Unglaublich, aber wahr

Wir sind vor zweieinhalb Wochen umgezogen. Während des Einrichtens meines neuen Nähzimmers muss ich euch diese unglaubliche, hoffentlich letzte Nachbarschaftsgeschichte erzählen.

Diesmal war es nicht die Schlafhaubendame und auch nicht Frau Keyser, es war die Witwe Bolte, mit der ich euch noch nicht bekannt gemacht habe.
Witwe Bolte wohnt in der Häuserreihe leider genau vor dem Spielplatz und hat die Angewohnheit, dort zu laut spielende Kinder lautstark zurechtzuweisen. Ausserdem achtet sie peinlich genau, dass keine Kinder aus anderen Quartieren dort spielen, auch nicht vom Haus nebenan, das eben nicht dem gleichen Besitzer gehört, und deshalb ist es natürlich äusserst verboten auf „ihren“ Spielplatz zu kommen, auch wenn man eingeladen ist.
An guten Tagen verköstigt Witwe Bolte alle Kinder, die lieb und artig (und nicht zu laut) spielen, mit Süssgetränken und Keksen. Die bösen bekommen natürlich nichts. So gehört sich das nun mal.
Ich muss nicht erwähnen, dass Sohnemann leider nie von diesen Sonderkonditionen profitieren durfte.

In gleicher Manier veranstaltete sie kürzlich eine solche Kinderparty. Sie kaufte Süssgetränke, Kekse und anderes Naschwerk und lud alle Kinder, auch diejenigen aus dem nicht zugehörigen Nachbarhaus ein, um bei ihr zu feiern. Nur, was es da zu feiern gibt, mitten im Winter, wenn niemand für liebes und artiges Spielen auf dem Spielplatz belohnt werden könnte weil da nämlich gar niemand spielt?
Ganz einfach: Wir feiern den Wegzug der Familie Schneiderin!

„Jetzt aber mal langsam! Das ist kein Gerücht?“ fragte ich meine Kinder. „Nein, das ist keins. Das haben unsere Kameraden alle erzählt. Einer nach dem anderen.“

Ich kann nur den Kopf schütteln. Was für ein Abschied!
Und dass irgendjemand uns am Umzugstag einen Pfannendeckel und eine hölzerne Schubladenfront mit Griffen beim Eingang auf die Briefkästen gelegt hat, erwähne ich nicht. Was  sind die Schneiderins schlampige Leute! Lassen ihren Krempel einfach liegen. Kann ja jeder behaupten, es wäre nicht seins, oder?

Wie anders ist es hier! Das hier bekamen wir zum Empfang:

Wir musizieren, lachen, rennen… wieder in der Wohnung. Man höre nichts von uns, findet meine Stockwerknachbarin. „Pass auf, wir tauen dann schon noch auf“, warne ich sie vor. „Wir sind uns nur noch nicht gewöhnt, dass wir wieder leben dürfen.“

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2 Gedanken zu “Unglaublich, aber wahr

  1. Dann wünsche ich Euch allen, doch endlich die Freiheit zu nutzen, die der Mensch einfach braucht.
    Alles gute und ein guter Start in der neuen Wohnung
    Liebe Grüsse zentao

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