Vielleicht

Vielleicht kann man nichts schreiben, nichts weitergeben, wenn man glücklich ist.
Vielleicht verliert man die Sehnsucht, etwas zu ändern.
Vielleicht ist es nicht mehr wichtig, was man wollte, wenn man Erwartungen losgelassen hat, wie man einen Ballon fliegen lässt.
Vielleicht weiss man eines Tages einfach, dass es gut ist und wird, auch wenn von aussen manchmal nichts so aussieht.

Alles geht vorüber. Und ist doch da. Immer.
Es gibt nichts, was man erreichen müsste. Es reicht, was ist. Es ist alles schon da.

Nie hätte ich gedacht, dass man in diesem Zustand mehr erreicht als je zuvor.
Dass man mit grösserer Ernsthaftigkeit als je zuvor tut, was zu tun ist und sich eingibt, wo man gerade steht.
Und ich hätte nicht gedacht, dass Freude mein vorherrschendes Gefühl wird. Nicht eine lodernde, hüpfende Freude, sondern eine Helligkeit in allem, ein Leuchten, so wie Wiesen und Wälder von der Sonne erleuchtet sind.

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10 Gedanken zu “Vielleicht

  1. „Es gibt nichts, was man erreichen müsste. Es reicht, was ist. Es ist alles schon da.

    Nie hätte ich gedacht, dass man in diesem Zustand mehr erreicht als je zuvor.
    Dass man mit grösserer Ernsthaftigkeit als je zuvor tut, was zu tun ist und sich eingibt, wo man gerade steht.“

    Seit einiger Zeit ahne ich wohl, daß es so sein sollte und sein kann. Nur habe ich diesen Zustand noch nicht erreicht, weil immer wieder von außen kommt: Du mußt (Bewerbungen schreiben, im Amt erscheinen, gut aussehen, Sport treiben …)!

    Ich beneide Dich ehrlich (und im besten Sinn: ohne es Dir wegnehmen zu wollen).

  2. Nach diesen Antworten komm ich mir ein bisschen ausserirdisch vor ;-).

    Es ist ein ganz leiser, aber unglaublich kraftvoller Zustand.
    Ich muss ja auch. Das Leben fordert. Der Beruf fordert. Die Kids fordern. Der Alltag fordert. Aber es ist ein gleichzeitiges, alles durchtränkendes Bewusstsein: An meinem Wert ändert keine einzige Leistung von mir etwas. Das, was ich bin, bin ich schon. Ohne etwas noch werden oder hinzufügen zu müssen.
    In diesem Sinne gibt es nichts zu erreichen. Wirklich nicht.
    Das heisst nicht, dass ich mich nicht verändern lasse von dem, was mir begegnet, im Gegenteil. Und es heisst auch nicht ,dass ich mich nicht einsetze und hingebe, im Gegenteil.

    Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Irgendwie abgeklärt und abgehoben. Oderso. Aber das ist es beides nicht. Es ist einfach nur ein stilles, grosses Wissen, dass ich bin und richtig bin und dass ich am hellsten leuchte, wenn ich das bin, was ich bin.
    Es ist auch nicht so, dass es Ärger nicht mehr gäbe. Oder Angst. Oder all das, was ich mir dachte, eines Tages nicht mehr zu haben. Irgendwann eines unerreichbaren, fernen Tages. (Und ehrlich gesagt wollte ich so unmenschlich gefühllos gar nicht sein.)
    Aber das andere, das Leuchten, ist einfach stärker. Es ist da, unverdient. Und ich bin sicher, man kann es nicht erreichen, indem man versucht, es zu erreichen. (Man muss ja auch nicht, es ist ja schon da.)
    Es ist wie bei der Meditation. Ich gebe hundert Prozent von dem, was ich geben kann, hingeben kann. Ich versuche nicht, es selber zu erreichen weil ich weiss, dass das nicht geht. Das, was fehlt, das kommt dazu, geschenkt.

    Ich habe in den letzten Monaten und vielleicht Jahren versucht, mir immer weniger Vorstellungen zu machen von dem, was in meinem Leben (vor)kommen soll und von dem, was ich erreichen will. Ich habe meine Wünsche an Ballone gehängt und sie losfliegen lassen, immer wieder. Ich habe versucht, das, was ich weiss und kann und das, was ich mir wünsche als Pfeile in meinem Köcher bereit zu halten. Und dann zu sehen, welchen Pfeil ich brauche. Sehen, neugierig und mit Spannung, was als nächstes kommt. So, wie man auf einem Wanderweg sich freut auf das, was hinter der nächsten Wegbiegung zu sehen sein könnte. Ich habe versucht, meine Pfeile nicht mehr unbedingt losschiessen zu lassen, unbedingt dies und das treffen zu wollen. Ich habe versucht, sie nur hervor zu nehmen, wenn es sie braucht.

    Es ist unglaublich schwer, es zu beschreiben. Und vielleicht habe ich jetzt viel zu viele Worte gemacht.

  3. Vielleicht war es das, was ich am Sarg meiner Oma spürte – und immer noch spüre, es ist ja noch so nah. Sie hatte es, sie war so. So wie Du oben schreibst. Lange schon – immer schon? – hat sie mir dies vorgelebt. Sie wurde dafür nicht nur geliebt, dass sie so war wie sie war, dass sie nichts mehr gewollt hat. Ich glaube, sie hat vollkommen nichts mehr gewollt. Und ohne genau zu verstehen warum, fühlte ich mich ihr immer schon unendlich nahe. Jetzt umso mehr.
    Diese Aura war auch in ihrem stillen Totenwacheraum. Vielleicht war es genau das, was mich dort in diesen tiefen Frieden versetzt hat. Eine Ahnung nur … Es war wunderbar dort. Und ich trage es in mir fort. Durch die Tage der Trauer jetzt, und in alle meine kommenden Tage hinein.
    Weißt Du, es berührt mich sehr, dass ich bei Dir diese Worte lese, welche klingen, als schreibest Du von ihr …
    Ich danke Dir, Uta

    1. Ich danke Dir!
      Deine Worte berühren mich. Vielleicht sind wir alle mehr eins, als wir denken und wahrnehmen.
      Für Deinen Abschiedsweg wünsche ich Dir, dass Du diesen Frieden bewahren darfst und er in alles hineinfliesst, bis in Deinen Alltag, bis er alles färbt und durchwebt.
      Herzlich, Maria

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