Angesammelt statt Abgearbeitet

Es gibt diese Tage, an denen man sich fühlt, als hätte man einen Klotz am Bein. Man lebt sozusagen mit angezogener Handbremse.
Als purer Gegensatz zu diesem Gefühl tauchen aus dem Nichts viele kleine Gedanken auf. Es sind all die winzigen Ideen, die man gesammelt, aber noch nicht umgesetzt hat, Dinge die man bisher vor sich hergeschoben hat und die sich nun leise aber bestimmt bemerkbar machen.
Wie Pulver durch das Glasröhrchen der Sanduhr rieseln sie unaufhaltsam, bis das Mass voll ist.

Mir jedenfalls geht es manchmal so:
Wenn ich durch die Wohnung gehe, sehe ich nur Arbeit und wartende Projekte. Die Hose von Sohnemann will endlich geflickt werden. Die Fotos möchten sich gerne in einem Album von ihrer schönsten Seite präsentieren. Die Häkeldecke ist seit Wochen nicht gewachsen. Die Wäsche sollte gebügelt werden (ist aber noch nicht ganz trocken, also kann das warten bis morgen – Puh!). Am liebsten würde ich die Möbel völlig umstellen oder sonst eine drastische Veränderung der Umgebung veranlassen.
Bis zum Mittag hat sich ein ansehnlicher, nicht mehr zu übersehender Berg aus Pflichten, Ideen und kleinen Jöbchen angesammelt, dessen Anblick mich vollends ausser Gefecht setzt.
Ich sitze hier, hätte tausende Ideen, viel Arbeit und Zeit genug und schaffe es doch nicht, ein einziges dieser Dinge umzusetzen.
Die Mischung aus innerer Unruhe und Bewegungsunfähigkeit macht mich ganz fertig.
Da hilft nicht mal mehr Schreiben. Selbst das gehört zum Berg, der vor mir liegt.
Ich tue es trotzdem.

Ich weiss, ich sollte diese unerledigten Stapel abbauen und währenddessen nichts Neues anfangen. Aber das ist schwer. Viel zu viel neues Interessantes begegnet mir auf dem Weg.
Ich finde, es braucht unendlich Kraft, die Dinge zu beenden, denen das Feuer ausgegangen ist. Ich packe etwas mit Begeisterung an weil ich gerne Neues entdecke. Wenn ich dann sehe, wie es rauskommt, verliere ich das Interesse und das Projekt bleibt liegen.

Wie wäre es, diese anfängliche Begeisterung, diesen Schwung voll auszunutzen, mich in dieser Zeit von nichts ablenken zu lassen? Nur dieses eine tun. Auch wenn es bedeutet, einen ganzen Tag lang zu malen.

Die Zeit, die ich dafür verbrauche (und meine anderen Pflichten liegen lasse), würde ich später während des Aufschiebens (währenddessen ich ebenso meine anderen Pflichten liegen lasse) mehrmals herausholen.
Ausserdem wäre das Projekt abgeschlossen und die potenziellen Handbremsen auf ein Minimum reduziert.

Es ginge darum, den Zeitplan flexibel zu verändern, wenn Bedarf ist. Dieses Privileg habe ich als Selbständigerwerbende. Eine solche bin ich doch als freischaffende Familienfrau und Allrounderin.
Auch wenn ein solcher Plan meine eigenen Vorstellungen sprengt, er wäre es doch wert, ausprobiert zu werden!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s