Zur Feier des Tages

…hier mal ein paar ganz andere Gedanken.

Ach ja, falls nicht klar ist, zur Feier welchen Tages, lest hier diesen herrlichen Beitrag.
Und jetzt kommt meiner:

Ich habe, muss ich ein bisschen verlegen zugeben, bis heute nicht gewusst, dass es so einen Tag gibt. Ich meine, gehört hab ich wahrscheinlich schon mal davon, aber da mich das so herzlich wenig interessiert, wohl im nächsten Atemzug wieder vergessen.

Ja, dass Emanzipation heute heisst, dass frau arbeitet und parallel Haus und Kinder versorgt, das klingt zwar überspitzt, ist aber Realität. Nun müsst ihr wissen, dass ich selber seit zehn Jahren nicht auswärts arbeiten gehe, abgesehen von ein paar Wochen Unterrichts-Stellvertretung und einem läppischen kleinen Mittagstischchen, und dass ich mich in meinem Bekanntenkreis gegen Frauen verteidigen muss, die ganz selbstverständlich arbeiten gehen und sich beim besten Willen nicht vorstellen können, dass man als Mutter und Familienmanagerin glücklich wird.
Ich wollte es nie anders. Für mich war immer klar, solange ich kann, möchte ich ausschliesslich für meine Kinder da sein. Was natürlich nicht heisst, dass mir nebenher nicht noch alles Mögliche einfällt, was ich tun könnte.

Das hat selbstverständlich Vor- und Nachteile, wie alles im Leben. Ich würde heute gerne teilzeitlich arbeiten gehen weil eine Wohnung und zwei Kinder mich nicht mehr auslasten. Die Gelegenheit dazu muss sich erst ergeben, aber das wäre ein anderes Kapitel.

Es ist nicht einfach, diese Arbeit für mich selbst als wichtig und genügend zu erachten. Mich als gleichwertig zum Beispiel zu meinem Partner zu empfinden, der vollzeitlich arbeiten geht und sich in der Freizeit in die Familie eingibt. Als gleichwertig zu meinen Freundinnen, die arbeiten gehen und daneben Haus mit Garten und Kinder versorgen. Da kommen von allen Seiten unterschwellige Fragen und Haltungen rüber. Was ich denn eigentlich den ganzen Tag tue?  (Das frage ich mich manchmal auch.) Ob ich ausgelastet sei? (natürlich nicht mehr, nachdem ich momentan weder Tageskinder, noch sonst irgendwelche Teilzeitjöbchen habe.) Dass ich nicht wirklich eigenes Geld habe, brauche ich nicht zu erwähnen.

Ohne jetzt in Verteidigungs- oder Jammerhaltung zu gehen, möchte ich doch ein paar Gedanken mitteilen, die ich mir so mache.
Wie viele Stunden von meinem Hausfrauendasein kann man denn als Arbeit betrachten? Für die Hausarbeit selbst brauche ich nicht achteinhalb Stunden im Tag, so viel ist klar. Was ist mit Präsenzzeit, dem ständigen Abrufbarsein?
Es ist manchmal nicht gerade einfach, sich eine Struktur zu schaffen und wirklich etwas zu tun, nicht ins planlose Rumhängen zu fallen. Jeder Arbeitslose kennt das Gefühl.
Es ist manchmal nicht einfach, mit gutem Gewissen Mitarbeit von den anderen Familienmitgliedern zu verlangen. Ich hätte ja Zeit, alles selbst zu tun, aber das wäre erzieherisch nicht das, was ich will. Es ist nicht das Schlechteste, sich mittels einer Auswärtsarbeit ein bisschen rar zu machen.
Wieviel Zeit am Tag kann ich mir mit gutem Gewissen für mich selbst als völlig freie Zeit nehmen?
Mit welchen Mitteln finanziere ich eine Zweitausbildung oder Weiterbildung?
Lass ich mich von meinem Mann aushalten? Aber eigentlich verdien ja die Hälfte ich. Nein, auch wieder nicht. Wäre er nämlich allein, würde er auch so viel verdienen. Aber er müsste dann seinerseits nebenher den Haushalt besorgen. Also verdien ich eben doch etwas. Eigentlich. Und ach, warum denk ich denn jetzt auf einmal in diesen Kategorien?
Ich würde manchmal gerne raus und arbeiten gehen, Abstand von allem haben. Tapetenwechsel. Mich gedanklich mit etwas anderem befassen. Dass ich mich mit spirituellen Themen befasse, kreativ tätig werde, ein Blog schreibe, nähe… gilt ja nicht wirklich als Arbeit…
Manchmal wäre es einfacher, mehr Kinder und/oder weniger Haushaltsarbeitsentlastungsgeräte zu haben.

Meistens geniesse ich meine Arbeit. Finde sie wichtig und wertvoll. Lasse mich nicht ins Bockshorn jagen von der Gesellschaft mit ihren Meinungen, was gut sei und was nicht. Diese Gedanken sind manchmal unterschwellig da, wenn ebenso unterschwellige, mit gerunzelter Stirn vorgetragene Fragen oder Bemerkungen kommen.

Vielleicht sollte ich mal den Keller aufräumen gehen.

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7 Gedanken zu “Zur Feier des Tages

  1. Ich finde, Du hast das gut auf den Punkt gebracht, und ich finde mich in vielen der Dingen, die Du ansprichst, wieder. Hier zwei meiner Gedanken zum Thema: das Gehalt meines Mannes ist unser gemeinsam erwirtschaftetes Geld — es dient dem Erhalt der Familie und dazu tragen wir beide unseren Teil bei. (Verdienen tun wir es also beide, im doppelten Sinne des Wortes, auch wenn es nur auf einer Seite rein kommt, ;-)). Das andere: der wichtige Faktor, der meine Entscheidung, zu Hause bei den Kindern zu bleiben, wichtig und richtig macht ist: die Zeit, die wir dadurch gewinnen. Wenn ein Kind krank ist, Minka morgens länger schlafen will, oder Ferien sind, dann bin ich immer wieder froh, dass wir dadurch nicht in Organisationsstress kommen oder ein Kind aus dem Schlaf gerissen oder nur halb gesund zur Schule geschickt werden muss.

    So wichtig ich es auch finde, dass Frauen ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt behaupten, so sehr muss man doch auch sehen, dass wir den Kindern schrecklich viel abverlangen, nämlich das, den Stundenplan Erwachsener zu leben und nur wenig Zeit zum Seele baumeln lassen. Es ist ein Dilemma, das ich nicht zu lösen weiß.

    Übrigens bin ich in die Offensive gegangen und habe — quasi öffentlich — Stellung für meine Entscheidung bezogen, einmal in der Eltern, einmal in einer katholischen Frauenzeitschrift und dann noch in Leserbriefen, von denen einer sogar mal Thema einer Kolumne wurde.

    Aber man braucht auch „noch“ ein Leben, noch etwas anderes, dass einen auch erfüllt, neben der Familie, das ist wohl wahr.

    So long,
    Corinna

    1. Das mit dem Gehalt des Mannes seh ich persönlich auch so. Aber diese Meinung muss vom Partner geteilt werden, nicht nur mündlich, sondern in der Haltung. Andernfalls bleibt das laue Gefühl, den anderen irgendwie zu bestehlen.

      Ja, ich bin auch sehr froh, dass wir nicht Organisationsstress haben, wenn ein Kind krank wird. Ich möchte den Kindern diese Oase bieten. Das Leben draussen ist kalt genug.

      Mutig, mutig! Es müsste mehr solche Frauen geben.

      Liebe Grüsse
      Maria

  2. Mit meinen mittlerweile 54 Jahren habe ich so ziemlich jede Variante, die sich in einem „Frauenleben“ so anbietet, erlebt. Ich habe ein Kind, mittlerweile erwachsen.
    Ich war „nur“ zu Hause“, habe umgeschult, habe teilzeitgearbeitet und dann auf Vollzeit und wieder gar nicht und dann freiberuflich Projekte mit ihrem Rhythmus vom langsamen Anschwellen über den Wahnsinn gegen Projektende mit 16-Stundentag und dem Auslaufen. Aktuell bin ich ohne Kind und ohne Arbeit, aber mit viel ehrenamtlichem Engagement.
    Die ganzen Jahre über hat mein Mann zuverlässig unsere „Brötchen“ verdient.
    Das Ganze lässt mich letztlich ratlos zurück, ohne dass ich sagen könnte: „Macht es so und so!“

    Mit Kind und ohne berufliche Arbeit: oft unbefriedigend. Allerdings läuft alles geordnet und in Ruhe ab. Allen Personen, Gesprächen und Tätigkeiten kann man meist die Zeit und Würde entgegenbringen, die sie verdienen.

    Mit Kind (5) und mit Teilzeitarbeit: Nichts Halbes und nichts Ganzes, was Entlohnung und Rente angeht und trotzdem befriedigend, aber auch schon deutlich mit Organisationskomplikationen.

    Mit Kind (12) und Vollzeit: Irgendwie toll: manchmal rauschhaft. Dabei aber total kräftezehrend auf Dauer: Kein ruhiger Abend, keine Wochenenden. Jeder rödelt, um den Haushalt über Wasser zu halten. Keine Rückzugsmöglichkeit. Alles leidet irgendwie. Es geht nur noch darum, alles auf die Reihe zu bekommen und zu funktionieren. Schlechtes Gewissen gegenüber Kind und Freunden und Partner. In der Summe viel Geld – aber wofür? Karriere allerdings möglich. Und eigene Rente.

    Mit Kind (17) und zu Hause: Wunderbare Gespräche mit dem Kind, Ruhe im Land, Ruhe beim Abitur. Wahnsinnszeit.

    Ohne Kind (20), Wahnsinnsprojekte: Möchte ich nicht missen im Sinne der Selbsterfahrung (Kraft, Fähigkeiten, Führungsqualitäten, Erfolg, richtig Geld), aber irgendwie auch leer.

    Ohne Kind (27) habe ich die Situation, dass man keine 54jährigen Frauen als Projektleiter mehr nimmt. Ich mache den Haushalt, habe viel hochinteressantes Ehrenamt, viele Kontakte, meinen spirituellen Weg – und bin erstaunlich zufrieden – und mein Mann auch. Auch nicht mehr so jung, ist es sehr angenehm für ihn, in eine entspannte Atmosphäre nach Hause zu kommen. Seinen Job machen, das würde er sowieso. Selbst in den Jahren, in denen ich voll gearbeitet habe, war es nie eine Alternative, dass er daran etwas hätte ändern können, weil sein Job die Kontinuität bot, die meiner nie hatte.
    Im Moment kommen wir durch die Situation beide auf unsere Kosten – auch, wenn sich das sehr sehr konventionell anhört.

    Ich habe eine typische Frauen-Nicht-Karriere“ gemacht; die Rente, die ich selbst erwirtschaftet habe, ist ein Witz. Das Kind war mir immer am Wichtigsten – und der Einsatz war richtig so.

    Wenn ich „nur“ zu Hause war – und auch heute – muss(te) ich mir natürlich auch dumme Sprüche anhören: fast nur von Frauen. War ich nur zu Hause, war es falsch; arbeitete ich voll, war es auch falsch! Frauen sind Frauen gegenüber oft biestig und unfair.

    Auf die Frage: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ antworte ich heute nur noch ruhig und freundlich „Ich atme ein und ich atme aus“.

    So zu leben wie ich, ist allerdings nur möglich, wenn Beziehung hält – und davon kann man (frau) heute nicht mehr wirklich ausgehen.
    Ich weiß nicht, was ich hätte anders machen sollen. Aber ein Modell ist das so für junge Frauen auch nicht….

    1. Sehr herzlichen Dank für diese offenen und ausführlichen Zeilen!

      Sie bestärken mich in dem Gefühl, dass alles zu seiner Zeit richtig ist, so, wie es ist. Dass es die eine Phase gibt und die andere. Dass nichts beständig ist. Und dass man auf keinen Fall in Frage stellen sollte, was man gerade für richtig erachtet oder was andere tun, auch wenn man es nicht versteht.
      Es zeigt mir auch, dass ein Kind mit 17 durchaus nicht zu alt ist, „dafür“ zu Hause zu bleiben.
      Ganz deutlich für mich: Ruhe und Beziehungen. Das ist, was man hat, was man bieten kann, wenn man nicht arbeiten geht. Und das ist, was ich selbst bieten möchte.

      Ich habe in meinen ersten drei Kinderjahren weiter gearbeitet. Teilzeit, gut 25%. Das war zu viel und hat mich kurz vor einen Zusammenbruch katapultiert, was allerdings nicht nur am Arbeitspensum, sondern auch an den allgemeinen Umständen lag.

      Der letzte Punkt macht mich sehr nachdenklich. Dass Beziehungen halten, ist nicht selbstverständlich.

  3. Ich habe 4 Kinder und ich bin bei den ersten beiden noch berufstätig gewesen (Teilzeit, zu Hause), dann habe ich nur noch sporadisch Jobs übernommen. Alles in allem war ich 10 Jahre zu Hause, bis ich wieder mit Teilzeitarbeit angefangen habe.

    Am meisten ist mir das bröckelnde Selbstbewusstsein in Erinnerung. Ich dachte damals, ich habe eine Menge Arbeit mit den Kindern und für ein paar nette Hobbys reichte die Zeit auch. Aber von der Gesellschaft fühlte ich mich ausgegrenzt, weil uninteressant.

    Nun ist mein jüngstes Kind fast 20 Jahre alt, alle sind außer Haus, und alle nehmen die Familie wichtig. Wir haben eine schöne und vertrauensvolle Beziehung untereinander und ich möchte glauben, dass es zumindest mit ein Grund ist, in ihrer Kinderzeit dagewesen zu sein. Sie haben viel mit mir erlebt, und nicht mit einer Betreuerin oder Nachbarin oder sonstwem. Ich weiß heute, dass ich es richtig gemacht habe, bei den Kindern zu bleiben, auch wenn es manchmal sehr schwer war.

    Seit ein paar Jahren arbeite ich übrigens wieder in Vollzeit und es ist gut, eigenes Geld zu haben, etwas beizutragen, Erfolgserlebnisse zu haben. Aber manchmal bekomm ich keine Luft zum Atmen. Ich habe immer noch viel Anteil am Leben meiner Kinder, es braucht Zeit und Energie und ich wünsch mir oft, ich müsste nur in Teilzeit arbeiten (finanziell leider nicht möglich). Man träumt halt immer von dem, was man nicht hat!

    Alles Gute,
    Anhora

    1. Danke für Deine Geschichte.

      So, wie Du das beschreibst, habe ich mir das immer vorgestellt. Nun hab ich „bloss“ zwei Kinder und die beiden kommen nicht wirklich gut miteinander aus. Es gibt also wenig Gemeinsames.

      Ja. Man träumt immer von dem, was man nicht hat!

      Liebe Grüsse
      Maria

      1. Naja das mit dem miteinander-Auskommen und füreinander-Dasein fing bei meinen Kindern auch erst im (späteren) Teenageralter an. Aber plötzlich wars da, und es blieb. Bei deinen Kindern wirds nicht anders sein, hab Geduld! Und bis dahin lenk dich ab. Mach das, was dir gut tut, damit die Kinder sich in deinem Alltag nicht zu sehr ausbreiten. Das tut weder dir noch ihnen gut.

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