Pendel

Ich glaube, ich habe allgemein Schwierigkeiten, Veränderung von schönen Sachen zu akzeptieren. Das Schöne geht vorbei. Ich möchte es festhalten und wiederholen. Insbesondere in Beziehungen.
Ich denke immer, es müsste besser und schöner und tiefer werden, mit jedem Mal, aber das ist nicht möglich.
Ich folgere also, dass etwas kaputt gegangen ist oder nicht mehr stimmt, wenn es nicht besser wird, aber das ist falsch.

(Das wäre etwas, was man in Bezug auf Wirtschaft auch so formulieren und durchdenken könnte.)

Wenn Distanz spürbar ist, hab ich Angst, es könnte nie mehr so werden, wie es einmal war. Ich glaube nicht daran und vertraue nicht, dass der nächste Sommer bestimmt kommt. Ich fühle mich gedrängt, etwas zu tun, damit die Distanz sich verringert oder verschwindet. Oder ich resigniere.

Es ist normal und natürlich und ein ewiges Gesetz, dass das Pendel auch in die andere Richtung schwingt. Dass es ein Atmen ist. Ein und aus. Wir begegnen einander und entfernen uns wieder.

Ich möchte das Pendel festhalten. Aber dann könnte nichts mehr schwingen.
Loslassen bedeutet, auch die Möglichkeit eines „nie mehr“s in Betracht zu ziehen, denn das Pendel schwingt zwar zurück, aber nicht mehr an die gleiche Stelle. Wir steigen täglich in denselben Fluss, aber es ist nie das gleiche Wasser.

Mir fällt solches Loslassen schwer, so lange ich nicht vorbehaltlos auf ein anderes, neues „wieder“ hoffe und vertraue.
Das Dumme ist nur, dass solches Vertrauen eben nur mit dem Loslassen und Erleben wächst, dass das Schöne wieder kommt. Anders.

5 Gedanken zu “Pendel

  1. Das, was Du beschreibst, ist – denke ich – ein Problem, das wir Frauen haben. Wir wollen die Nähe, Tiefe erhalten (im Sinne von beibehalten). Männer schwingen leichter hin- und her zwischen Nähe und Distanz. Sie kämen aber nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmt oder etwas verlorengegangen ist, nur weil vorübergehend eine (unspürbare) Distanz in der Beziehung herrscht.
    Wir Frauen stellen dann gleich alles in Frage, Männer lieben einfach weiter.

  2. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, was es denn ist, das das Gefühl von „Distanz“ auslöst, bzw. gleich auch noch in Form des Leidens an ihr.

    Tritt es auf, wenn der Partner etwas alleine / mit anderen macht?
    Wenn deutlich wird, dass ihm sein Hobby, seine Arbeit oder was auch immer grade wichtiger ist ? Wichtiger als ICH mit meinen aktuellen Anliegen und Gesprächsbedürfnissen?

    Oder tritt es schon auf, wenn er eine andere Meinung hat und trotz Diskussion auch dabei bleibt? Oder nur, wenn er Anderen vermeintlich „zu nahe“ kommt?

    Was du liebst, das lasse frei – ein wunderbares Rezept, das zugegeben nicht immer leicht anzuwenden ist. Es wird aber umso leichter, je mehr wir bemerken, dass das“Zuhause“, das Glück, das „wunscherfüllende Juwel“ letztlich sowieso nicht vom Anderen zu beziehen ist. Wir finden es in uns selbst – durchaus auch auf dem Weg durch manch grandioses Scheitern.

    Diese Nähe, Wärme, Liebe, die wir so gerne für immer „gesichtert“ hätten, ist tatsächlich jederzeit verfügbar. Wir müssen nur anfangen, uns als Gebende zu verstehen, nicht als Suchende, denen etwas fehlt.

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