Das Telefonat

>>Tuuut……Tuuut.<<

„Hier Hoffmann.“

„Ja. Hier ist Keyser. Das ist eine bodenlose Frechheit, was Sie da im Brief schreiben.“

„Wieso?“

„Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Ich gehe jeden Tag arbeiten und habe abends nur die paar Stunden für mich. Da können Sie doch nicht von mir verlangen, um zehn zu Bett zu gehen! So hat man ja nichts vom Tag.“

„Aber das verlange ich ja gar nicht von Ihnen. Ich sage Ihnen ja nicht, wann Sie schlafen gehen sollen. Ich sage nur, Sie sollen Ihr Problem selber lösen.“

„Dass Sie laut sind und mich am Schlafen hindern, kann ich doch nicht beeinflussen. Das ist Ihr Problem.“

„Das können Sie in der Tat nicht beeinflussen, Sie sagen es. Aber ich hab kein Problem damit.“

„Kein Problem, kein Problem…! Pah! Sie können gut reden. Sie sind ja den ganzen Tag zu Hause. Sie haben keine Ahnung, wie es ist, jeden Tag von früh bis spät zu arbeiten.“

„Wollen Sie damit sagen, ich arbeite nicht?“

„Sie müssen jedenfalls nicht. Sie können den ganzen Tag tun, was sie wollen.“

„Ach, denken Sie? Sie sind ja nur neidisch! Und Sie haben keine Ahnung. Sie wissen doch gar nicht, was ich den ganzen Tag tue.“

„Nicht viel, wahrscheinlich. Sonst hätten Sie doch letzthin informiert. Wenigstens eine Notiz für das schwarze Brett hätten Sie schreiben können.“

„Ich hab es vergessen. Ist mir schlicht durch die Lappen gegangen.“

„Aber Sie sind doch den ganzen Tag zu Hause und haben Zeit!“

„Es könnte doch sein, dass ich zum Beispiel von zu Hause aus arbeite. Es könnte sein, dass ich stundenweise arbeite. Das wissen sie doch alles nicht.“

„Was? Das hätten Sie auch sagen können! Heimarbeit? So eine sind Sie! Ach darum sind Ihre Kinder so schlecht erzogen. Sie haben eben doch keine Zeit für sie. Und stundenweise arbeiten? Gehen Sie etwa putzen? Wie diese Ausländerinnen von nebenan, die mit dem Kopftuch?“

„Ist das schlimm? Es ist eine ziemlich gut bezahlte Arbeit. Ausserdem sind meine Kinder nicht schlecht erzogen und ich habe Zeit für sie.“

„Eine gut bezahlte Arbeit? Wer weiss, was Sie da sonst noch tun ausser putzen.“

„Das geht mir jetzt eindeutig zu weit! Es hat wirklich keinen Zweck, mit Ihnen zu reden. Sie drehen die Sache ja doch so, wie Sie sie haben wollen.“

„Sehen Sie: Wenns brenzlig wird, weichen Sie aus! Die beste Bestätigung dafür, dass ich recht habe.“

„Ach, Frau Keyser, hören wir besser auf zu streiten. Wir kommen so an kein Ende.“

„Streiten? Tun wir doch gar nicht. Ich sage ihnen nur mal gehörig meine Meinung.“

„Eben! Und die meine kennen Sie schon. Lesen Sie meinen Brief! Ich wünsche einen schönen Tag.“

>>Tuuut, tuuut, tuuut…<<

„Jetzt hat sie einfach aufgehängt! Der werd ich einen Brief schreiben, und das werd ich! Und zwar einen saftigen. Die wird das noch bereuen, gell, Mausi?“

3 Gedanken zu “Das Telefonat

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