Schreibübungen

Nein. Ich sehe trockene Schreibübungen nicht ein. Sich was aus den Fingern saugen? Ich kann das nicht. Schreiben ist Kunst. Und Kunst kann man nicht einfach so produzieren. Entweder ist etwas schon da, bereit, es zu pflücken und ich nehme es wahr, vermag es in Worte zu kleiden, gebe ihm also ein Kleid aus Worten. Es wird sichtbar, hörbar, fassbar. Für andere und für mich selbst erkennbar. Aber es ist in Worte verhüllt. Das Eigentliche, das nackte Innere sieht man nicht.
Ich aber habe bloss, was schon da war, eingekleidet. Keine Spur von Erfinden.
Darum klingt in meinen Ohren hölzern und trocken, was Erguss blosser Schreibübung ist.
Ausser: Die Frage, Aufgabe, Übung spricht etwas Erlebtes, Erfühltes, eine Erinnerung, eine Ahnung in mir an. Dann kann ich sie nehmen, formen, umwandeln, übertragen. Dann schwingt etwas ins Sichtbare, Greifbare, was in meinem Inneren war und dann klingt der Text lebendig. Dann bekommen die Worte Kraft und Farbe, Duft und Melodie.

Solche Übungen sind aber nicht nur schlecht. Man bekommt Routine, die Worte fliessen leichter, die Bilder kommen schneller, sind griffiger und leuchtender, wenn man regelmässig schreibt. Und damit ist nicht (nur) das Tagebuch gemeint. Klar, auch das Tagebuch könnte man farbig gestalten, indem man die Einträge mal in Briefform, mal aus einer Erzählerperspektive oder in anderen Formen schreibt. Aber Tagebuch bleibt Tagebuch.
In Schreibübungen kann man Ausflüge in ferne, unbekannte Welten unternehmen. Man darf etwas wagen. Es muss ja keiner lesen, was dabei herauskommt. Aber es öffnet eine Schleuse. Und manches davon kann man vielleicht trotzdem mal in irgend einer Form brauchen, und damit an die Öffentlichkeit gelangen.

Gute Schreibübungen sind für den Schriftsteller, was die Studien für den Maler.

Wer selbst ein paar solcher Ausflüge unternehmen möchte: Hier meine Links:
Schriftsteller-Werden.de
Schreibwerkstatt.de
Autorenhaus-Verlag
Ein Roman in einem Jahr

Und hier noch eine fremde Linksammlung zum Thema.

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