Sommerende


Hab die Sonne verpasst.
Nur noch ein warmes, aprikosenfarbenes Glänzen auf dem See. Der Horizont errötet von der Sonne Kuss.
Der rote Feuerball versank, als ich mir einen Parkplatz suchte.
Jetzt kraxelt der Mond auf der anderen Seite über den Wald.
Ein strahlend wolkenloser, warmer Spätsommertag ist zu Ende.
Es ist Samstagabend. Die Menschen, voll betankt mit Sonne, noch feriengebräunt, in strahlender, unternehmungslustiger Laune, promenieren frisch geduscht, parfümiert, herausgeputzt in den Partyabend. Die Weiblichen geizen nicht mit ihren Reizen und Haut, die Männlichen nicht mit Muskeln unter eng anliegenden T-Shirts. Balztanz. Die einen ineinander verschlungen, einander kaum Raum zum atmen lassend, Neulinge. Andere Hand in Hand in stillem Einverständnis. Alle erwartungsfroh.
Es wird rasch kühler. Der Sommer ist vorbei. Der Herbst noch nicht da. Zwischenzeit.

Ich möchte in Worte fassen, was in der Luft liegt, aber es ist noch nicht die Zeit der Geburt. Bin auf Empfang, aber was da ist, muss erst noch werden. Ich spüre es von ferne. Nicht greifbar. Verschwommen. Verzerrt, wie die Spiegelbilder im See. Es blinkt kurz auf, verschwindet wieder, entzieht sich mir, eine unsichtbare Spur zeichnend in die Wellen meiner Seele.

Später kehren viele Menschen heim – unverrichteter Dinge. Das Herz nicht gestillt. Noch immer angefüllt mit derselben Sehnsucht, mit der sie sich auf den Weg gemacht haben und die Treibstoff für ihre Reise war. Das Sehnen sucht Erfüllung und findet sie nicht.

Die Sonne ist es, die mich zieht.
Ob sie auf Wasserflächen glitzert, durchs Blätterdach leuchtet, den Himmel rötet und im See versinkt. Ob sie warm und golden leuchtet, klar, sanft und väterlich wohlwollend, oder stechend, schreiend brennt. Ob sie blendet, auf Schneeflächen, gleissend hell, ob sie sich prall zwischen die Häuser giesst. Ob sie strahlt oder einfach nur scheint, sie zieht mich, lockt meine Augen und mein Herz, wärmt meine Seele, taucht meine Welt in Farben, kleidet das Leben in Bilder.

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