Philosophie in der Badewanne

Sonntagmorgen in der Badewanne. Das Wasser ist warm. Die Kinder spielen draussen. Das Leben ist schön. Ich entspanne mich.

Ich spüre nicht, wo die Wärme des Wassers anfängt oder aufhört, weiss nicht, wo meine eigene Wärme anfängt und aufhört. Die Grenzen verschwimmen. Ich bestehe nur noch aus einem Kopf und dem kleinen Fleck Haut am Unterarm, der am Wannenrand aufliegt und tue, was ich in solchen Situationen immer tue: Philosophieren.

Genau so bin ich in Gott und er in mir. Unzertrennlich verbunden. Nicht auszumachen, wo ich anfange und er aufhört. Dasselbe und doch verschieden. Ich eine Welle, er der Ozean.
Eigentlich ist das immer so. Auch wenn mein Körper zum Beispiel durch Schmerzen gerade 100% meiner Wahrnehmung füllt.
Unaufhörlich ist der Himmel dicht um mich und in mir drin. Ob ich es realisiere oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist die wahre Realität.

Beim Atem beobachte ich dasselbe Phänomen. Er ist um mich und in mir.
Der Atem war für mich schon immer ein Sinnbild für Gott, für seinen Geist. Seit meiner Kindheit fasziniert mich die Geschichte auf den ersten Seiten der Bibel wo Gott seinen Atem in Adams Körper haucht damit er zu leben beginnt.
Ich stellte mir immer vor, dass das auch bei mir so gewesen ist, ja, dass es bei jedem Menschen so ist.

Nur für eine kurze Zeit bewohnen wir diese Erde im Haus unseres Körpers. Dann lassen wir die unbrauchbar gewordene Hülle zurück.
Der Geist, der den Körper lebendig machte, überlebt und ist reine Liebe.
Gerald G. Jampolsky beschreibt solche Liebe in seinem Buch Was heilt ist die Liebe als die vollkommene Abwesenheit von Angst und die Erkenntnis unserer vollkommenen Einheit mit allem Leben.

Dieser Geist der Liebe, der meine Hülle zum leben bringt, ist auch in dir.
Das ist, was uns wahrhaft verbindet.
So gesehen ist Gemeinschaft möglich. Immer und überall. Auch wenn wir ganz unterschiedliche Wesen mit unterschiedlichen Interessen und Wahrnehmungen sind.
Es gibt diese geheimnisvolle Verbindung zu allen Lebewesen. Mit meinem Alltagsbewusstsein kann ich sie nicht wahrnehmen. Aber sie ist immer da und realer als meine oft so kleine und kleinliche Welt, die ich mir mit meinen Gedanken und meinen Sinnen erschaffen habe.

Noch viel zu wenig kann ich mich von diesem oberflächlichen Leben lösen, das sich mit aller Macht in den Vordergrund meiner Wahrnehmungen drängt.
Aber es gibt Wege, die gläserne Kugel zu durchbrechen, tief in das wirkliche Leben einzutauchen:
Sich zu verschenken, einem anderen etwas zu geben, ohne Erwartungen.
Vergangenheit und Zukunft loszulassen und ganz in der Gegenwart zu leben.
Zu vergeben statt zu urteilen.
Liebe zu suchen, statt zu nörgeln.
Das verbindet. Erlöst von der Illusion.

Langsam bekomm ich Schwimmhäute. Das Wasser wird kalt. Die Kinder klingeln an der Haustür. Ich schwimme von meiner kleinen, zeitlosen Insel zurück ins Erdenleben.

Möge die Entspannung mit uns sein. Und das Bewusstsein, dass der Alltag, der sich so gerne als überaus wichtig aufbauscht, es nicht wirklich ist.

Was bleibt, ist die Liebe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s