Buddhismus und Christentum – Dialog der Religionen im eigenen Alltag

Ich las gerade ein Buch über eine Frau, die vom Christentum zum Buddhismus findet.
Es war sehr interessant zu sehen, auf was die Frau anspricht, was sie interessiert, was sie motiviert, sich letztlich für den Buddhismus zu entscheiden. Ihre Ausgangsposition war nicht dieselbe, wie es meine wäre. Sie hat vom Christentum nur sehr oberflächlich gewusst, da ihr der Glaube nie etwas bedeutet hatte. Was sie danach im Buddhismus fand, hab ich zum Teil im christlichen Glauben genau so gefunden.

Das entscheidende Fehlende ist aber im Christentum die Meditation. Wir haben leider weder eine lange Tradition noch viel Wissen auf diesem Gebiet. (Es gab mal ein paar Menschen, die waren Experten darin – und Christen, aber sie lebten im Mittelalter und sind heute bei der Christenallgemeinheit ziemlich unbekannt.)
Meditation, gut, richtig und regelmässig ausgeführt, wäre aber ein kraftvolles Mittel auf dem Weg der spirituellen Entwicklung. Ein wirkungsvolles Instrument im Kampf gegen das Ego, den wir im Christentum ebenso führen. Jedenfalls die von uns, die praktizierende Christen sind.

Ein Jesuitenpater, der viele Jahre in Japan in der Mission arbeitete und dabei mit dem Buddhismus in Kontakt trat, wollte wissen, aus welchem Hintergrund und welcher Tradition die Menschen kommen, denen er das Christentum brachte. So erlernte er die buddhistische Zenmeditation.
Er kannte die christlichen Mystiker und entdeckte, dass die zenbuddhistische Art der Meditation nicht an eine Weltanschauung, nicht mal an eine Religion gebunden ist, sondern, dass sie darauf abzielt, den menschlichen Geist ruhig zu machen und zum Schweigen zu bringen, dass sie also mit dem meschlichen Geist arbeitet.

Genau diese Arbeit kommt im Christentum zu kurz. Viele von uns versuchen jahrelang, bessere Menschen zu werden, in Stresssituationen besser zu reagieren, liebevoller und geduldiger zu werden. Es gelingt uns aber nicht nachhaltig, weil wir versuchen, es über den Verstand zu erreichen. Aber der Geist ist mächtiger als der Verstand.
Was wir eigentlich verändern müssten, wäre der Geist. Aber wir wissen nicht, wie.
Einen ersten Schritt in diese Richtung geht das christliche 12-Schritte-Programm. Dort lernt man, sich verstandesmässig zurückzulehnen und Gott nach seinem eigenen Gutdünken das Herz verändern zu lassen, aber gleichzeitig nicht Däumchen zu drehen, sondern die Veränderung mit dem ganzen Sein zu wollen und anzunehmen. Man kommt vom Machen zum Sein. Daraus entstehen nachhaltige Veränderungen, das habe ich selber erlebt.

Was einen solchen Prozess erleichtern und vielleicht auch beschleunigen könnte, wäre eine gute Meditationspraxis. Da ist es nicht das Schlechteste, eine zu wählen, die eine lange Tradition hat und mit dem eigenen Glauben nicht in Konflikt gerät. Und genau das erfüllt die zenbuddhistische Sitzmeditation, weil man da nichts anderes tut, als zu sitzen und den eigenen Atem zu zählen. Man stellt sich nichts vor, visualisiert nichts, hat keine Vorstellungen von Gott (du sollst dir kein Bildnis machen), rezitiert keine Mantras. Nichts.
Genau das Richtige für Menschen, die eigentlich nur meditieren wollen aber dabei Christ bleiben möchten.

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3 Gedanken zu “Buddhismus und Christentum – Dialog der Religionen im eigenen Alltag

  1. Ob Christ oder Buddhist, das ist nicht so wichtig,die Arbeit an und selber, unsere Ich Dominanz, unser Ego in den Griff zu bekommen. Wer sind wir und was ist unsere Bestimmung in diesem Leben. Das wohin? Der Weg zu Gott, oder was immer das ist das ist für alle am Ende gleich. Klar haben wir verschiedene Wege Gewählt. Ich bin überzeugt, wer alle Religionen verstehen und akzeptieren kann, ist schon weit auf dem Weg voran gekommen. Am Ende ist nur wichtig, was haben wir aus diesem Leben gemacht?
    Alles spekulieren, hilft uns nichts, wir wissen nur, das wir nichts wissen. Zurück gekommen ist noch keiner und „glauben heisst, nicht wissen,“

    Liebe Grüsse zentao

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