Es gibt Tränen, die man nicht weinen kann. Sie wären zu schwer, zu dunkel und du würdest darin ertrinken. Sie machen deine Kehle eng und schmerzen, deine Haut wird dünn wie Seidenpapier. Sie fliessen bitter in den Magen und stehlen dir den Appetit.
Aber ich kenne ein Mittel, das Linderung verschafft. Für ein paar Minuten wenigstens kannst du vergessen. Fliehen, in eine andere Welt: Du setzt dich ins Auto, legst Musik auf, drehst die Scheiben ganz nach unten und die Lautstärke ganz hoch. Du schaust zu, wie Füsse und Hände fliessend, gleitend, mühelos den Wagen so perfekt lenken als wärst du darauf programmiert. Du lässt dich vom Sog der Töne mitziehen. Bis dort, wo vorher dieser enge Schmerz war, das Schlagzeug explodiert. Bis der Bass im ganzen Körper vibriert und der Rhythmus unter deinem Brustkorb klopft. Du kannst nichts mehr denken, nur noch sein. Du hast das Gefühl, mit deiner Umgebung zu verschmelzen und doch nimmst du klarer als sonst die Kontur deines Körpers wahr.
Und du wünschst dir, die Zeit möge in diesem Augenblick aufhören zu sein weil du keine Ahnung hast, wie man den Weg zurück ins Leben findet.

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2 Gedanken zu “

  1. Vielleicht überschreitest Du in Deiner Trance, gerade die Höchstgeschwindigkeit oder Du knallst gegen einen Baum, die höchste aller Gefühle.
    Das geht auch einfacher, ohne Musik,( Die Dire Straits liebe ich übrigens auch ) in dem Du Dich zurück ziehst zur Meditation, an einen ruhigen Ort und drei mal tief einatmest und Dich bewusst selber beobachtest. Das erste kann sicher auch toll sein, ist aber Schlussendlich nur Flucht aus dem Alltag. Das zweite die Meditation, wird Dir einiges bewusst machen was in Deinem Leben geschieht, oder auch nicht geschieht und auch hier kannst Du Erleichterung spüren und Du löst Deine Sorgen bewusst auf ohne fliehen zu müssen.
    Liebe Grüsse zentao

  2. Was ich versucht habe, zu beschreiben, ist keine Trance. Das wäre ein Zustand des Abhebens. Dieses hier ist aber sozusagen ein Meditieren der Musik.
    Ich weiss, dass stille Meditation erleichtert. Aber manchmal sind die Gefühle so stark, dass sie einen nur überschwemmen, sich nicht auflösen und man sie nicht einfach wieder loslassen kann.
    Du hast Recht. Es kann eine Art Flucht sein. Muss es aber nicht. Dadurch, dass ich mich ganz in die Musik hineingebe, können die Töne für mein Herz sprechen. Für Dinge, die man nicht sagen, ja nicht mal denken kann, die dann die Musik für mich sagt. Auf diese Art ist es für mich eine Verarbeitung dessen, was ist. Ein damit umgehen. Ein damit leben.

    Liebe Grüsse
    Maria

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