Frühlingsregen

Die Blitze zuckten lautlos
und der Donner schwieg.
Die Strassen glänzten nass und schwarz.
In lauer Regenluft hing Trauer schwer an Bäumen,
und tropfte auf das neue Grün der Wiese,
tränkte die Erde
in der dunklen Nacht.
Es roch nach Leben, überall,
und nach Vermählung.
Mein Herz, schon lange ausgeflossen,
versickert zwischen Gras und Steinen,
auf seiner Reise in die Tiefe,
es ward zu einem See,
trug Schiffe, Fische, Leben,
floss lange, schnell und langsam
und folgte seinem Ruf.

Als ich dann alt und schmutzig,
im weiten Meer, mit Salz vermischt,
mich umsah, wo ich Ruhe fände,
da sah die Sonn mich lange an,
wandelte mich in helle Freude,
hob mich zum blauen Himmel hoch
und liess mich tanzen, singen, lachen.
Sie füllte mich mit goldnem Licht
bis ich ganz trunken war und reif.
Dann stürzte ich in hellen Tropfen
erst langsam, immer schneller nieder
bis ich von neuem auf die Erde fiel.

So setzt der Lauf sich fort.
Ich steige auf und ab.
Und wenn ich überall gewesen bin,
alles gesehn, gehört, gelernt, begriffen,
dann kehr ich reich zurück
dorthin, wo ich zu Anfang war,
ins undenkbare, unsagbare
Tropfenparadies.

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