Alleine ganz

Viele Menschen erwarten von ihrem Partner, dass er ihre Lücken füllt, ihre Löcher stopft, sie ganz macht. Es gibt im Volksmund einen deutlichen Ausdruck dafür: „die bessere Hälfte“.
Das Bild ist also folgendes: Zwei Hälften suchen sich, finden sich und bilden dann ein Ganzes; und beinhaltet also: Ich selbst alleine bin nicht ganz.

Es gibt ein schönes Experiment, zu zeigen, was passiert, wenn man alleine nicht ganz ist:
Stellt euch nebeneinander in genügendem Abstand auf. Versucht, so lange wie möglich auf einem Bein zu stehen. Beschreibt einander, was passiert.
Etwas wacklig und anstrengend mit der Zeit, nicht?
Wie könnten wir das Problem lösen?
Das Bein wechseln, klar. Geht eine Weile gut und bringt Erleichterung.
Weitere Alternativen? Ah, ja, man könnte sich am anderen festhalten!
Besser? Ist es genau gleich wackelig?
Echt? Na, dann rückt näher zusammen! Klammert euch richtig aneinander fest! Und? Funktionierts?
Wer ist für dein Gleichgewicht verantwortlich? Was passiert, wenn du dich an den anderen klammerst?
Noch eine Frage: Kannst du so, klammernd, dem anderen Nähe geben, zärtlich sein, ein Gegenüber sein?
Weitere Möglichkeit: Jeder steht auf seinen beiden Beinen.
Und jetzt? Nähe möglich?
Beim Weiterdenken und Austauschen bitte das Bild auf die Partnerschaft übertragen!

Wenn du in einer festen Partnerschaft bist, dann versuch noch ein kleines Spiel: Notiert euch beide auf einem Blatt Papier eure Standbeine. Das, was ihr in euch integriert habt, das, was euch Halt gibt.
Anschliessend dreht ihr das Blatt um und notiert auf der Rückseite, was euch zu eurem Gleichgewicht fehlt.
Jetzt kommt die Auflösung: Einer dreht das Blatt und liest seine Standbeine vor, der andere überprüft: Könnte einer dieser Punkte das, was mir fehlt, ausgleichen?

Wir haben also festgestellt, dass jeder autonom ist. Das bedeutet, dass er den anderen im Grunde, im Idealzustand, nicht braucht, auf alle Fälle nicht, um ganz zu werden. Daher muss es einen anderen Grund geben, eine Beziehung zu führen. Der Zweck ist ja nun nicht mehr, seine Löcher mit dem Plus des anderen zu stopfen.

Welche anderen Gründe aber gibt es?
Ich möchte dem anderen mein Dasein, meine Zuwendung, meine Liebe schenken. Zum einen, weil da ohnehin in mir etwas nach aussen strahlen möchte, zum anderen, weil ich den anderen liebe.
Wir schaffen zusammen mehr, bewirken Grösseres, als alleine. Das bedingt eine „Lebensaufgabe“ für die Partnerschaft. Ein Ziel.
Wir beschenken durch diese Kraft und Einheit andere, schaffen anderen Raum, sich zu entfalten, in den Strom göttlicher Liebe zu kommen.
Wir brauchen den anderen eben doch, aber nicht in einer Abhängigkeit oder zum eigenen Ganzsein, sondern zum Wachstum, als Spiegel jener Teile, die wir selbst nicht in uns integriert haben. Wir gucken uns ab, was uns fehlt und lernen vom anderen.

Ich präsentier hier eigentlich schon Lösungen. Lösungen, die du für dich selbst suchen und finden musst. Vielleicht sind deine Antworten andere. Da hilft nur eins: die Experimente selber ausprobieren!

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4 Gedanken zu “Alleine ganz

  1. ja und das hier passt eigentlich perfekt zusammen mit deinem heutigen artikel. alleine ganz sein. und den anderen an dieser ganzheit teilhaben lassen. das ist glaube ich eine gesunde art der partnerschaft. :)

    liebe grüsse
    giannina

  2. Dass es so sehr passt, hab ich erst nach dem Veröffentlichen gemerkt. Das Blog heisst nicht umsonst der rote Faden. Ich staune selbst darüber, immer wieder. Ich werde geführt und das ist in solchen Augenblicken sehr spürbar.

    Liebe Grüsse
    Maria

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