Berühmte Frage einer guten Fee


Die Frage ist uralt. Ich tümmel mich auf dem Jahrmarkt der Jahrhunderte, zusammen mit den grimmigen Brüdern und anderen schreib- und denkwütigen Spezies, zu denen ich auch gehöre.

Wenn eine gute Fee käme und sagte: „Du hast einen Wunsch frei. Was immer du willst, es wird in Erfüllung gehen. Also, sag mir, was wünschst du dir?“
Was würde ich antworten? Klassischerweise hat man ja drei Wünsche, mir wär aber einer schon zu viel!

Ich wünschte mir ein Haus, zu uns passend, finanzierbar, mit Garten, auf dem Land, in der Stadt. Oder einfach nur ein Haus? Oder lieber doch eine andere Wohnung, grösser, vielleicht Parterre, mit Garten, Bastelraum und schwerhörigen Nachbarn? Oder nichts davon, weil die Kinder den erneuten Wechsel nicht verkraften würden?
Vielleicht Klarheit für mein Berufsleben, das wäre doch etwas. Zum Beispiel, dass ich bis in einem Jahr eine Stelle habe. Oder sonst eine Arbeit oder Aufgabe, die meinem inneren Weg, dem bereits von der Weisheit vorgezeichneten, entspricht.
Gesangsstunden? Klavierunterricht? Das Mitspielen in einer Band?
Oder lieber eine Ecke in einem Souvenirladen, ohne Bedingungen zur Verfügung gestellt, leer und bereit, von mir mit kreativen Sachen gefüllt zu werden?
Die Möglichkeit, ein Buch zu schreiben?

Am Rand bemerkt: Ich könnte weiter denken, mir wünschen, dass alle Menschen genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und Internet haben. Oder Weltfrieden, wie die Schönheitsköniginnen. Das Problem dabei: Es wären nicht alle damit einverstanden.

Aber vielleicht wage ich es, tiefer zu tauchen, mir etwas zu wünschen, was ins grosse, weite Land des Geistes führt, weg von vordergründigen, materiellen Dingen? (die ich zugegebenermassen brauche und liebe, die aber ersetzbar sind)
Zum Beispiel wünsche ich mir, dass ich den göttlichen Weg, der für mein Leben gedacht ist, immer sehe, und dass ich immer den Mut haben werde, ihm zu folgen. Alles andere werde ich erhalten, oder wird mir genommen, gerade so, dass ich dieses Ziel erreiche.
Ich wünsche mir, dass ich in keinem Augenblick meines Lebens vergesse, dass Gott in mir gegenwärtig ist.
Ich wünsche mir, dass ich es lerne, Gott und meinen Nächsten zu lieben.
Das Dumme an solchen Wünschen ist nur, dass all die guten Dinge, von denen ich träume: Weisheit, Liebe, Transparenz, innerer Friede, Ruhe, Freude, Zufriedenheit oder eine starke Gottesbegegnung ihren Preis und ihren Schmerz
haben, bis sie geboren sind in mir, Teil geworden sind von mir. Ich weiss nicht, ob ich mir so etwas wirklich wünschen möchte.

So bleib ich wunschlos (glücklich) weil ich alles haben will, alles miteinander, die ganze Welt.
Es bleibt mir nur, anzunehmen, was kommt,
loszulassen, was ich nicht habe
und zu lernen, mit beidem zufrieden zu sein.

Oh, pardon. Jetzt hab ich meine Wünsche verraten.
Solche Feenwünsche, heisst es, sollte man nie preisgeben, will man, dass sie sich erfüllen.
Aber die Fee ist glücklicherweise noch nicht gekommen. Die Wünsche noch nicht ausgesprochen. Ich hab noch Zeit.

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