still und leise

Es ist still geworden hier. Ich weiss. Gerne würde ich meinen Weg mit euch teilen, aber das ist oft nicht möglich weil es Rundumerklärungen, die ganze Geschichte, brauchen würde um zu sagen, was ich sagen will. Und das geht nicht. Da sind andere Personen involviert und ich habe grosse Scheu, Details zu schildern, auch wenn ich weiss, ich schreibe anonym. Es gibt doch ein paar Leute, die hier lesen und mich kennen. So viel ich vor ihnen auch laut sagen könnte, so viel kann ich schreiben.

So versuche ich nun, den roten Faden irgendwie wieder zu finden.
Das Thema Erwartungen begleitet mich noch immer. Ich übe mich darin, nichts zu erwarten und meine Wünsche zwar zu haben und dem Himmel anzuvertrauen, aber darüber hinaus nicht festzuhalten. Das ist besonders dann schwierig, wenn ein eintreffendes Ereignis durch mehrfache Äusserungen schon mit Vorstellungen „aufgeladen“ ist. Wenn man Dinge auf einen bestimmten Zeitpunkt verschiebt: „Das machen wir dann, wenn…“ So in der Art.
Sehe ich das Ereignis auf mich zukommen, sind alle diese Bilder da. Ich weiss zwar, dass ich loslassen soll, nicht erwarten soll. Ich bete sogar, es möge nicht eintreffen, wenn es noch nicht Zeit sei dafür. Dann trifft es ein und nichts von diesem Aufgeschobenen passiert.

Auf meinem Kalender lese ich:

Das Wesen des Gebets besteht nicht darin, dass wir etwas von Gott begehren, sondern dass wir unsere Herzen Gott öffnen.
Sadhu Sundar Singh

Habe ich also falsch gebetet? Hätte ich sagen sollen: Gott, mach mein Herz offen für das, was kommt, auch wenn das, was kommt, nichts ist?

Vielleicht hätte ich das können, wenn ich geistesgegenwärtig genug gewesen wäre.
Aber da sind meine Muster, die ablaufen, ohne, dass ich ihnen mehr entgegenhalten könnte, als im Nachhinein die Erkenntnis, dass es wieder passiert ist.
Da hilft meiner Erfahrung nach nur das Zugeben, dass ich nichts ändern kann. Dieses Eingeständnis weicht etwas auf in mir. Es ändert still und leise meine inneren Bedingungen, mit denen ich das nächste Mal auf einen solchen Moment zugehen werde.

Eine Frage bleibt doch: Ist Vorfreude etwas, was Enttäuschungen provoziert?

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18 Gedanken zu “still und leise

  1. Wenn man das Wort „Erwartungen“ mit „Wünschen“ ersetzt, ändert sich viel. Man wird weniger enttäuscht.
    Was das Blogschreiben angeht: Ich finde es immer eine besonders reizvolle Herausforderung, über etwas zu schreiben, ohne das Persönliche vollständig preiszugeben. Manchmal ist es dann eben nur ein Satz, aber was für einer ☺
    Ich freue mich immer, bei dir zu lesen.
    Petra

  2. Durch einen “ Ego“ freien Wusch. Du wünscht und lässt los. Es lässt sich nicht erdenken, nicht durch Willen erzwingen.
    Alles was kommt geht von uns aus, manchmal benötigt es ein wenig Zeit bis wir es verstehen.
    Ich weiß nur zu gut, wovon ich hier schreib.-)

  3. Manchmal, wenn ich einen Kurs gebe, sagen die Teilnehmer: „Ich erwarte von dem Kurs, dass…“ Dann spüre ich einen Knoten in mir, einen Druck, einen Widerstand.
    Deshalb frage ich nun immer: „Was wünscht Ihr euch vom Kurs?“ Wenn dann so ein Satz kommt: „Oh, ich wünsche mir, ich könnte am Schluss vielleicht…“, dann habe ich eine Riesenlust. Denn es steckt hinter dem Wunsch kein Druck, Und Wünsche erfüllen macht mir mehr Spass, als den Erwartungen entsprechen zu müssen.
    Aus dieser Erfahrung habe ich auch für mich gelernt, lieber zu wünschen, als zu erwarten :-)

    1. Oh, danke, damit kann ich schon mehr anfangen.

      Ich beobachte, dass ich es zwar als Wunsch formuliere, weil ich weiss, dass wünschen besser als erwarten ist, aber wenn ich dann enttäuscht bin von etwas, merke ich, dass es trotzdem eine Erwartung war. Ich kann es nicht wirklich steuern.
      Ich hoffe nur, dass ich jedes Mal wacher und offener reingehe und immer mehr lerne, zu wünschen, statt zu erwarten.

  4. und wenn man das Wünsche auch loslässt und einfach vertraut, dass es richtig ist so, wie es genau jetzt ist? Wenn man nicht das Leben sich zur Verfügung wünscht, sondern sich dem Leben zur Verfügung stellt, bedingungslos?

    1. Ist das einfach? Für mich nicht.
      Du bist nicht die erste, die mir das genau so erklärt. Ich glaube, loslassen ist eins der grössten Geheimnisse und Aufgaben des Lebens. Und eine der schwersten.

      1. Ich glaube, es ist ab einem gewissen Punkt völlig einfach. Aber da bin ich noch nicht. In den Vogesen, da im August, da war Tiefe und Weite geschenkt, Menschen auch, die wohl seit vielen Inkarnationen üben, da durfte ich ahnen. Und ich glaube, die Liebe ist das tiefste Übfeld überhaupt, denn lieben ohne irgend etwas zu wollen und zu erwarten, boah….

        1. Ja, genau. Ich durfte ja dieses Jahr im Frühling auch eine tiefe Stille-Erfahrung machen. Aus dieser Stille war es wirklich einfach. Leider kann man dort nicht bleiben. Oder halt nur durch üben, üben, üben.

          Danke für Dein Hiersein und Schreiben, für Deine Gedanken. So wird das Teilen zum Wachsen. :-)

  5. Bei all der Stiele, den üben üben üben, nicht das Lachen vergessen, Loslassen ist Freude. Wasser welches erst gestaut und dann befreit den Berg runterfließt, schlängelt sich fröhlich und lebendig seinen Weg und nach einer Zeit findet es das Meer.
    Mach dich zum Fluß, nicht zum Kanal.-)

    1. Vielleicht hätte ich Leere sagen sollen. Da war ein volles, mit tiefster Heiterkeit angefülltes, riesiges Nichts in mir. Es war leicht. Lieben und Leben war leicht und schön. Ohne den ganzen Klimbim, den wir sonst so dranhängen. Loslassen war leicht und schön. Halt nur kurze Zeit. Schleichend kam der Alltag wieder.

  6. Das ist ja, was ich meine. Im Alltag mehr die Freude entdecken, besser ihn zur Freude machen.
    Im Alltag loslassen, auf dem Weg zur Arbeit, im Bus, wo auch immer.
    Mir hilft es wertfrei zu betrachten, was mich davon abhält, wertfrei!!

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