Kleiner Protest gegen die Winterdepression

In all den Jahren, als ich gegen meine Depression gekämpft und mir eine neue innere Lebensstrategie angeeignet habe, lernte ich unglaublich viel. Es ist wie bei einer Diät. Nur eine Änderung der täglichen Gewohnheiten bringt nachhaltigen Erfolg.
Man ändert sich nicht von heute auf morgen. Es sind vorallem diese kleinen Schrittchen, die Alltag und Leben ausmachen.

Wenn schon das Aufstehen mühsam ist, dann zünde ich fast als erstes ein paar Teelichter an. Wenn ich sie in kleine Gläschen stelle, kann ich sie unbeaufsichtigt lassen ohne Gefahr. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, sehe ich in die Flämmchen und denke: “Wenn ich schon nicht strahlen kann, dann tut ihr es wenigstens für mich. Diesem Winter geben wir keine Chance!”

Ich versuche, jedem Menschen, der mir begegnet, etwas zu schenken. Etwas ganz kleines. Ein Lächeln. Ein guter Gedanke. Ein schöner Wunsch. Eine nette Begrüssung. Etwas holen für ihn… Die Gaben lenken meinen Blick weg von mir und meinen Problemen und befreien mich wenigstens ein paar Minuten von meinen Gedankenkreisen.

Ich schreibe pro Tag drei Dinge auf, für die ich dankbar bin. Und zwar von Herzen. Nicht das pflichtbewusste “Ich muss dankbar sein, ich habe alles. Sogar ein Dach über dem Kopf” Solche Sätze wirken höhnisch und provokativ in einer Depression. Ich konzentriere mich eher auf einen Sonnenstrahl, der durch die Bäume glitzert, die Farbe der Wolken, einen Duft, der mir gefällt, ein Lächeln, dass die Kinder eine Viertelstunde nicht streiten…

Ein Satz, der mir sehr hilft: “Nur für heute.” Nur für heute versuche ich das Gute zu sehen… und das Schlechte zu ertragen. Es gibt Abwandlungen davon: “Nur fünf Minuten.” z. B. wenn jede kleine Handlung wie ein Berg vor mir ist, beschwichtige ich mich damit: “Komm, mach den Abwasch. Nur fünf Minuten.” Nach fünf Minuten hätte ich die Erlaubnis von mir, damit aufzuhören, was ich meist vergesse.
Oder: “Nur diese eine Schublade.” Für den gründlichen Hausputz, der ja immer anzustehen scheint.

Ich gehe an schlechten Tagen möglichst eine Viertelstunde ins Freie. So viel braucht der Körper, um seine innere Uhr nicht auf Winterschlaf zu schalten. Wenn ich es schaffe wird draus oft ein halbstündiger Spaziergang.

Ich versuche, meinen inneren Schweinehund nicht so ernst zu nehmen. Und ich versuche, mich wie meine beste Freundin zu behandeln.

Ich schreibe mir die Klagen von der Seele. In meinem Tagebuch versuche ich, mein Leben zu verarbeiten.

Ich verabrede mich regelmässig mit meiner besten Freundin. Wir sitzen in ein Café und bei einem feinen Cappuccino entwickeln wir weitere kleine Strategien gegen die Widrigkeiten des Lebens.

Ich merk, ich komm an kein Ende. Das sind wohl die wichtigsten Dinge. Aber da gäbe es ein ganzes Buch mit solch kleinen Angewohnheiten, die über die Jahre gewachsen sind.
Das, nachdem ich in einem 12-Schritte-Programm mein Leben geordnet habe und meinen inneren Peiniger losgeworden bin.

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