Das Geheimnis

Die geistige Welt ist unseren Sinnen nicht zugänglich, und dem Verstand auch nicht. Um miteinander zu teilen, einander zu erzählen von unserem Erleben, nehmen wir Bilder zu Hilfe. Wir brauchen Worte, die im Grunde das nicht beschreiben können, was wir sagen wollen. Was wir sagen, bleibt immer eine Übersetzung, eine Übertragung.

Alle Religionen haben ihre eigenen Bilder und Worte gefunden. Manchmal spüren wir, dass ein anderer genau das gleiche meint, aber ein anderes Bild zu Hilfe genommen hat, sein Erleben zu teilen. Wir bleiben alle Suchende und Gott bleibt der Unfassbare.

Wenn wir etwas begriffen, etwas erkannt haben, uns ein Licht aufgegangen ist und wir etwas Wichtiges gelernt haben, möchten wir unsere Freude weitergeben weil wir wissen, wir sind Beschenkte und wünschen, dass andere es genauso sein mögen.
Wo unsere Worte in ein offenes Herz fallen, dürfen sie etwas bewegen und anrühren, vielleicht sogar weiterhelfen und erleichtern.

Das Wichtige an diesen Bildern sind nicht die Details, nicht die Bilder selbst, sondern das, was sie transportieren.

Wenn ich zum Beispiel nicht weiter weiss und dieses Am-Ende-Sein Gott anvertraue, ihm vertraue, dass er weiter weiss und mich da hin führt, dann ist das ein Bild. Ein Bild, das eine ganz bestimmte Haltung in meinem Herzen „macht“. Ich lasse los. Ich mische mich in etwas nicht mehr ein. Ich halte an. Ich vertraue. Das bedeutet, ich denke über dieses Aufgeben nicht negativ, sondern mit der inneren Sicherheit, dass es richtig ist und gut kommt.

Es ist zweitrangig, ob es Gott so gibt, wie ich es mir vorstelle, ja, ob ich mir überhaupt eine Vorstellung von ihm mache. Es ist aber wesentlich, dass ich von mir weg sehe. Dass ich das, worin ich nicht weiterkomme, etwas Höherem anvertraue.
In diesem Moment mir selbst zu vertrauen ist richtig und wichtig und gut. Aber es ist nicht alles. Ich bin ja gerade am Ende. Am Ende von dem, was ich mir auch über mich selbst vorstellen kann. Am Ende meiner bisher bekannten Möglichkeiten. Ich brauche Flügel. Flügel, die mich heraustragen aus der Unmöglichkeit. Flügel, die mich hineintragen in mein Innerstes, auf meinen Grund. Dorthin, in die Stille, wo Gott in mir wohnt. Es ist ein mich Ausstrecken nach innen und aussen zugleich.

Und weil ich über mich selbst hinaus und in mich selbst hinein wachsen muss, um weiterzukommen, vertraue ich Gott. Weil er das ist, was ich nicht fassen kann. Weil er immer grösser ist. Weil er das Geheimnis ist. Weil diese Vergleiche und Bilder und die Sprache, die ich dafür habe, das Geheimnis Gottes transportieren können, so, dass mein Herz versteht und das Richtige tut.

Ich vermag das meiste davon nicht wirklich auszudrücken. Aber vielleicht können meine unbeholfenen Worte dennoch mitteilen, was ich meine.

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30 Gedanken zu “Das Geheimnis

  1. “ Es ist aber wesentlich, dass ich von mir weg sehe. Dass ich das, worin ich nicht weiterkomme, etwas Höherem anvertraue.
    In diesem Moment mir selbst zu vertrauen ist richtig und wichtig und gut. Aber es ist nicht alles. Ich bin ja gerade am Ende. Am Ende von dem, was ich mir auch über mich selbst vorstellen kann. Am Ende meiner bisher bekannten Möglichkeiten. Ich brauche Flügel. Flügel, die mich heraustragen aus der Unmöglichkeit. Flügel, die mich hineintragen in mein Innerstes, auf meinen Grund. Dorthin, in die Stille, wo Gott in mir wohnt. Es ist ein mich Ausstrecken nach innen und aussen zugleich.“
    Warum vertrauen wir das, worin wir nicht weiterkommen nicht uns selbst an?
    Vielleicht müssen wir einfach das Göttliche in uns selbst anerkennen, alles was wir suchen ist wonöglich in uns, war nie fort und bleibt ewig.
    Da wir allerdings in der Dualität leben, trennen. Das was wir suchen ist die Einheit und die denke ich liegt ganz allein in uns. Ob wir diese Einheit Gott, ich oder Buffha nennen ist tatsächlich egal., ebenso ob wir eine Religion daraus basteln.
    Die geistige Welt kann unseren Sinnen offen sein, wenn wir offen und breit dafür sind.
    Ein Ende ist immer auch ein Anfang!

    1. Danke für Deine spannenden Gedankenanstösse!

      „Warum vertrauen wir das, worin wir nicht weiterkommen nicht uns selbst an?“

      Du kannst es so nennen, wenn Du willst, und wir meinen vielleicht dasselbe.

      Ich benötige das Bild von etwas Höherem, als dem, was ich von mir selbst wahrnehmen kann. Es muss grösser sein als mein wahrnehmbares Ich, damit ich über mich hinaus wachsen kann und mein Bild von mir erweitern kann. Ob ich das Gott nennen, oder den göttlichen Teil von mir, oder was auch immer, wichtig ist nicht das Bild, sondern die Haltung, die es erzeugt.

      Wachstum hat für mich immer die Komponente der Demut, der Gnade in sich. Die Vorstellung, eine Haltung der Demut und Hingabe, ein Anvertrauen meines ganzen Wesens und Seins, mir selbst gegenüber zu entwickeln, fällt mir schwer und fühlt sich für mich mehr nach Kreisen um mich selbst an, als nach Wachstum.

      Das sind meine Bilder.

  2. Danke, Maria.
    Es gibt so viele und keine Worte für dieses unendliche Geheimnis. Ich spüre dein Berührtsein in den deinen. Danke, dass wir uns gegenseitig immer wieder zeigen dürfen, was wir verstehen, ahnen, verlieren, lieben, werden, sehen und loslassen.
    Ich gehe jetzt schlafen. Ich habe gestern und heute so viel geweint, bin jetzt ausgelaugt. Aber es ist jetzt auch wieder etwas rein gespült, hoffe ich.
    Lieben Gruss, bis glii!
    Gabriela

  3. Jetzt noch einmal (gefunden) mit „Lesebrille“ getippt .-):
    Vielleicht müssen wir einfach das Göttliche in uns selbst anerkennen, alles was wir suchen ist womöglich in uns, war nie fort und bleibt ewig.
    Da wir allerdings in der Dualität leben, trennen wir die Dinge . Das, was wir suchen ist die Einheit und die denke, die liegt ganz allein in uns. Ob wir diese Einheit „Gott“, ich oder Buddha nennen ist tatsächlich egal., ebenso ob wir eine Religion daraus basteln.
    Die geistige Welt kann unseren Sinnen offen sein, wenn wir offen und bereit dafür sind.
    Ein Ende ist immer auch ein Anfang! Wir müssen uns selbst vertrauen lernen.

    1. Du nimmst andere Bilder. Aber ich glaube, wir meinen das gleiche.
      Ich bin sehr dankbar für jede andere Sicht. Jeder von uns kann nur immer einen Teil wahrnehmen. Zusammen ergibt sich das ganze Bild. Ein Vergleich kann niemals alle Facetten „abdecken“.

      Danke für Deine Kommentare!

  4. Mach mal einen Versuch, stell dich an eine Stelle in deiner Wohnung die dir am liebsten ist, schließe die Augen und stell dir vor was du bist, wie weit du reichst, wo du anfängst und aufhörst

    1. Nach meinem allerersten Zen-Abend spürte ich auf einmal, dass ich nicht da aufhöre, wo mein Körper aufhört.
      Das ist seither mein „normales“ Gefühl. Ich könnte nicht sagen, wo ich aufhöre. Die Grenze fühlt sich fliessend an.

  5. „Wachstum hat für mich immer die Komponente der Demut, der Gnade in sich. Die Vorstellung, eine Haltung der Demut und Hingabe, ein Anvertrauen meines ganzen Wesens und Seins, mir selbst gegenüber zu entwickeln, fällt mir schwer und fühlt sich für mich mehr nach Kreisen um mich selbst an, als nach Wachstum. “

    Ja, die Kreise sind eine schöne Beschreibung, es ist aber eher ein Labyrinth:
    http://www.wieobensounten.de/diff/chartres.html

    1. Ich weiss es nicht. Vielleicht nur in meiner Vorstellung.
      Bis zu jenem Abend vor gut drei Jahren dachte und spürte ich, dass ich da aufhöre, wo mein Körper aufhört. Aber seit da hat sich das verändert. Ich könnte nicht sagen, wo ich aufhöre. Vielleicht gar nicht. Ich spüre die Grenze nicht, könnte aber nicht sagen, dass ich mich als grenzenlos wahrnehme.

    1. Ich lebe in einem Körper und somit irgendwie zwischen Himmel und Erde, zwischen Materie und Geist, um wieder Bilder zu Hilfe zu nehmen.
      Der Körper hat eine Grenze. Die Psyche auch. Schon weniger. Der Geist nicht.

  6. „Und weil ich über mich selbst hinaus und in mich selbst hinein wachsen muss, um weiterzukommen, vertraue ich Gott. “
    dann könnte dieser Satz auch so lauten:
    Und weil ich über mich selbst hinaus und in mich selbst hinein wachsen muss, um weiterzukommen, vertraue ich mir.

    1. Muss heissst für mich: Dringendes Bedürfnis, dringender Wunsch. Oder ähnlich. Nichts von Müssen im Sinn von Pflicht oder Zwang oder ähnlich.

      Apropos müssen: Ich muss jetzt schlafen gehen.

      Herzlichen Dank für Deine wertvollen Gedanken!
      Ich werde den Dialog nochmals lesen und mir die Anstösse rauspicken und weiterdenken und -spüren.

      Gute Nacht und liebe Grüsse
      Maria

  7. Ich finde Ramana Maharshi beschreibt es sehr schön, lese gerade ab und an in einem Buch über/genau genommen von ihm, es heißt „sei was du bist“.
    Die Frage ist, ob wir überhaupt wirklich dahin wollen, wo wir hingehen können.
    Ich persönlich setze mir Grenzen, so wie du deine auch beschreibst.

  8. „Der Körper hat eine Grenze. Die Psyche auch. Schon weniger. Der Geist nicht.“
    Walle leben über 300 Jahre, wenn sie nich stranden.
    Ich würde die Psyche wohl mit dem Ego vergleichen, er ist begrenzt. Körper und Geist könnten grenzenlos sein

  9. Boah, was ist denn hier los, kommentarmäßig :)
    Lese ich alles später – danke für diese spannenden Gespräche, ich ziehe da immer so viel heraus, auch wenn ich schweigend wieder gehe.
    Und Dir, liebe Maria, wollte ich nach dem Post eigentlich nur sagen, dass Du das sehr wohl auszudrücken vermagst, wie ich finde, und dass ich es ganz ergriffen gelesen habe. Mich wiederfinde, weitergehen kann, wenn mir solche Wortgeschenke begegnen … nur das wollte ich sagen.
    Ich grüße Dich herzlichst in den Sonntagmorgen hinein und mache nun dringend an meinem Schulschreibtisch weiter (morgen ist Notenschluss)
    Uta

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