Schaukelgedanken

Eine halbe Stunde lang hab ich abwechselnd zwei kleine Mädels, die bis zu den Sommerferien jeweils die halbe Woche da sind, auf der Schaukel angeschoben. Sie sangen. Ich dachte nach und war.

Die Kinder sind meine wichtigste Aufgabe. Und dadurch, dass ich nun doppelt so viele habe, kümmere ich mich plötzlich anders um meine beiden, bin präsenter, konsequenter und zielgerichteter. Das könnte ich doch auch, wenn sie allein sind. Nur: Dann bin ich unterfordert. Ich könnte die Aufgabe ausbauen. Vieles selbermachen. Nähen. Basteln. Deko. Backen. Mehr spielen mit ihnen.

Das alles ist nicht mehr mein Ding, mein Leben. Es sind nicht mehr meine Leidenschaften. Es ist nicht mehr mein Plan. Mein Familienschiff. Mein Zuhause. Mein Projekt. Ich bin anderswo angedockt, irgendwie. (Ich weiss noch nicht, wo.) Und gerade deswegen könnte ich doch einfach hier sein, mit ganzem Sein und Wesen und doch losgelöst davon.

Die Zeit, die ich hier lebe, gehört mir nicht wirklich. Ich lebe sie nicht für mich. Gerade deshalb kann ich doch einfach mit ganzer Seele hier sein, wo ich bin, ohne, dass mir etwas abgeht dabei. Vielleicht finde ich jetzt zu jener Hingabe, die ich mir immer wünschte, leben zu können. Jene Hingabe, die nicht von Applaus oder Anerkennung lebt, sondern aus sich selbst und aus Liebe. Eine Hingabe, die alles schenkt, nichts verliert, aber sich auch nicht verausgabt bis zum Umfallen.

Ja, dahin möchte ich gerne. Das habe ich jetzt begriffen. Und dieser Gedanke ist der Anfang, in dem die Vollendung schon enthalten ist. Der Weg wird zum Ankommen und nicht nur im Vorbeigehen gelebt.

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3 Gedanken zu “Schaukelgedanken

  1. „Die Zeit, die ich hier lebe, gehört mir nicht wirklich. Ich lebe sie nicht für mich. Gerade deshalb kann ich doch einfach mit ganzer Seele hier sein, wo ich bin, ohne, dass mir etwas abgeht dabei.“

    Das hat mich berührt und sofort ein altes Kirchenlied in meinem Kopf zum Klingen gebracht – wir sind nur Gast auf Erden….und das enthält eine tiefe Wahrheit. Schön wie Du das entfaltet hast, ich hab gerne mitgeschaukelt :)

    Liebe Grüße
    Giannina

  2. und vielleicht entdeckst du einmal, das du in deinen Platz reingewachsen bist und merkst plötzlich das du ganz einfach glücklich bist. wie schön :)

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