Loslassen

…ist nicht immer gleich einfach. Warum nur?
Da hab ich gerade ein Erlebnis, wie leicht und angenehm die Wanderung ohne Gepäck ist, um im nächsten Augenblick all die Steine wieder aufzuladen.

Manchmal frage ich mich, ob man inneres Erleben überhaupt mitteilen sollte, weil es ja doch grad wieder anders ist, und oft denke ich, zum Trotz. Kaum habe ich eine neue Errungenschaft freudestrahlend mitgeteilt, kommt sie mir sogleich wieder abhanden. Ganz oder zum Teil. Der Weg ist nie geradlinig, obwohl ich das so gerne hätte.

So versuche ich nun, erneut loszulassen, was ich wieder an und auf mich genommen hatte. Ich stehe eine Weile still, schichte Stein um Stein aufeinander, dekoriere mit Blumen vom Wegrand und dann trete ich einen Schritt zurück und verabschiede mich. Im Zurücksehen grüssen mich viele solcher Steinmale. Sie verlieren Kontrast, sind nur noch Silhouette, je entfernter sie sind. Sie begleiten mich weiter, wie Schutzgeister und Wegweiser, und bleiben doch, wo sie sind.

Ich drehe mich um, gehe weiter, sehe voraus, oder nicht, aber ich gehe. Weiter.

Wenn ich nur wüsste, womit und wodurch ich es anstellen kann, dass ich jene innere Melodie nicht aus den Ohren verliere, von ihrem Klang umgeben bleiben, handeln und leben kann.
Vielleicht ist das nicht erdenmöglich.

Bild: Didier Derrien / pixelio.de
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14 Gedanken zu “Loslassen

  1. Der letze Satz drückt es wohl aus. Die innere Melodie, von der du sprichst ist bestimmt immer vorhanden, aber ihre Schwingung ist sehr hoch und im Leben schaffen wir es immer nur für eine kurze Zeit diese Töne zu hören. Ich bin ganz froh darüber, drum liebe ich den Fussball. Er ist so erdnah:-) und dadurch das ein Leben nicht geradlinig verläuft, erleben wir unsere Abenteuer.
    Wenn wir es so nehmen, hören wir immer öfter die innere Melodie.

  2. Mir geht es oft ganz genauso wie dir. Ich halte das für sehr „normal“… Dafür sind wir Menschen… menschlich… mit Schwächen und Stärken, heute so und morgen so… Jeder Tag, jede Stunde ein neues Geschenk mit neuen Möglichkeiten… keine Sekunde ist so wie die vorher… Ich finde das wunderbar…

    1. Ja, es ist normal, das weiss ich. Trotzdem habe ich noch Mühe damit. Vielleicht am meisten mit dem Aspekt, dass mitgeteilte „Fortschritte“ oft am schnellsten wieder wie weggeschmolzen scheinen, als ob man für das Mitteilen bezahlen müsste.

  3. ich denke auch in die Richtung von „innesein“. Wenn wir von einer dualen Welt ausgehen, sind Erfolg ist Mißerfolg die selbe Sache. Beides kann es ohne sein Gegenüber nicht geben.
    Diese Feststellung kann uns die Wertung ersparen, aber wollen wir das wirklich?
    Wollen wir ohne Wertung leben?
    Wir sagen nicht, „oh ist es Wetter heute“, sonder „oh es ist kälter geworden“.
    Unser Sitznachbar empfindet die Temperatur aber unverändert. Wir werten und Bewerten in jeder Sekunde, am meisten uns selbst.
    Daher empfindest du ein Wegschmelzen deiner Fortschritte, aber du selbst gibst die Schmelztemperatur vor.
    In der Anerkennung und Akzeptanz der Ursachen könnte der Schlüssel liegen.
    Was macht „grün“?

    1. Ich erinnerte mich, dass ich einmal eine hellgrüne Jacke hatte. Sehr schön. Leider gibts im Moment keine Kleidungsstücke in diesem Grün, oder fast keine. Stoff auch nicht. Vielleicht im Frühling. Ich stell dann ein Foto rein ;-) Jedenfalls gefällt mir grün im Moment sowieso gut, hab ich festgestellt.

      Wir werten, ohne Zweifel, und das ist nicht nur schlecht, schliesslich müssen wir überleben.

      Ob dieses Licht, die Melodie spürbar ist, oder nicht, ist in dem Sinne aber keine Wertung, sondern Feststellung. Wertung ist erst, wenn ich das als Rückschritt bezeichne, was ich nicht tue. Nicht mehr.

      Ich habe mich nur gefragt, wie man es anstellt, das Lied ständig zu hören und ob das auf dieser Erde überhaupt möglich ist. Die Frage kommt aufgrund einer Wertung, klar. Nämlich Lied hören = gut. Lied nicht hören = nicht gut.

      Alle Tage Sonnenschein wäre es, wenn man das Lied immer hörte, und ob das dann gut, im Sinne von förderlich für inneres Wachstum ist, weiss ich nicht.

    1. Dann ist es. Denn es nicht zu denken, geht nicht. Wenn man denkt, man will es nicht denken, denkt man es schon. Aber, wenn die Gedanken erst gar nicht da sind…..

      Immerhin bin ich schon auf dem Weg, die Gedanken still werden zu lassen, gaaaaaaaaaanz langsam…

  4. Hatte heute zu dem Thema ein Gespräch mit einer Heilpraktikerin. Viele Menschen wollen die Stille, b.z.w. still werden und suchen z.B. im Buddhismus.
    Aber wir können ganz still im Leben werden, es nennt sich dann Tod.
    Für mich ist es wichtig geworden die Gedanken zu sortieren, wie die Ablage auf dem Schreibtisch und einzelne Gedanken länger zu betrachten.
    Die Gedanken kommen uns ja nicht einfach so, sie haben immer etwas zu erzählen.
    Aber leider haben wir oft Panik vor bestimmten Gedanken und die sind dann wie die Geschichte mit dem rosa Elefanten an den wir nicht denken sollen.
    Ich meine wir sollten unseren Gedanken mehr Aufmerksamkeit zollen und uns im einzelnen mehr mit ihnen beschäftigen, dann werden es automatisch weniger und weniger und weniger und es entsteht so etwas wie Stille .
    Übrigends schön das man über deinen Text soviel nachdenken kann.-)

  5. Hallo Sie
    Gedankenvolle Dinge bei ihr fielen mir auf

    “ Denn es nicht zu denken, geht nicht “ so ist es wohl …

    ich dacht – kann Denken unterbinden
    leg mich hin – um Nichts zu finden
    träumte einen leeren Traum
    auch gedacht – ich glaub es kaum

    Loslassen die Dinge welche man liebt – Wehmut wird bleiben ?
    Loslassen die bedrückenden Dinge – zu oft zurück kehren sie ?

    Wünsche ein frohes Fest
    Gruß

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