Vom Preis der Bequemlichkeit

Bei Dirk Henn könnt ihr einen guten Artikel von Leo Babauta zum Thema Bequemlichkeit und ihre Folgen lesen.

Er schreibt davon, dass sich die Gesellschaft in den letzten hundert Jahren vorallem Richtung Bequemlichkeit entwickelt hat und zählt auf: Waschmaschinen & Wäschetrockner, Mikrowelle, Computer, die Internet-Revolution, Fastfood, Agrobusiness, Tiefkühlkost, Geschirrspüler, Maschinen und Modernisierungen aller Art.
Das hat ökologische Folgen, soviel ist uns allen klar. Was mich mehr fasziniert hat, und in eine ganz andere Richtung denkt, sind diese Worte:

Es ist unbequem, feuchte Wäsche auf den Ständer zu hängen, aber es hat auch eine sympathische und wohltuende Seite und es ist nachhaltig. Einen kleinen Hausgarten zu haben ist nicht so angenehm und bequem, wie sich auf die Produkte des Agrobusiness zu verlassen, und doch ist es den Preis der Unbequemlichkeit wert.
Laufen, Radfahren und die Nutzung des Öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sind nicht so bequem. Doch es kann uns Freude und Genugtuung bereiten und es ist nachhaltiger, als weiterhin aufs eigene Auto zu setzen.

Ja! Genau das ist es doch, was wir vermissen und uns in steter Unruhe treibt, weiter, höher und schneller was auch immer zu tun. Die ganze Wirtschaft ist auf dieser Steigerung aufgebaut. Alles muss besser und preiswerter und – eben: schneller, höher, weiter… sein.

Wir vergessen, dass diese permanente Steigerung an den ewig gültigen Gesetzen des Universums vorbei geht. Es gibt ein Ein- und Ausatmen. Es gibt den Tag und die Nacht. Ebbe und Flut. Winter und Sommer. Geboren werden und Sterben. Nichts davon ist für Ewigkeiten ausschliesslich dem Wachstum unterstellt. Es gibt, wie bei einem Pendel, die entsprechende Gegenbewegung. Es gibt Feste und Alltag, und nach dem Prinzip von Saat und Ernte kommt der Alltag vor dem Fest.

Wir Menschen haben das Gefühl, wir hätten es in der Hand, alles bis zum Gehtnichtmehr zu steigern. Und den Anspruch, dass das ganze Leben in gesteigertem Modus abläuft. Alles muss Sensation sein und nur das Beste ist gut genug. Ehe muss sich wie Flitterwochen anfühlen. Nachtisch gibts täglich. Wissensmagazine müssen sich wie eine Aneinanderreihung von Sensationen anhören. Werbung gaukelt vor, dass Herkömmliches nicht gut genug war und jetzt das absolute Nonplusultra gefunden sei.
Welche Folgen hat diese Steigerungsmanie für Körper, Psyche, Beziehungen, Bildung, Umwelt…?

Vielleicht sollten wir umdenken lernen. Es ist normal, dass etwas, was gewachsen ist, wieder vergeht. Es ist normal, dass es nichts umsonst gibt. Wenn wir anfangen, den Preis der Unbequemlichkeit zu zahlen, dann werden Feste wieder Feste sein. Dann wird es wieder Besonderes geben. Und das ganz umsonst. Wenn man verzichtet hat, ist ein einfaches Joghurt köstlicher Nachtisch. Und Freude wird nicht länger Spass, sondern wieder echtes Vergnügen sein. Vergnügen kommt von genug.

Vielleicht ist am Ende die Unbequemlichkeit der kleinste Preis.

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3 Gedanken zu “Vom Preis der Bequemlichkeit

  1. Ich stimme dir zu: Vergnügen ist nie intensiver als dann, wenn es einem Verzicht folgt. Die meisten von uns jagen Hochleistungen und Annehmlichkeiten hinterher, es ist schwer sich davon zu befreien. Sich den Unbequemlichkeiten des Alltags zu stellen ist eben leichter, wenn die andern es auch tun. Aber wenn jeder Auto fährt, wird man als Fahrradfahrer zum Idealisten, dabei will man nur ein normaler Mensch sein, der nicht herausstehen will. So kommt es vielleicht, dass viel zu viele mitmachen in diesem Wahnsinns-Rennen. Und wir bringen uns um viel.

    Gruß
    Anhora

    1. Ich meine zu verstehen, worauf Du hinauswillst, aber ich würde doch die Waschmaschine und die Spülmaschine und die ein oder andere Bequemlichkeit nicht verteufeln wollen — denn sie haben uns nämlich auch etwas ganz richtiges gebracht: mehr Zeit.

      Für Kinder zum Beispiel, oder mehr Freiraum für Frauen, z.B. dafür, einen Beruf anzustreben.

      Das Maß halten scheint mir eher das Problem zu sein.

      So long,
      Corinna

      P.S.: Ich bin bekennende Wäschetrocknerverweigerin, aber, Menno, im Winter sag‘ ich Dir, wünsch‘ ich mir doch oft einen, wenn mir draußen auf dem Balkon fast die Hände abfrieren beim Aufhängen, *ggg*.

      1. Ja, Du hast Recht. Verteufeln bringt nichts.
        Ich würde auch nicht auf die Waschmaschine verzichten wollen und wünsche mir bei Minustemperaturen auf dem Dachboden einen Trockner.

        Ich möchte das Gewicht einfach ein wenig auf die andere Seite legen.
        Und, was mir die wichtigste Aussage des Textes ist: Wir übertragen das Steigern auf alle Lebensbereiche. Wir verlernen zum Beispiel, etwas Unangenehmes auszuhalten und verpassen so den Genuss, etwas geschafft zu haben. Wir bringen uns mit unserem bequemen Leben um manche einfache Freude, die unsere Seele füllen würde.

        Ich glaub, ich muss noch mehr darüber schreiben! Mal sehen, wann ich Zeit finde dafür.

        LG
        Maria

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