je älter, je unglücklicher?

Peter, ich danke dir für deine Fragen. Das ist meine Antwort auf deine Kommentare zu Es ist, was und wie es ist.
Aber ich schreibe auch für alle anderen, die hier lesen.

Ja, je mehr ich bewerte, desto unwahrscheinlicher wird das Glück. Ganz allgemein.
(Und Glück ist ja nicht nur, eine Beziehung zu haben. Manch einer, der in einer solchen ist, würde das Gegenteil behaupten ;-))

Es gibt für mich sowas wie zwei Handlungsseiten.
Die eine ist eine kontrollierende, bestimmende. Zumindest meine ich, ich könne alles steuern. Auf dieser Seite ist Bewerten. Ist Eingreifen. Ist mir vorstellen, wie ich es gerne hätte. Ist auch, mir ausmalen, wie schön etwas sein wird. Ist alles in die Wege leiten, damit es so wird. Selbermachen. Ist auch mir vorstellen, wie andere dann reagieren und handeln und entscheiden. Ist planen bis ins kleinste Detail und alles bestimmen wollen. Und sind Enttäuschungen weil: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So gut wie immer.

Auf der anderen Seite ist ein Gewährenlassen. Ein Ja zu dem, was ist. Ein einfaches Betrachten (statt bewerten). Also Aufmerksamkeit und Bewusstsein.
Ich schaue es an und sage, so ist es, ohne zu werten, ob das gut oder schlecht sei. Das kann ich ja nicht wissen, weil ich nicht mein ganzes Leben sehe und nicht die Auswirkungen, die eine Sache wirklich hat.
Und dann kann ich handeln, wenn etwas nicht so ist, wie ich erträumt habe. Gerade so weit, wie ich für mich selbst handeln und entscheiden kann, so weit, wie es in meinen Möglichkeiten liegt.
Nachher muss ich wieder loslassen. Mich vom Fluss des Lebens tragen lassen und schauen, was jetzt passiert.
Wie andere auf mein Handeln reagieren, liegt weder in meiner Verantwortung noch in meinen Möglichkeiten, es zu steuern.

Seit langer Zeit bin ich auf dem Weg, von dieser einen Seite zur anderen. Es ist nicht ein Weg von A nach B, sondern er findet eher in Kreisen statt. Ich bin noch lange nicht fertig damit und es gibt immer wieder eine neue Schlaufe und nochmal eine, wenn ich Details noch immer nicht begriffen und verinnerlicht habe oder wenn ich noch eine weitere Facette dazulerne.
Dieser Weg ist nicht einer, den ich mir einfach so befehlen kann, sondern einer, der langsam in mir wächst. Einer, auf dem ich mich von meinem Inneren führen lasse.

Ich bin viel gelassener geworden. Ich habe erlebt, dass es viel besser kommt, wenn ich es Gott, dem Universum, dem Leben, oder wie du dieses Allumfassende nennen möchtest, überlasse, statt es mit meiner kleinen, begrenzten Sicht selbst in die Hand zu nehmen. Ich bin deshalb nicht passiv (siehe oben).

Ich werde glücklicher und glücklicher, je weiter ich gehe und je älter ich werde. Das heisst nicht, dass ich ständig mit einem Lächeln durch die Gegend laufe, sondern, dass ich die Kraft und das Leuchten in mir immer deutlicher spüre. Ich komme der Liebe immer näher. Und das zeigt sich nicht in einer äusseren Beziehung – eine solche liegt gerade in Scherben – sondern in einem Wachsen nach innen, zu dem Ort in mir, der pure Liebe ist.

Eines Tages, vielleicht gerade dann, wenn du gelernt hast, mit dem Fehlen dessen zu leben, was du dir so sehr wünschst, wird es an deine Tür klopfen.
Ich wünsche dir von Herzen Geduld, Vertrauen und Zuversicht. Bleib dran! Du wirst den Weg finden.
Und wenn mein Schreiben hier ein bisschen Licht bringen darf, so ist es das, was ich mir davon erhoffe und weshalb ich es tue.

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8 Gedanken zu “je älter, je unglücklicher?

  1. Erst mal: Ich habe verstanden, dass mit den Ratschlägen ;-)
    Zweitens: Ich freue mich (wirklich) über Deine ansteckend fröhliche und ehrliche Reaktion. Die Empathie sprudelt aus dem Beitrag nur so heraus.

    Es ist schön, Gedanken mit kompetenten Menschen zu teilen, erzeugt Hoffnung, Zuversicht und: das Wissen – nicht alleine zu sein.

    Zitat (aus dem Artikel):
    „dann kann ich handeln, wenn etwas nicht so ist, wie ich erträumt habe. Gerade so weit, wie ich für mich selbst handeln und entscheiden kann, so weit, wie es in meinen Möglichkeiten liegt. Nachher muss ich wieder loslassen… Mich vom Fluss des Lebens tragen lassen… “

    Diese Darstellung gefällt mir besonders gut – handeln wenn notwendig, aber auch wieder loslassen. Sie spricht den zentralen Bereich der Kognition an!
    – Leider funktioniert die allzuoft in der Theorie am besten.

    Ja es stimmt und ich merke, dass Du schon länger (als ich) auf dem Weg bist.

    Es stimmt auch, dass die Liebe in einem selbst ist und man dies nicht mit einer „äußerlichen“ Partnerschaft verwechseln sollte. Letzlich ist jeder bis an’s Lebensende mit sich allein.
    Doch ist es eine schöne Vorstellung, die Einsamkeit mit einem verstehenden und gleichgesinnten Partner zu teilen. -Auch für Sie da zu sein. Zu zweit allein sein, was für eine schöne Vorstellung!

    Wenn mein Schreiben Dein ausgestrahltes „Licht“ ein wenig verstärkt, es mich durchdringt um anschließend zu reflektieren, so macht es mich froh, auf diesem Blog gelandet zu sein.

    Ich wünsche Dir von Herzen, einen sonnigen Donnerstag und uns noch viele inspirierende Artikel.

  2. Oh, danke sehr! So viele Komplimente auf einen Haufen!

    Kompetent würde ich mich nicht nennen…
    Dass ich länger auf dem Weg bin, spricht ja nicht unbedingt für mich ;-).
    Du hast noch alle Chancen, es ein bisschen schneller zu kapieren :-)

    Frohes Üben! Und das meine ich nicht sarkastisch.

  3. Zitate aus Deinem Artikel:

    „Ich werde glücklicher und glücklicher, je weiter ich gehe und je älter ich werde. Das heisst nicht, dass ich ständig mit einem Lächeln durch die Gegend laufe, sondern, dass ich die Kraft und das Leuchten in mir immer deutlicher spüre. Ich komme der Liebe immer näher“

    „das zeigt sich nicht in einer äusseren Beziehung – eine solche liegt gerade in Scherben – sondern in einem Wachsen nach innen, zu dem Ort in mir, der pure Liebe ist“

    „Eines Tages, vielleicht gerade dann, wenn du gelernt hast, mit dem Fehlen dessen zu leben, was du dir so sehr wünschst, wird es an deine Tür klopfen.“

    ::::
    Hallo Maria, was träumst und wünschst Du so sehr?

    – in Dir ist m.E. so viel Weisheit – müssen wir lernen auch mit Enttäuschungen umzugehen?

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