Beim ersten Mal ist alles anders

Bevor ich zum Thema komme, möchte ich euch für eure Treue danken. Ich staune immer wieder, wie viele Menschen hierher klicken, obwohl ich seit Wochen nicht geschrieben habe.
Im Moment fühle ich mich nicht imstande, euch etwas mit zu geben, was euch inspirieren könnte. Es gäbe viel zu sagen, zu erzählen, nachzudenken aber es wäre zu persönlich. Ich denke darüber nach, wie viel vom dem, was mich beschäftigt, ich hier sagen kann, darf und möchte. Ich habe nicht mehr dieselbe Unbekümmertheit wie in den Anfangszeiten und damit wäre ich auch schon beim Thema dieses Beitrags.

Vor ein paar Tagen war ich mit meinen Kindern zum ersten Mal auf einer Bobbahn. Einer, von der man sagt, dass man mit dem Schlitten nicht aus der Bahn fallen kann, egal, wie schnell man fährt. Also fuhr ich. Schnell. Es hat Spass gemacht, genau mit dem richtigen (dosierbaren) Quäntchen Flattern im Bauch.
Auf dem Weg zur zweiten Runde, sprachen wir über Geschwindigkeit und das Rausfallenkönnen und mein Sohn meinte, man könne eben schon rausfallen, wenn man zu schnell fährt.
Meine zweite Fahrt war langsamer und hat auch weniger Spass gemacht.

Das geht mir doch im Leben genau so. Wenn etwas neu ist, dann gehe ich mit einer Unbekümmertheit und frischen Neugierde, mit einer freudigen Erwartung an die Sache ran. Ich handle intuitiv, konzentriert und bin präsent.
Beim zweiten Mal weiss ich, was mich erwartet. Der Verstand schaltet sich ein. Ich denke zu viel darüber nach. Die Freude nimmt ab. Oder ich trauere der Frische des ersten Mals nach. Sehe nicht, dass zweite und dritte Male eine ganz andere Qualität haben.

Ich möchte lernen, beides miteinander zu vereinen. Jedes Mal wieder mit neuer Frische und Unvoreingenommenheit auf etwas zugehen, meine Erfahrungen als Möglichkeiten im Gepäck, wissend, dass sie mir nur helfen werden, meine Reflexe fit zu halten, niemals aber das freie Fliegen ersetzen können.
Das Leben ist wie eine Improvisation. Man kann zwar Musiktheorie studieren, in- und auswendig, aber wenn man spielt, dann muss die Melodie von innen kommen, tief aus dem Herzen, mitfliessend, mit dem, was die anderen Musiker spielen, mitfliessend mit Tempo und Tonart, mitfliessend mit dem Fluss des Lebens und nicht immer musiktheoretisch erklärbar, warum etwas scheinbar Richtiges falsch ist.

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5 Gedanken zu “Beim ersten Mal ist alles anders

  1. Maria,

    die Inspiration, ein Indikator der Freiheit!

    Oft werden wir durch unser erlerntes , anerzogenes Verhaltensmuster aus der Bahn geworfen. Der Geist will anders, der Zensor versucht jedoch alles außerhalb seines kleinen Radius niederzumetzeln. Du entsprichts nicht dem selbst auferlegten Ideal?: Nieder mit Dir, auf den Boden.

    Alle Selbstzweifel sind Wegweiser in die Freiheit. Ein bisschen Mut und Vertrauen, unser Leben ist dazu bestimmt glücklich und zufrieden das Hiersein zu kosten. Irgendwann ist der Gedanke da: Ich kann es mir wieder leisten Kinderträume zu leben.
    Ich denke an Dich,

    P.S. Mailadresse?

  2. es ist nicht nur die Unbekümmertheit, es ist auch die Abnutzung durch das viele Schreiben im Blog, weil doch viele Themen bereits zum wiederholten Mal, bereits geschrieben wurde. Ein roter Faden ist eine Verbindung, von einem Anfang über eine Mitte bis zum Schluss auch wenn er unterbrochen wird, kann man immer wieder anknüpfen ohne Ende.
    Als knüpf einfach an und mache einen Knoten und es geht wieder weiter.
    Liebe Grüsse zentao

    1. Doch, es hat schon mit Unbekümmertheit zu tun. Ich mache privat eine nicht ganz einfache Zeit durch. Wieviel davon ich hier teilen kann, bleibt immer wieder eine Frage. Zunehmend entscheide ich mich dagegen, weil die Anonymität auch zu zu grosser Nähe verleitet, die man einander im richtigen Leben gar nicht geben könnte (und wollte). Ich kann mit der anschliessenden Leere, weil ja die Kontakte nicht greifbar sind, nicht umgehen. Man teilt das Schwere und hängt trotzdem, so verletzlich gemacht, in der Luft, wenn niemand reagiert. Es gibt auch das andere. Schöne Brieffreundschaften entstehen. Aber diesen sende ich ja dann meine Geschichten persönlich.

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