Mit ‘Beziehungen’ verschlagwortete Einträge

Erwartungen loslassen

6. November, 2009

Seit längerer Zeit denke ich über die Frage nach, inwieweit meine Wünsche und Erwartungen, die ich in einer Beziehung an den anderen habe, das Verhalten des Gegenübers und die Erfüllung des Wunsches beeinflussen.
Die Fälle scheinen sich zu häufen, in denen mein Wunsch sofort erfüllt wird, sobald ich dessen Erfüllung dem Himmel überlasse und nicht mehr vom Partner erwarte. Das klingt etwas naiv, ist aber schlicht meine Erfahrung.

Wenn ich es schaffe, meinen Wunsch in Gottes Hände zu legen und von ihm dessen Erfüllung zu erwarten und auch die Art, wie er ihn mir erfüllt, dann lasse ich innerlich los. Jener subtile innere Druck, den ich anwende, wenn ich dies nicht tue, verhindert, dass mein Gegenüber mir diesen Wunsch von sich aus und auf seine Weise erfüllt. Ich nehme ihn gewissermassen damit gefangen.
Kann ich dies loslassen, ist der andere frei, mir zu schenken, was ich brauche und ich bin frei, es wirklich zu empfangen.

Das heisst nun nicht, dass ich solche Wünsche nicht formuliere. Das ist sogar sehr nötig. Mein Gegenüber ist ja nicht Abraham. Es heisst aber auch, dass ich zuerst meinen Wunsch im Gebet vor Gott ausbreite und vielleicht auch nachdem ich ihn dem Partner mitgeteilt habe. Manchmal muss ich das mehrmals tun, denn ich brauche Zeit, den Wunsch ganz loslassen zu können und das Vertrauen in Gott zu entwickeln, dass er schon weiss, wann und wie die Erfüllung des Wunsches am besten für mich ist und ob überhaupt.

Ich erlebe nicht selten, dass der Wunsch sich postwendend erfüllt, sobald ich das wirklich ganz geschafft habe. Obendrein erfahre ich dabei, dass ich mit Gott zusammen alles vermag weil er mich stark macht, wenn ich schwach bin. Und dass es falsch ist, so hart das jetzt klingt, diese Dinge von anderen Menschen zu erwarten, weil es sie einsperrt und ihre Liebesgabe nicht freiwillig ist. Falsch, weil man wenn es unfreiwillig ist, nicht von Liebe, sondern von Abhängigkeit sprechen muss.

Ich werde das immer wieder lernen müssen. Und es wird jedes Mal ein bisschen weniger schmerzhaft sein. 4stats Webseiten Statistik + Counterfree hit counters

Alleine ganz

27. Oktober, 2009

Viele Menschen erwarten von ihrem Partner, dass er ihre Lücken füllt, ihre Löcher stopft, sie ganz macht. Es gibt im Volksmund einen deutlichen Ausdruck dafür: „die bessere Hälfte“.
Das Bild ist also folgendes: Zwei Hälften suchen sich, finden sich und bilden dann ein Ganzes; und beinhaltet also: Ich selbst alleine bin nicht ganz.

Es gibt ein schönes Experiment, zu zeigen, was passiert, wenn man alleine nicht ganz ist:
Stellt euch nebeneinander in genügendem Abstand auf. Versucht, so lange wie möglich auf einem Bein zu stehen. Beschreibt einander, was passiert.
Etwas wacklig und anstrengend mit der Zeit, nicht?
Wie könnten wir das Problem lösen?
Das Bein wechseln, klar. Geht eine Weile gut und bringt Erleichterung.
Weitere Alternativen? Ah, ja, man könnte sich am anderen festhalten!
Besser? Ist es genau gleich wackelig?
Echt? Na, dann rückt näher zusammen! Klammert euch richtig aneinander fest! Und? Funktionierts?
Wer ist für dein Gleichgewicht verantwortlich? Was passiert, wenn du dich an den anderen klammerst?
Noch eine Frage: Kannst du so, klammernd, dem anderen Nähe geben, zärtlich sein, ein Gegenüber sein?
Weitere Möglichkeit: Jeder steht auf seinen beiden Beinen.
Und jetzt? Nähe möglich?
Beim Weiterdenken und Austauschen bitte das Bild auf die Partnerschaft übertragen!

Wenn du in einer festen Partnerschaft bist, dann versuch noch ein kleines Spiel: Notiert euch beide auf einem Blatt Papier eure Standbeine. Das, was ihr in euch integriert habt, das, was euch Halt gibt.
Anschliessend dreht ihr das Blatt um und notiert auf der Rückseite, was euch zu eurem Gleichgewicht fehlt.
Jetzt kommt die Auflösung: Einer dreht das Blatt und liest seine Standbeine vor, der andere überprüft: Könnte einer dieser Punkte das, was mir fehlt, ausgleichen?

Wir haben also festgestellt, dass jeder autonom ist. Das bedeutet, dass er den anderen im Grunde, im Idealzustand, nicht braucht, auf alle Fälle nicht, um ganz zu werden. Daher muss es einen anderen Grund geben, eine Beziehung zu führen. Der Zweck ist ja nun nicht mehr, seine Löcher mit dem Plus des anderen zu stopfen.

Welche anderen Gründe aber gibt es?
Ich möchte dem anderen mein Dasein, meine Zuwendung, meine Liebe schenken. Zum einen, weil da ohnehin in mir etwas nach aussen strahlen möchte, zum anderen, weil ich den anderen liebe.
Wir schaffen zusammen mehr, bewirken Grösseres, als alleine. Das bedingt eine „Lebensaufgabe“ für die Partnerschaft. Ein Ziel.
Wir beschenken durch diese Kraft und Einheit andere, schaffen anderen Raum, sich zu entfalten, in den Strom göttlicher Liebe zu kommen.
Wir brauchen den anderen eben doch, aber nicht in einer Abhängigkeit oder zum eigenen Ganzsein, sondern zum Wachstum, als Spiegel jener Teile, die wir selbst nicht in uns integriert haben. Wir gucken uns ab, was uns fehlt und lernen vom anderen.

Ich präsentier hier eigentlich schon Lösungen. Lösungen, die du für dich selbst suchen und finden musst. Vielleicht sind deine Antworten andere. Da hilft nur eins: die Experimente selber ausprobieren!

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Immer erreichbar-immer präsent?

19. Dezember, 2008

Wir sind vernetzt.4stats Webseiten Statistik + Counter
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Wir müssen keinen Schritt mehr allein tun, denn die halbe Welt ist informiert, womit wir uns gerade beschäftigen, kann uns Mut zusprechen, wann immer wir es brauchen.
Wir teilen uns mit, sagen Dinge, die wir nie sagen würden, stünden die Menschen wirklich vor uns, die unsere Zeilen lesen und müssten wir ihnen unsere Worte vortragen.
Wenn wir eine Frage haben, können wir die Antwort in der grossen weiten Welt finden, mit einem Klick, in Sekundenschnelle. Wir sind ja ständig online. Alles ist abrufbar.
Wir können uns kaufen, was wir wollen, wann immer wir wollen, mit einem Klick, auch wenn wir das Geld dafür noch nicht haben.

Irgendwie ist uns das in stillen, nachdenklichen Momenten ein bisschen ungeheuer. Wir fragen uns, ob wir uns mit dieser Art Kommunikation wirklich nahe kommen.
Findet wirkliche Begegnung statt? Oder beruhen unsere Gefühle für den anderen auf eigenen Vorstellungen? Auf dem Bild, das wir uns von ihm machen und auf jenem, das er uns von sich zeigt? Bewegen wir uns mehr und mehr in einer virtuellen Welt?

Nein, ich glaube nicht. Auch in der sogenannten Realität machen wir uns genauso ein eigenes Bild von allem, das genauso nicht der Realität entspricht. Das es anders wäre, ist reine Illusion. Und darum ist die virtuelle Welt nicht weniger echt, aber möglicherweise ehrlicher, weil sie von Anfang an nicht greifbar ist.

Das Gegenteil von Realität ist Einbildung oder Fantasie. Das Gegenteil von Virtualität ist physische Präsenz. Wir vermischen das gerne.
Es gibt virtuelle Begegnungen, die dank geistiger Präsenz realer sind als physisches Zusammensein bei innerer Abwesenheit. Das Umgekehrte selbstverständlich auch.

Wir müssten die Fragen anders stellen. Was uns (wenigstens, die Generation, die noch ohne tragbares Telefon aufgewachsen ist) im Grunde beschäftigt, ist vielmehr:
Verlernen wir es, zu warten und etwas auszuhalten?
Verlernen wir es, eine eigene Antwort in unserem Inneren zu finden?
Verlernen wir es, einander zu vertrauen, wenn der andere eine Zeitlang nicht erreichbar ist?
Verlernen wir es, uns längere Zeit auf etwas zu freuen?
Verlernen wir es, verbindlich zu sein und schon ein paar Tage im Voraus Dinge abzusprechen, an die man nicht eine halbe Stunde vor dem Treffen mit einer Frage per SMS erinnern muss?

Diese Fragen, müssen wir, fürchte ich, mit JA beantworten. Aber dass das so viel mit Virtualität zu tun hat, bezweifle ich.

Waschtheater

6. Oktober, 2008

Frau Hoffmann klingelt.
Frau Keyser öffnet mit verschlafenem, missmutigem Gesicht die Türe und verzieht genervt den Mund als sie ihre Nachbarin sieht.

Hoffmann: „Guten Morgen Frau Keyser. Ich wollte nur fragen, ob die Waschmaschine frei ist. Sie wären ja dran heute.“

Keyser (verzieht das Gesicht säuerlich): „Sie sperren ja auch den ganzen Tag die Waschmaschine, wenn Sie dran sind.“

Hoffmann (schüttelt verständnislos den Kopf und versucht sich zu erinnern): „Das stimmt doch gar nicht.“

Keyser: „Doch, das stimmt. Ich hab extra keinen Zettel hingeklebt. Ich wasche erst abends. Frau Meier und Frau Weinberger hab ich informiert. Weinberger wird wahrscheinlich noch eine Maschine waschen wollen. Es muss einfach wieder frei sein, wenn ich waschen will!“

Hoffmann: „Ok.“4stats Webseiten Statistik + Counter

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Hoffmann geht zurück in die Wohnung und denkt: Ich wasche heute sicher nicht! Warum nur schafft es diese Frau immer wieder, dass ich mich so klein und unerwünscht fühle und mich das Heimweh nach meinem alten Haus mit solcher Wucht überfällt? Nach so langer Zeit noch!

Weitere Nachbarsgeschichten:

Ruhestörung
Das Telefonat

Die Antwort
Das Buch

Hindernis

18. September, 2008

Was zwischen Menschen steht, ist oft nicht mangelnde Vergebungsbereitschaft, sondern die Angst, erneut verletzt oder enttäuscht zu werden.
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eine andere Ausstrahlung

15. April, 2008

Es gibt einfach keine bessere Erklärung dafür. Gerade eben habe ich Figlia bei ihren Hausaufgaben geholfen. Mathe. Normalerweise ist das Grund für viele Auseinandersetzungen und oft streiten wir uns nur, statt dass ich helfen kann. Sie mag es nicht, wenn sie sich von mir helfen lassen muss.

Heute war es anders. Ich war, dank einer deftigen Erkältung, friedlich, still und reduziert genug, so dass wir irgendwie ein gemeinsames Tempo und ein gutes Miteinander fanden. Vielleicht lag es daran, dass ich selbst Schwäche zeigte, wenn auch auf anderem Gebiet.
Sie konnte gut mit meiner Hilfe umgehen und ich mit dem Helfen.
Jetzt ist sie glücklich zur Schule gegangen, denn sie hat den „doofsten und schwierigsten Teil“ der Hausaufgaben schon geschafft. Normalerweise hätte sie nicht mal diesen Rat von mir befolgt. Sie wollte nämlich mit dem Leichtesten anfangen.

Jetzt muss ich es nur noch schaffen, diese Haltung und Ausstrahlung ins Gesundsein hinüber zu retten. Chronische Bronchitis wäre dann doch nicht so ganz das Wahre.

Jeder Mensch ist unvergleichbar

11. März, 2008

Weil es jeden so, wie er ist nur einmal gibt.
Also lass uns aufhören mit Vergleichen. Weder mich selbst mit anderen, noch andere mit mir selbst. Weder den einen mit dem anderen, noch den anderen mit dem einen. Vergleichen bringt nur Schmerz, Leid, Neid, Eifersucht, Zwietracht, Streit, Machtkämpfe, Selbstzweifel, Stolz.

Wenn wir vergleichen, betrügen wir uns selbst um das Jetzt. Wir nehmen andere wahr, wie wir sie sehen wollen und nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie sie mal waren oder wie sie nach unserer Meinung werden sollten. Wir verpassen ihre innere Schönheit, sind blind für ihre Einzigartigkeit und ihren Wert.
Das gilt auch für die Vergleiche mit uns selber.
Wie kannst du deine innere Schönheit, deinen Wert und deine Kostbarkeit wahrnehmen, wenn du dich mit anderen vergleichst? Du bist du. Und das Beste und Kostbarste, was du anderen geben kannst, bist du selbst – dann, wenn du du selber bist. Alles andere ist eine Kopie.
Es hat mal jemand gesagt, dass der kürzeste (oder der sicherste?) Weg zum Unglücklichsein der sei, sich mit anderen zu vergleichen.
Wenn du dir also nichts vorenthalten willst, dann denke daran, dass niemand vergleichbar ist – auch nicht du selbst.

Es ist schwer, nicht zu vergleichen. Wir neigen automatisch dazu, Vergleiche anzustellen weil unser Gehirn so funktioniert, dass wir neue Informationen mit schon vorhandenen verknüpfen. Irgendwo brauchen wir die Schublade, in die wir einordnen können.
Aber es ist möglich, immer weniger zu vergleichen, unvoreingenommener auf Menschen und Situationen zuzugehen, die Urteile und das Schubladisieren bleiben zu lassen.
Du kannst versuchen, ganz im Augenblick zu leben. Versuchen, das, was du wahrnimmst neu und frisch zu sehen, als ob es das erste Mal wäre. Du kannst versuchen, ganz da und ganz aufmerksam zu sein.

Das Buch

9. Februar, 2008

Liebe Frau Keyser

Als ich gestern durch unsere wunderschöne Altstadt spazierte, da ist mir das beiliegende Buch in die Hände gekommen.
Und da hab ich an Sie gedacht.
Ich hoffe, Sie nehmen mir es nicht übel, dass ich es Ihnen gleich vor die Tür lege.
Wenn Sie keinen Bedarf dafür haben, dann geben Sie es ruhig weiter.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und einen gesunden, erholsamen Schlaf.

Beste Grüsse
Ihre Frau Hoffmann

Die Vorgeschichte kann man hier und hier und hier nachlesen.

Die Antwort

9. Februar, 2008

Frau Hoffmann,

es ist eine Unverschämtheit, wie Sie mich behandeln. Eine bodenlose Frechheit ist das. Einfach das Telefon abzuhängen!
Ich habe Ihren Brief nochmals gelesen und muss sagen, dass einiges daraus regelrecht an den Haaren herbeigezogen ist.
Er liegt jetzt neben mir und wir werden ihn nun zusammen durchgehen und alles besprechen. (Eine Kopie habe ich Ihnen beigelegt, damit Sie ihre lächerlichen Argumente auch gleich vor Augen haben.)

  1. Sie behaupten, keinen Groll gegen mich zu hegen. Das stimmt hinten und vorne nicht. Sonst wären Sie ja wohl leise und würden Rücksicht nehmen!
  2. Zweitens bestehen Sie darauf, dass Sie gerade das tun. Auch das stimmt ganz und gar nicht. Sie sind ja so was von laut! Am Sonntag waren Ihre Kinder wieder sehr böse und ungezogen. Morgens um sieben! Ich hab es genau gehört. Sie sind umher gerannt und haben die Türen zugeschlagen. Am Sonntag!!! Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Und Sie haben nichts unternommen dagegen. Rein gar nichts. Ich meine, wenn ich hörte, dass Sie wenigstens laut mit ihnen schimpften! Aber ich habe nichts dergleichen gehört. Und mein armer Mausi hat solche Angst, wenn es so laut ist. Wenigstens wegen ihm könnten Sie sich mal Mühe geben.
  3. Natürlich ist ein solches Leben normal! Sie sind nun nicht mehr auf dem Land, gute Frau Hoffmann. Sie wohnen jetzt in einer Mietskaserne. Sie müssen sich wohl oder übel daran gewöhnen, dass man dort leise sein muss und dass normale Leute auf ihre Nachbarn Rücksicht nehmen.
  4. Es ist ja lächerlich, was Sie alles aufzählen! Was ist mit der anderen Liste? Soll ich mal anfangen aufzuzählen? Ihre Kinder sind die lautesten von allen. Wenn man das Fenster öffnet, dann hört man nur sie. Sie frühstücken sommers schon um acht Uhr auf dem Balkon und wecken das ganze Haus mit Ihrem Geschirrgeklapper. Sie saugen immer im dümmsten Moment Staub. Wissen Sie eigentlich, wie laut das bei mir unten ist? Sie haben ja die ganze Woche Zeit dafür. Da müssen Sie das nicht ausgerechnet am Wochenende tun, wenn ich zu Hause bin. Ach, und vom Waschen wollen wir gar nicht anfangen. Die Waschmittelschublade trocknen Sie nicht nach, Ihre Wäsche hängen Sie immer im vorderen Teil der Waschküche auf, statt in der hinteren Ecke. Und – das wollte ich Ihnen schon lange mal sagen – hängen Sie Ihre Unterwäsche in der Wohnung auf, Frau Hoffmann. Es ist unanständig, wenn andere Leute einem in die Wäsche gucken können. Das gehört sich einfach nicht.
  5. Meine Liste wäre auch länger, aber lassen wir das. Sie sind ja wohl nicht zu kurieren.
  6. So, Sie schimpfen also nur mit halbem Herzen? Was sind Sie doch für eine schlechte Mutter! Und Sie geben es auch noch zu! Erziehen sollten Sie Ihre Gören endlich! Und dazu gehört, dass sie kräftig ausgeschimpft werden. Sonst lernen sie es nie.
  7. Sie wettern übers Fernsehen. Ist das keine sinnvolle Tätigkeit? Das tun alle normalen Leute nach einem anstrengenden Arbeitstag und solche Tage werden Ihre Kinder, wenn sie gross sind, zwangsläufig haben. Sie müssen sich damit abfinden, dass nicht alle Menschen wie Sie zu Hause bleiben und den ganzen Tag basteln und nähen können.
  8. Die Polizei zu rufen, das ist Bürgerpflicht. Wenn niemand anders die Courage dazu hat, dann muss ich es eben tun. Es geht nicht an, dass diese Halbwüchsigen auf unserem Spielplatz nachts ein Fest feiern, wenn alle Welt schlafen will. Hat Sie das etwa nicht gestört? Kein Wunder, gibt es solche streunenden Jugendlichen, wenn die Mütter ihre Kinder nicht mehr erziehen.
  9. Ihre Vorschläge, wie ich Ihr Problem lösen soll, sind lächerlich. Ich sagte Ihnen doch schon am Telefon, dass ich nichts dafür kann, wenn Sie so laut sind. Früher ins Bett kann ich nicht. Von Ohrstöpseln kriege ich Kopfschmerzen. Tagsüber kriege ich kein Auge zu. Und ausziehen, diesen Triumph gönne ich Ihnen sicher nicht! Ich wohne nun schon viele Jahre hier, aber so eine widerspenstige und laute Familie ist mir doch noch nie untergekommen.
  10. Jetzt schreiben Sie tatsächlich noch etwas vom Gesetz. Ich kenne das Gesetz, das können Sie mir glauben. So werde ich mich also ans Gesetz halten und künftig abends bis um zehn laut sein, damit Sie mal sehen, wie unangenehm das ist. Wenn Ihre Kinder dann nicht schlafen können, ist das nicht mein Problem.

So, jetzt wissen Sie Bescheid. Ich rate Ihnen, lesen Sie diesen Brief nochmals und schreiben Sie sich die Sachen hinter die Ohren. Am besten hängen sie ihn am Kühlschrank auf, damit Sie sich daran erinnern, dass Sie sich schnellstens bessern sollten. Sonst bekommen Sie es mit mir zu tun.

Schönen Gruss
A. Keyser

Das Telefonat

8. Februar, 2008

>>Tuuut……Tuuut.<<

„Hier Hoffmann.“

„Ja. Hier ist Keyser. Das ist eine bodenlose Frechheit, was Sie da im Brief schreiben.“

„Wieso?“

„Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Ich gehe jeden Tag arbeiten und habe abends nur die paar Stunden für mich. Da können Sie doch nicht von mir verlangen, um zehn zu Bett zu gehen! So hat man ja nichts vom Tag.“

„Aber das verlange ich ja gar nicht von Ihnen. Ich sage Ihnen ja nicht, wann Sie schlafen gehen sollen. Ich sage nur, Sie sollen Ihr Problem selber lösen.“

„Dass Sie laut sind und mich am Schlafen hindern, kann ich doch nicht beeinflussen. Das ist Ihr Problem.“

„Das können Sie in der Tat nicht beeinflussen, Sie sagen es. Aber ich hab kein Problem damit.“

„Kein Problem, kein Problem…! Pah! Sie können gut reden. Sie sind ja den ganzen Tag zu Hause. Sie haben keine Ahnung, wie es ist, jeden Tag von früh bis spät zu arbeiten.“

„Wollen Sie damit sagen, ich arbeite nicht?“

„Sie müssen jedenfalls nicht. Sie können den ganzen Tag tun, was sie wollen.“

„Ach, denken Sie? Sie sind ja nur neidisch! Und Sie haben keine Ahnung. Sie wissen doch gar nicht, was ich den ganzen Tag tue.“

„Nicht viel, wahrscheinlich. Sonst hätten Sie doch letzthin informiert. Wenigstens eine Notiz für das schwarze Brett hätten Sie schreiben können.“

„Ich hab es vergessen. Ist mir schlicht durch die Lappen gegangen.“

„Aber Sie sind doch den ganzen Tag zu Hause und haben Zeit!“

„Es könnte doch sein, dass ich zum Beispiel von zu Hause aus arbeite. Es könnte sein, dass ich stundenweise arbeite. Das wissen sie doch alles nicht.“

„Was? Das hätten Sie auch sagen können! Heimarbeit? So eine sind Sie! Ach darum sind Ihre Kinder so schlecht erzogen. Sie haben eben doch keine Zeit für sie. Und stundenweise arbeiten? Gehen Sie etwa putzen? Wie diese Ausländerinnen von nebenan, die mit dem Kopftuch?“

„Ist das schlimm? Es ist eine ziemlich gut bezahlte Arbeit. Ausserdem sind meine Kinder nicht schlecht erzogen und ich habe Zeit für sie.“

„Eine gut bezahlte Arbeit? Wer weiss, was Sie da sonst noch tun ausser putzen.“

„Das geht mir jetzt eindeutig zu weit! Es hat wirklich keinen Zweck, mit Ihnen zu reden. Sie drehen die Sache ja doch so, wie Sie sie haben wollen.“

„Sehen Sie: Wenns brenzlig wird, weichen Sie aus! Die beste Bestätigung dafür, dass ich recht habe.“

„Ach, Frau Keyser, hören wir besser auf zu streiten. Wir kommen so an kein Ende.“

„Streiten? Tun wir doch gar nicht. Ich sage ihnen nur mal gehörig meine Meinung.“

„Eben! Und die meine kennen Sie schon. Lesen Sie meinen Brief! Ich wünsche einen schönen Tag.“

>>Tuuut, tuuut, tuuut…<<

„Jetzt hat sie einfach aufgehängt! Der werd ich einen Brief schreiben, und das werd ich! Und zwar einen saftigen. Die wird das noch bereuen, gell, Mausi?“