Immer erreichbar-immer präsent?

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Wir müssen keinen Schritt mehr allein tun, denn die halbe Welt ist informiert, womit wir uns gerade beschäftigen, kann uns Mut zusprechen, wann immer wir es brauchen.
Wir teilen uns mit, sagen Dinge, die wir nie sagen würden, stünden die Menschen wirklich vor uns, die unsere Zeilen lesen und müssten wir ihnen unsere Worte vortragen.
Wenn wir eine Frage haben, können wir die Antwort in der grossen weiten Welt finden, mit einem Klick, in Sekundenschnelle. Wir sind ja ständig online. Alles ist abrufbar.
Wir können uns kaufen, was wir wollen, wann immer wir wollen, mit einem Klick, auch wenn wir das Geld dafür noch nicht haben.

Irgendwie ist uns das in stillen, nachdenklichen Momenten ein bisschen ungeheuer. Wir fragen uns, ob wir uns mit dieser Art Kommunikation wirklich nahe kommen.
Findet wirkliche Begegnung statt? Oder beruhen unsere Gefühle für den anderen auf eigenen Vorstellungen? Auf dem Bild, das wir uns von ihm machen und auf jenem, das er uns von sich zeigt? Bewegen wir uns mehr und mehr in einer virtuellen Welt?

Nein, ich glaube nicht. Auch in der sogenannten Realität machen wir uns genauso ein eigenes Bild von allem, das genauso nicht der Realität entspricht. Das es anders wäre, ist reine Illusion. Und darum ist die virtuelle Welt nicht weniger echt, aber möglicherweise ehrlicher, weil sie von Anfang an nicht greifbar ist.

Das Gegenteil von Realität ist Einbildung oder Fantasie. Das Gegenteil von Virtualität ist physische Präsenz. Wir vermischen das gerne.
Es gibt virtuelle Begegnungen, die dank geistiger Präsenz realer sind als physisches Zusammensein bei innerer Abwesenheit. Das Umgekehrte selbstverständlich auch.

Wir müssten die Fragen anders stellen. Was uns (wenigstens, die Generation, die noch ohne tragbares Telefon aufgewachsen ist) im Grunde beschäftigt, ist vielmehr:
Verlernen wir es, zu warten und etwas auszuhalten?
Verlernen wir es, eine eigene Antwort in unserem Inneren zu finden?
Verlernen wir es, einander zu vertrauen, wenn der andere eine Zeitlang nicht erreichbar ist?
Verlernen wir es, uns längere Zeit auf etwas zu freuen?
Verlernen wir es, verbindlich zu sein und schon ein paar Tage im Voraus Dinge abzusprechen, an die man nicht eine halbe Stunde vor dem Treffen mit einer Frage per SMS erinnern muss?

Diese Fragen, müssen wir, fürchte ich, mit JA beantworten. Aber dass das so viel mit Virtualität zu tun hat, bezweifle ich.

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