht, die unbestimmte, die mich auf die Suche schickte. An die Spannung und wache Neugier, die mich trieben. Früher war alles besser, denke ich, und ich möchte zu diesem kreativen Fliessen zurück, zum Erschaffen und Schöpfen und zur Suche.

Im Zurückblicken scheint das Vergangene altvertraut, bekannt. Ich möchte zurückgehen weil ich weiss, worin ich lebte, möchte das Schöne wiederholen und noch einmal auskosten. Aber das Leben ist jetzt. Und es ist unbekannt. All das, was gerade passiert, weiss ich noch nicht. Ich gehe in neues Land. Fortwährend. Und Neues verunsichert.
Darum blickt die Seele zurück und meint, früher sei es besser gewesen.

Sie täuscht sich. Damals blickte ich genauso zurück auf vergangene Tage und Werke und dachte, es sei besser gewesen.

Im Augenblick des Lebens weiss man nicht, wohin der Weg führt.
Das Leben wird rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt, wie Kierkegaard sagt.
Vielleicht gäbe es ohne immerwährendes Neuland keine Suche und keine Spannung, keine Neugier, kein Erschaffen und Schöpfen. Und keine Notwendigkeit, weiter zu gehen.

Wahlfreiheiten

Erst einmal möchte ich euch herzlich für die Kommentare danken. Es tut gut, zu wissen, dass noch andere Menschen sich über Plastik Gedanken machen und Wege suchen, diesen zu vermeiden. Und es ist schön, auf diesem Weg wertvolle Ergänzungen zu erhalten.

Meine weiteren Erkundungen haben dies ergeben:

  • Der Käse aus dem Offenverkauf schmeckt um Welten besser, als der in Folie geschweisste aus dem Kühlregal, ist aber nicht um den gleichen Faktor teurer.
    Der Effekt des besseren Geschmacks: Ich esse weniger davon weil mein Gemüt und meine Geschmacksnerven schneller das bekommen, was sie eigentlich wollen. Eigentlich betrügen wir uns doppelt, wenn wir billige und billig produzierte Produkte kaufen.
  • Die beiden führenden Schweizer Supermärkte haben innerhalb der letzten beiden Jahre Joghurt, Sahne und Getränke in Glasverpackung aus dem Sortiment genommen. Es gibt ein einziges Mineralwasser in der Glasflasche. Der Rest ist in Plastik.
    Ausserdem gibt es nur noch Gemüse und Früchte im Offenverkauf ohne Plastik, vorausgesetzt, ich fülle es in mitgebrachte Beutel ab.
    Abgesehen von Konserven in Gläsern und Dosen ist an allen anderen Nahrungsmitteln in irgendeiner Form Plastik dran.
  • Die örtliche Molkerei nahm in den letzten Tagen Sahne im Glas ebenfalls aus dem Sortiment weil das nur noch ein Ladenhüter sei. Niemand bezahle die Mehrkosten. Niemand bringe die Gläser zurück.
    Sie bietet nur mehr Joghurt im 500g Glas an. Alle anderen Milchprodukte sind im (plastikbeschichteten) Karton bzw. Käsepapier oder in Plastik verpackt.

Soweit meine Wahlfreiheit.

Was für den Käse, gilt auch für Gemüse und Obst aus der Biokiste, die ich mir seit dem Sommer liefern lasse: Es ist ein klein wenig teurer, aber weniger, als gedacht, und Welten besser im Geschmack. Ausserdem kommt so mehr Frischkost auf den Tisch. Insgesamt esse ich aber weniger weil ich schneller das Gefühl habe, etwas wirklich Gutes gegessen zu haben. Ich esse auch mit mehr Genuss und daher vermutlich langsamer.
Über den Daumen gepeilt ist es vermutlich nicht wesentlich teurer, auf regionale Bioprodukte umzusteigen.

Apropos Biokiste: Ein paar Mal kam der Salat unverpackt, also nicht in der üblichen Plastiktüte. Er hielt bei weitem nicht so lange und war am nächsten Tag schon lahm. Inzwischen wird er wieder in der Tüte geliefert. Hat jemand von euch Alternativen für das Aufbewahren von Salat im Kühlschrank?

Es geht nicht ohne Kompromisse

Das wird schwierig, das mit plastikfrei.
Meine Recherchen ergaben folgendes: Im kleinen Milch-Quartierladen kann ich ausser Joghurt und Sahne nichts im Glas kaufen. Die offene Milch – ich habe nicht mehr nachgefragt, ob sie noch erhältlich ist – mögen meine Kids eh nicht. Der Käse wird zwar offen verkauft, ist aber samt und sonders in Frischhaltefolie gewickelt, bzw. damit abgedeckt. Also richtig plastikfreien Käse gibt es nicht. Die kleinen Produzenten dürfen nichts mit Glas in die Grossverteiler mehr liefern, meinte der Milchmann. Irgendwann hätten wir diese Rechnung zu bezahlen.
Butter ist in Kunststofffolie gepackt, oder nicht bio, ausser dem aus der sauteuren Pro Montagna Linie.
Die Molkerei im Nachbardorf wird nächste Woche unter die Lupe genommen. Falls ich dort nicht fündig werde, gibts für mich momentan fast keine plastikfrei erhältlichen Milchprodukte.
Plastikfreies Brot hab ich noch nicht gefunden, beim Grossverteiler zumindest nicht. Bloss Brötchen im Offenverkauf darf ich in selbst mitgebrachte Beutel packen. Vermutlich gilt das für die Theke vor dem Laden auch. Nachgefragt habe ich nicht. Als nächstes nehme ich mir die Bäckerei im Quartier vor.
Apropos Nachfragen: Das muss ich beim Lieblingsgrossverteiler doch noch. Wurst und Fleisch offen zu kaufen, wäre schon mal ein Fortschritt. Erschrocken hab ich festgestellt, dass ich nicht mal weiss, wo die nächste Metzgerei wäre.

Sicher ist, ohne Kompromisse geht es nicht. Warum verkauft denn niemand die Dinge in Bio-Qualität, schadstoffarm, zusatzstoffffrei, gescheit oder gar nicht verpackt und fair gehandelt?

Der Widerstand in meiner Familie ist auch nicht ohne. Figlia meinte: „Also wenn du jetzt alles selber machst, zieh ich aus.“ Fragen kommen: „Gehst du jetzt ernsthaft mit diesen Beuteln einkaufen?“ „Warum ist das jetzt plötzlich so ein Riesenthema! War doch vorher auch nicht wichtig, oder?“ „Oh, Achtung! Plastik!“ wird gewitzelt und die Augen werden verdreht, wenn ich irgendwas zum Thema sage.

Weitermachen, und zwar still und leise, ist die Devise. So schnell gebe ich nicht auf.

Plastikwelt

Vor ungefähr eineinhalb Jahren,als ich auf Marias Blog den Beitrag über Plastik las, dachte ich: Na ja, diesen Film sehe ich mir besser nicht an. Könnte schwierig werden, danach normal weiter zu machen. Und unbequem, etwas zu ändern. Ich schob das Thema weg und wollte mich irgendwann vielleicht schon mal damit befassen, aber nicht jetzt.

Vor ein paar Tagen beschloss das Thema, dass es nun Zeit für mich sei. Es stolperte von ganz anderer Seite auf meinen Weg.
Auf der Suche nach vegetarischen Low-Carb-Rezepten und einem kurzweiligen Fitnessprogrämmchen landete ich bei einem Artikel über Aromen, Aluminium, Weichmacher und Süssstoff. Diese Stoffe würden das Gehirn verwirren und die Appetitregulierung stören.
Dass das für Süssstoffe, Aromen oder Glutamat gilt, wusste ich. Aber Weichmacher??? In Versuchen mit Ratten fand man heraus, dass die Aufnahme dieses Stoffs allein mit dem Trinkwasser zu Fresssucht und damit zu Übergewicht führen kann. Tiere! Übergewichtig! Gibts doch gar nicht!
Nach ein paar weiteren Recherchen war klar, ich möchte dieses Zeug nicht an meinen Esswaren. Und nach dem Wocheneinkauf war klar, dass das wirklich schwierig werden wird. Es gibt nichts, was nicht in Plastik verpackt ist. Den Film hab ich noch nicht mal gesehen (das werde ich noch nachholen), aber ich kann schon jetzt nicht mehr so weiter machen wie vorher.

Nach der Enttäuschung, dass es in meinem Lieblingsgrossverteiler so gut wie nichts ohne Plastik gibt, und ich laut meinem Nachfragen vor vielen Jahren keine selber mitgebrachten Behältnisse für offen verkaufte Lebensmittel mitbringen darf, wollte ich beim Konkurrenten nachsehen. Normalerweise hat dieser nämlich in Sachen Bio & Co. die Nase vorn. Und siehe da: Es gibt erstens mehr offen verkaufte Lebensmittel und zweitens darf ich sie in mitgebrachte Tüten abfüllen, sofern ich die Sachen an der Kasse selber einscanne und nicht aufs Band lege.

Im Bioladen in der Stadt fand ich wiederverwendbare Netztüten für Gemüse und Früchte.

Jetzt ist im Joghurtbereiter ist frische Milch mit Joghurtkulturen angesetzt und ich hab ein paar Stöffchen rausgesucht um mir ein Sortiment an Beuteln zu nähen. Brot und Joghurt möchte ich wieder selber machen, wie früher. Beides gibt es bei uns nicht ohne Plastik.
Während der Joghurt dick wird, lese mich von einem wunderbaren Blog zum nächsten und finde geniale Ideen, wie man sein Leben plastikfrei gestalten kann. Mädels, ihr habt den Dreh längst raus! Ich bin wieder mal im Schneckentempo unterwegs. Anleitungen für Brotbeutel, Netztüten aus alten Gardinen zum Einkaufen, hier auch.

Klickt euch durch die Links und auch durch die Links, die ihr in den angeklickten Artikeln findet.
Die Tabs bleiben in meinem Browser erst mal alle offen, damit ich weiter stöbern kann. Da kommen sicher ein paar neue Blogs auf meine Leseliste.

Das Tüpfelchen auf dem i

Kennst du das auch? Da gibts irgendeine Sache, bei der du Antworten suchst. Immer wieder bewegen die Fragen dein Herz. Und auf einmal, wenn du nicht mehr dran gedacht hast, nimmt dich etwas in deinem Inneren ganz sanft und leise bei der Hand und führt dich an einen neuen Ort.

Es begann mit diesem Beitrag.

Früher habe ich Hingabe mit Perfektionismus verwechselt und herausgefunden, dass man davon krank wird.
Perfektionismus ist schon länger kein Thema mehr, aber die Dinge nicht 100%-ig zu machen, befriedigte mich nicht wirklich.

Es gibt das Prinzip, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden.
Und dass die verbleibenden 20 % der Ergebnisse 80 % der Gesamtzeit benötigen und die meiste Arbeit verursachen.
Mit dem Beherzigen dieser Regel kann man erfolgreich Druck und Perfektionismus loswerden, ohne Frage. Doch mir fehlte eine wichtige Weiterführung. Es blieb eine Leere zurück. Es war nicht der ganze Weg.

Wäsche waschen war als nächstes dran, als ich mit dem Lesen fertig war.
Wie um alles in der Welt macht man das mit Hingabe, wenn es einen grad angurkt? Einfach über die Gefühle hinweg gehen??

Hingabe bedeutet nicht, ein perfektes Ergebnis abzuliefern (!), sondern mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein.

Achso bei der Sache sein. Achtsamkeit. Das kenne ich schon ein bisschen.
Mit ganzem Herzen. Das Herz möchte ganz bleiben. Ganz bei dem, was du tust. Wenn du es halb tust, dann ist das Herz irgendwie aufgeteilt und das tut ihm nicht gut. Das ist gegen seine Natur.

Die Gefühle kamen nicht im gleichen Augenblick nach, aber ganz langsam ist die Hingabe in meinen Alltag gesickert, hat viele leere Stellen aufgefüllt und mir das zurückerobert, was ich vermisst hatte.

Was ich bis jetzt entdeckt habe:

Die Alternative zum Perfektionismus bedeutet nicht, mit den 80% zufrieden zu sein. Weil man damit nicht wirklich zufrieden ist. Das beruhigt bloss erst mal das Arbeitspensum und die Agenda.
Es bedeutet auch nicht, wieder um jeden Preis die (vermeintlichen) 100% anzustreben.
Es bedeutet, deine jetzigen 100% zu geben. Die 100%, die jetzt möglich sind.
Diese Zahl bezieht sich nicht auf die Zeit, nicht auf die Menge der Arbeit, nicht auf die Anzahl Projekte, sondern auf die Menge Herz, die in allem steckt, was du tust.
Wenn da 100% Herz, 100% deiner Aufmerksamkeit und Achtsamkeit drin sind, macht es dich zufrieden.

Ich habs ausprobiert.

Und dann – ganz konkret – wenn du merkst, dass du in einer Situation nicht zu 100% da bist – entscheidest du dich, dich der Sache völlig hinzugeben.
Einfach JETZT in DIESEM Augenblick diese simple Tätigkeit mit dem maximalen Genuss auszuführen.

Nur für heute. Nur für jetzt (Wenn es dich beruhigt.)

Probiers aus! Es wird wunderbar!
Und berichte, wenn du magst, hier unten davon. :-)